Die Aktionäre sind vom Resultat der Credit Suisse masslos enttäuscht

Tieferer Reingewinn als erwartet, kleinere Dividende als im Vorjahr. Das Jahresergebnis 2010 der CS entspricht nicht dem Gusto der Aktionäre. Doch im Unterschied zur UBS verzeichnet die CS in allen Regionen einen Zuwachs an Kundengeldern.

Aus Sicht der Aktionäre hat die Credit Suisse gestern ein unbefriedigendes Jahresergebnis präsentiert: Der Reingewinn sank von 6,7 auf 5,1 Milliarden Franken. Sie hatten mehr erwartet: Bei Börsenschluss kostete die Aktie gerade noch Fr. 42.10, das sind 5,8 Prozent weniger als am Tag zuvor. Zur Erinnerung: Bei der UBS stieg der Kurs am Tag der Präsentation der aktuellen Zahlen um 4,3 Prozent.

 

Kleinere Investmentbank

 

Der Gewinneinbruch bei der Credit Suisse ist im Wesentlichen auf die neue Ausrichtung des Investmentbankings zurückzuführen. In diesem Geschäftsfeld, welches den Riesenverlust des Jahres 2008 produziert hatte, sollen in Zukunft kleinere Brötchen gebacken werden. Ausserdem hat in diesem Bereich die Unsicherheit an den Finanzmärkten ihre Spuren hinterlassen. Der Vorsteuergewinn reduzierte sich fast um die Hälfte. Dennoch vermochte Brady Dougan, der CEO der Credit Suisse, auch dem Investmentbanking nur Positives abzugewinnen: «Wir haben die Umsetzung unseres auf die Kunden ausgerichteten Geschäftsmodells weiter erfolgreich vorangetrieben und unseren Marktanteil in wichtigen Bereichen erhöht.»

 

Zufluss von Kundengeldern

 

Positiv zu werten ist , dass in allen Märkten und Regionen ein Nettoneugeldzufluss von insgesamt 69 Milliarden Franken zu verzeichnen ist. Allein in der Schweiz sind Kundengelder von 8 Milliarden Franken auf die CS-Konten geflossen. «Das spricht für unser attraktives Leistungsangebot und belegt, dass wir das Vertrauen der Kunden geniessen», sagte Brady Dougan. Trotzdem musste die CS im Geschäft mit den Privatkunden eine Gewinneinbusse hinnehmen. Das hängt damit zusammen, dass viele Kunden wegen der unsicheren Finanzmärkte das Geld auf dem Sparkonto belassen, statt es in Wertschriften anzulegen. Damit entgehen der Bank Transaktions- und Depotgebühren. Kommt hinzu, dass sich der Zufluss an Kundengeldern mit einer zeitlichen Verzögerung in der Erfolgsrechnung niederschlägt.

 

UBS: Abfluss von Geldern

 

Die UBS hingegen hatte übers Jahr betrachtet einen Abfluss der Kundengelder von 14 Milliarden zu beklagen (Ausgabe vom Mittwoch). Der einzige Lichtblick bei der UBS besteht darin, dass der Abfluss in der zweiten Jahreshälfte über alle Märkte betrachtet gestoppt werden konnte. Allerdings sind bei der UBS in den europäischen Ländern die Kundengelder auch im zweiten Semester weiterhin abgeflossen. Daraus wurde hier und dort gemutmasst, dieser Abfluss sei auf die hiesigen Diskussionen über das Bankgeheimnis zurückführen. Insbesondere die Deutschen hätten aus diesem Grund ihre Gelder abgezogen. Eine Spekulation, die sich aufgrund der Erfahrungen der CS nicht erhärten lässt. Der CS sind selbst in Deutschland Nettoneugelder von über einer Milliarde Franken zugeflossen. Und dies, obschon die CS gerade in Deutschland wegen der geklauten CDs ins Zwielicht geraten war.

 

15 statt 18 Prozent Rendite

 

Punkto Eigenkapitalrendite ist die CS bescheidener geworden. Sie strebt nicht mehr eine Rendite von 18 Prozent, sondern nur noch von 15 Prozent an. Vor zwei Jahren setzte sie sich sogar eine Rendite von 20 Prozent zum Ziel.

 

Die Reduktion dieses Profitabilitätsziels ist mit ein Grund, weshalb die Aktionäre gestern im grossen Stil ihre Aktien auf den Markt warfen. Aktionäre mögen hohe Eigenkapitalrenditen. Deshalb erliegen börsenkotierte Unternehmen häufig der Versuchung, das Eigenkapital herunterzufahren. Damit kommen sie auf eine höhere Rendite des Eigenkapitals. Ein Ansinnen, das sich die Banken im heutigen Umfeld kaum mehr leisten können. Im Gegenteil: Sie müssen ihr Kapital aufstocken, um die strengeren regulatorischen Vorgaben erfüllen zu können.

