Vierte Säule: Über die Pensionskasse SBB

Die SBB-Angestellten sind nicht schuld an den Verfehlungen der Pensionskassen-Manager.
Die SBB-Angestellten sind nicht schuld an den Verfehlungen der Pensionskassen-Manager.

Obschon wir Steuerzahler vor gut zwölf Jahren die Pensionskasse SBB mit 12,6 Milliarden Franken ausfinanziert hatten, dürfen wir noch weitere 1,15 Milliarden nachschieben. Dies hat nach dem Ständerat nun auch der Nationalrat entschieden.

Ein Argument findet man immer, wenn man auf dem Weg des geringsten Widerstands Bundesgelder anzapfen will. So belehrten uns vergangene Woche einige Parlamentarier, die SBB-Pensionskasse sei 1999 nicht genügend ausfinanziert worden, weil man ihr keine Schwankungsreserven mitgegeben habe.

 

Eine kühne Behauptung: Eine Pensionskasse mit einem Deckungsgrad von 100 Prozent gilt als ausfinanziert. Sie ist finanziell in der Lage, die heutigen und künftigen Verpflichtungen voll zu tragen. Freilich braucht sie dazu eine adäquate Anlagestrategie: «Bei einem Deckungsgrad von 100 Prozent und mit über 50 Prozent Rentnern darf man das vom Bund erhaltene Geld nicht zu 30 Prozent in Aktien investieren», schrieb der Pensionskassenspezialist Werner C. Hug Ende 2008 in «Soziale Sicherheit». Genau das hatte nämlich die Pensionskasse SBB gemacht. Gemessen an ihrer Risikofähigkeit, hatte sie sich zu stark in Aktien engagiert.

 

Recht haben die Parlamentarier, wenn sie sagen, die SBB-Angestellten seien nicht schuld an den Verfehlungen der Verantwortlichen. Das Gleiche könnte man aber von Mitarbeitern der Privatbahnen auch sagen. Es war nicht ihr Fehler, dass die Spitze der Ascoop-Pensionskasse das Geld der Versicherten verspekulierte und sich auf fremde Kosten in Kalifornien vergnügte. Hier müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Zeche selber bezahlen.

 

Bei privatrechtlichen Pensionskassen sind die Arbeitgebervertreter vorsichtiger. Sie sorgen dafür, dass die Pensionskasse gar nicht in eine solche Schieflage gerät, denn sie können nicht beim Aktionär die hohle Hand machen. Die Arbeitgebervertreter der SBB haben es einfacher: Sie lassen die Sache schlittern und erklären bei Bedarf den Parlamentariern, der Bund stehe in der Pflicht. Er habe die Verantwortung als Besitzer wahrzunehmen.

 

Erschienen in der BZ am 15. März 2011

Claude Chatelain