Weniger Gewinn; kein Bonus

Valiant verbucht für 2010 einen um 17,5 Prozent tieferen Gewinn als im Jahr zuvor. Verwaltungsrat und CEO verzichten daher auf einen Teil ihrer Vergütungen.

 

Das Jahresergebnis 2010 der Berner Regionalbankengruppe Valiant vermochte die Investoren nicht zu besänftigen: Die Aktie schloss gestern bei Fr. 128.20, 2,1 Prozent tiefer als am Vortag. Damit wurde das am 20. Dezember 2010 erzielte Jahrestief von Fr. 128.50 noch unterboten. Im Mai vergangenen Jahres kostete die Aktie auch mal Fr. 206.50. Wer damals diesen Preis bezahlte, muss heute einen Buchverlust von 38 Prozent konstatieren. Was genau zu dieser Korrektur führte, ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Doch Verwaltungsratspräsident Kurt Streit wies gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich nochmals darauf hin, dass externe, unabhängige Prüfer festgestellt hätten, dass sich die Valiant in allen Belangen korrekt verhalten und den Aktienkurs nicht unrechtmässig manipuliert habe.

 

Hobmeier ohne Bonus

  

Dennoch verzichtet der gesamte Verwaltungsrat für das Geschäftsjahr 2010 freiwillig auf 10 Prozent seines Honorars und CEO Michael Hobmeier auf jegliche variable Lohnbestandteile. Auch für das angelaufene Jahr gibt sich der Verwaltungsrat bescheiden: Präsident Kurt Streit verzichtet auf 50 Prozent seiner Vergütung, sprich 300 000 Franken, und auch andere Verwaltungsräte begnügen sich mit einer tieferen Vergütung.

 

Kurt Streit begründet den freiwilligen Lohnverzicht mit dem tieferen Gewinn. Dieser ist mit 122,5 Millionen Franken um 17,5 Prozent tiefer ausgefallen als im Jahr zuvor, obschon die Kundengelder und Ausleihungen je um rund eine Milliarde Franken gestiegen sind.

 

Hauptursache für den Gewinnrückgang sind laut Finanzchef Rolf Beyeler Absicherungskosten von rund 20 Millionen Franken. Die Bank rechnete mit höheren Zinsen, sodass sie sich entsprechend absicherte. Doch die Zinsen stiegen (noch) nicht, was nun das Ergebnis belastete. Auch ein Minderertrag bei den Finanzanlagen und ein Mehraufwand in der Informatik von je 10 Millionen Franken schlugen negativ zu Buche.

 

Mehr Aufwand

  

Das unbefriedigende Geschäftsergebnis spiegelt sich auch im Cost/Income-Ratio, einer der wichtigsten Kennziffern bei Finanzhäusern. Der Geschäftsaufwand in Prozent des Bruttoerfolgs stieg innert Jahresfrist von 50,5 auf 57,6 Prozent.

 

Während die meisten Banken aufgrund der strengeren Regulierung ihr Eigenkapital aufstockten, lief bei Valiant noch ein Aktienrückkaufprogramm. Dieses ist nun abgeschlossen, doch im abgelaufenen Jahr hat das Eigenkapital um 48 Millionen oder 2,9 Prozent abgenommen. Die Kernkapitalquote (Tier I/II) beträgt damit 11,1 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben sind derzeit noch 9,6 Prozent. Valiant hat sich zum Ziel gesetzt, diese Quote mittelfristig auf 12 bis 14 Prozent zu erhöhen, um damit die neuen und strengeren Auflagen der Finanzmarktaufsicht (Finma) erfüllen zu können. Ohne dadurch die Dividenden kürzen zu müssen.

 

Unveränderte Dividende

 

Apropos Dividende: Sie beträgt unverändert Fr. 3.20. Damit beträgt die Dividendenrendite gemessen am gestrigen Schlusskurs 2,5 Prozent. Das ist wenig angesichts der Tatsache, dass der Aktienkurs seit Mai um 38 Prozent geschrumpft ist. Und es ist auch wenig im Vergleich zu anderen Finanzhäusern. Bei der CS zum Beispiel beträgt die Dividendenrendite 3,25 Prozent.

 

 

KOMMENTAR: Die freiwillige Geste der Valiant-Manager

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Valiant verzichten freiwillig auf einen Teil ihrer Entschädigung. Daraus kann man zwei mögliche Begründungen ableiten: eine böse und eine wohlwollende.

Böse Zungen werden behaupten, der Verzicht spiegle das Eingeständnis der Bankmanager, für den letztjährigen brutalen Kursabsturz der Valiant-Aktie verantwortlich zu sein. Wohlgesinnte Beobachter sagen dagegen, die Führungsspitze habe ein klares Zeichen setzen wollen, dass sie sich als Interessenvertreter der Aktionäre sieht.

 

Mit einem Optionsprogramm haben die Bankmanager in den zurückliegenden Jahren viel Geld verdient; die Aktionäre hingegen mussten 2010 grosse Buchverluste einfahren. Da muss man wenn nicht ein schlechtes Gewissen, so doch ein ungutes Gefühl haben.

 

Aus welchen Beweggründen die Verantwortlichen schliesslich auf die ihr zustehende Entschädigung verzichten, ist hier zweitrangig: Tatsache ist, dass sie nach einer betrüblichen Aktienkursentwicklung ihrer Bank hinstehen und ein Zeichen setzen – und dies ohne sichtlichen Druck von aussen. Eine freiwillige Geste, die bei gewissen Bonibezügern und Abzockern bei den Grossbanken nicht zu beobachten war.

 

Erschienen in der BZ am 10. März 2011

 

 

Quelle: Berner Zeitung, Kolumnen & Kommentare

Claude Chatelain