2010 gab es nur wenige Katastrophen

2010 gab es relativ wenig Schäden dieser Art.
2010 gab es relativ wenig Schäden dieser Art.

Der Kanton Bern wurde im vergangenen Jahr von grossen Elementarschäden verschont – und doch weist die GVB ein versicherungstechnisch negatives Ergebnis aus.

 

Die Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) blickt auf ein ereignisarmes Schadenjahr zurück. Die Schadensumme beträgt gerade mal 77,4 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es noch 130,2 Millionen gewesen. Damals wurde das Ergebnis durch einen einzigen Hagelzug getrübt: Das Hagelgewitter vom 23. Juli 2009 kostete die GVB 58 Millionen Franken, also fast so viel wie die Feuer- und Elementarschäden im Jahr 2010 insgesamt.

 

Im Vergleich: 2010 kostete die teuerste Naturkatastrophe 7,1 Millionen Franken: Hagel, Sturmwind und Hochwasser beschädigten insbesondere in Saanen, aber auch im übrigen Kantonsgebiet insgesamt 834 Gebäude (siehe Kasten).

 

Mehr Aufwand als Ertrag

 

Trotz der vergleichsweise bescheidenen Naturereignisse beträgt der Schaden-Kosten-Satz, die Combined Ratio, 118,9 Prozent. Das heisst, dass die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb die Prämieneinnahmen übersteigen. Aus versicherungstechnischer Optik ist somit das Ergebnis negativ. Nur dank Anlageerträgen von 34 Millionen Franken konnte ein kleiner Gewinn von 6 Millionen Franken verbucht werden.

 

Dass die GVB trotz tiefer Schadenaufwendungen ein negatives versicherungstechnisches Ergeb

Die Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) blickt auf ein ereignisarmes Schadenjahr zurück. Die Schadensumme beträgt gerade mal 77,4 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es noch 130,2 Millionen gewesen. Damals wurde das Ergebnis durch einen einzigen Hagelzug getrübt: Das Hagelgewitter vom 23. Juli 2009 kostete die GVB 58 Millionen Franken, also fast so viel wie die Feuer- und Elementarschäden im Jahr 2010 insgesamt.

 

Im Vergleich: 2010 kostete die teuerste Naturkatastrophe 7,1 Millionen Franken: Hagel, Sturmwind und Hochwasser beschädigten insbesondere in Saanen, aber auch im übrigen Kantonsgebiet insgesamt 834 Gebäude (siehe Kasten).

 

Mehr Aufwand als Ertrag

 

Trotz der vergleichsweise bescheidenen Naturereignisse beträgt der Schaden-Kosten-Satz, die Combined Ratio, 118,9 Prozent. Das heisst, dass die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb die Prämieneinnahmen übersteigen. Aus versicherungstechnischer Optik ist somit das Ergebnis negativ. Nur dank Anlageerträgen von 34 Millionen Franken konnte ein kleiner Gewinn von 6 Millionen Franken verbucht werden.

 

Dass die GVB trotz tiefer Schadenaufwendungen ein negatives versicherungstechnisches Ergebnis erzielt, ist ihrem grossen buchhalterischen Gestaltungsfreiraum zu verdanken. Sie hat nämlich die Rückstellungen um 30 Millionen auf 132 Millionen Franken aufgestockt. Und doch: «Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen», erklärte der Geschäftsleitungsvorsitzende Ueli Winzenried gestern an der Bilanzmedienkonferenz im Vatter Business Center in Bern. Die GVB möchte die Rückstellungen auf das Niveau von 1998 hieven, bevor also der Sturmwind Lothar sein Unwesen getrieben und damit die Rückstellungen zu einem grossen Teil aufgefressen hat. Die Rückstellungen sollten nach Auffassung der GVB-Spitze 0,05 Prozent des Versicherungskapitals von 314 Milliarden Franken ausmachen. Derzeit wären das 157 Millionen Franken.

 

Die Prämien bleiben auch nächstes Jahr unverändert: Trotz Lothar, trotz Hochwasser vom August 2005, trotz Hagelzug vom Juli 2009 und trotz allgemein häufiger Elementarschäden hat die GVB die Prämien in den vergangenen 25 Jahren nie erhöhen müssen.

 

nis erzielt, ist ihrem grossen buchhalterischen Gestaltungsfreiraum zu verdanken. Sie hat nämlich die Rückstellungen um 30 Millionen auf 132 Millionen Franken aufgestockt. Und doch: «Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen», erklärte der Geschäftsleitungsvorsitzende Ueli Winzenried gestern an der Bilanzmedienkonferenz im Vatter Business Center in Bern. Die GVB möchte die Rückstellungen auf das Niveau von 1998 hieven, bevor also der Sturmwind Lothar sein Unwesen getrieben und damit die Rückstellungen zu einem grossen Teil aufgefressen hat. Die Rückstellungen sollten nach Auffassung der GVB-Spitze 0,05 Prozent des Versicherungskapitals von 314 Milliarden Franken ausmachen. Derzeit wären das 157 Millionen Franken.

 

Die Prämien bleiben auch nächstes Jahr unverändert: Trotz Lothar, trotz Hochwasser vom August 2005, trotz Hagelzug vom Juli 2009 und trotz allgemein häufiger Elementarschäden hat die GVB die Prämien in den vergangenen 25 Jahren nie erhöhen müssen.

 

INFOTHEK: GVB Zusatzversicherungen AG

Sobald die Finanzmarktaufsicht (Finma) die Versicherungslizenz erteilt, kann die GVB-Tochter Gebäudewasserversicherungen verkaufen und damit in Konkurrenz zu den privaten Versicherern treten. Noch ist nicht klar, zu welchem Preis die GVB solche Versicherungen verkaufen kann. Auf dem Markt dürfte jedoch ein Preisdruck entstehen, wie er sich derzeit bereits abzeichnet. Die GVB wird keinen Aussendienst provisionieren müssen und wird auch sonst in schlanken Strukturen operieren.

 

Klar ist hingegen, dass mit dem Eintritt der GVB in diesen Markt das leidige Thema der Deckungslücke vom Tisch sein wird. Heute gilt

es nämlich oft Streitigkeiten zwischen der GVB und den Privaten, wer den Schaden zu übernehmen hat. Steigt nach einem Gewitter das Grundwasser, so sagen die Privaten, der Schaden sei auf ein Elementarereignis zurückzuführen und daher Sache der GVB. Die GVB wiederum sagt, nur wenn das Wasser von oben ins Haus gelange, handle es sich um einen Elementarschaden, drücke hingegen das Wasser von unten ins Haus, sei das nicht ihre Sache.

 

Erschienen in der BZ am 12. März 2011


Claude Chatelain