 

Bei der Credit Suisse erhöhte sich die Kernkapitalquote innert Jahresfrist von 16,3 auf 17,2 Prozent. Die UBS brachte es auf 17,7 Prozent. Damit liegen die beiden Grossbanken noch immer unter der Marke, wie sie den Experten der Finanzmarktaufsicht (Finma) vorschwebt. Sie erachten eine Kernkapitalquote von 19 Prozent für angebracht.

 

Weniger Bonus

 

Wie die UBS wird auch die Credit Suisse heuer einen geringeren Bonus ausschütten. Und wie bei der Konkurrentin wird auch die Credit Suisse als Kompensation die fixen Grundlöhne anheben. Der Bonuspool wird laut Brady Dougan um 25 Prozent reduziert, wobei die Mitglieder der Geschäftsleitung in diesem Jahr keinen Bonus erhalten. Die Pro-Kopf-Entschädigung reduziert sich im Schnitt um 9 Prozent.

 

Weniger Dividende

Im Unterschied zur UBS wird die CS hingegen auch in diesem Jahr eine Dividende ausschütten. Sie wird aber nicht mehr 2 Franken wie im Vorjahr, sondern nur noch Fr. 1.30 betragen.

 

 

Grübel versus Dougan

Oswald Grübel
Oswald Grübel

Da konnte die UBS nach drei himmeltraurigen Geschäftsjahren einen stolzen Gewinn von über 7 Milliarden Franken verkünden; doch der deutschstämmige CEO Oswald «Ossi» Grübel macht seinem Namen alle Ehre und grübelt ob all der Probleme, die noch einer Lösung harren. «Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Ergebnisse weiter verbessern müssen», sagte der Deutsche mit dem Gesicht eines «Fürsten der Finsternis», wie die deutsche «Zeit» ihren Landsmann charakterisierte.

 

 

Brady Dougan
Brady Dougan

Zwei Tage später dann der Auftritt eines amerikanischen Sonnyboys, der den enttäuschenden Gewinneinbruch mit den schönsten Worten zu beschreiben wusste. CEO Brady Dougan zählte auf, wo die CS überall zu den Besten gehöre. Er sagte immer wieder «tremendous», was man als enorm, gewaltig oder riesengross übersetzen könnte. Selbst für die schärferen Eigenmittelvorschriften, die Grübel noch kritisch kommentierte, fand Dougan in typisch amerikanischer Manier lobende Worte.

 

Die Börse quittierte die kritischen Äusserungen des Deutschen mit einem Kursfeuerwerk, die (sich selbst) lobenden Worte des Amerikaners mit einem Kurssturz.

 

 


KOMMENTAR: Was für den Aktionär schlecht ist, muss nicht auch für den Steuerzahler schlecht sein.

UBS-Chef Oswald Grübel ist noch nicht zufrieden. Er will mittelfristig einen Gewinn von 15 Milliarden Franken erzielen. Das wäre ein neuer Rekord. Die Aktionäre freut dies. Sie erwiderten die Jahreszahlen 2010 mit einem Kursfeuerwerk: plus 4,3 Prozent.

 

Brady Dougan, der CEO der Credit Suisse, zeigte sich gestern hingegen äusserst zufrieden und stolz, obwohl seine Bank tiefere Nettoerträge und einen tieferen Reingewinn als im Vorjahr verbuchte. Die Aktionäre hätten lieber einen höheren Gewinn gesehen. Sie warfen gestern CS-Aktien auf den Markt: minus 5,8 Prozent.

 

Was für den Aktionär schlecht ist, muss nicht auch für den Steuerzahler schlecht sein. Während die UBS offenbar zu alter Grösse heranwachsen und entsprechende Risiken in Kauf nehmen will, macht die CS auf Bescheidenheit. Das traditionell risikobehaftete Investmentbanking wird bei der CS

neu aufgestellt. Es wird weniger kapitalintensiv sein und damit die Risiken reduzieren. Damit dürften die Gewinne nicht mehr so sprudeln wie in der Vergangenheit. Gleichzeitig sinkt aber die Gefahr, dass in schlechten Zeiten der Steuerzahler den von den Investmentbankern angerichteten Schlamassel ausbaden muss.

 

Apropos Steuerzahler: Die UBS wird in diesem Jahr trotz Milliardengewinn keine Steuern zahlen. Sie kann die Gewinne mit früheren Verlusten verrechnen. Das wird auch nächstes und womöglich sogar übernächstes Jahr der Fall sein. Die CS hingegen wird dieses Jahr dem Fiskus in der Schweiz Steuern in einem dreistelligen Millionenbetrag abliefern. Auch hier unterscheiden sich die Interessen der Aktionäre und der Steuerzahler.

 

Erschienen in der BZ am 11. Februar 2011


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Claude Chatelain