Der Blick von Brady Dougan sagt alles

CS-Chef Brady Dougan
CS-Chef Brady Dougan

Die Credit Suisse hat gestern ein enttäuschendes Jahresergebnis präsentiert, insbesondere auch im Vergleich zur UBS. Vor allem die Zahlen im vierten Quartal sind ernüchternd.

 

 

Selbst CS-Konzernchef Brady Dougan sprach gestern von «enttäuschenden» Zahlen. Bei ihm will das etwas heissen. Allein im vierten Quartal resultierte ein Reinverlust von 637 Millionen Franken. Somit beträgt der Jahresgewinn keine 2 Milliarden Franken. 2010 waren es noch über 5 Milliarden gewesen (siehe Kasten). Die Hauptursache dieses Gewinneinbruchs liegt im Investmentbanking, also im Geschäft mit Aktien, Anleihen und Firmenübernahmen. Dieser ohnehin nicht erfolgsverwöhnte Geschäftsbereich schrieb allein im vierten Quartal einen Verlust von 1,3 Milliarden. Laut Brady Dougan ist das einerseits aufs schwierige Marktumfeld, andererseits auf «die beschleunigte Umsetzung des Plans zur Risikoreduktion» zurückzuführen. Der Abbau von Risiken ist mit hohen Kosten verbunden, vor allem wenn die risikobehafteten und damit nicht mehr erwünschten Kapitalien mit Verlust veräussert werden müssen.

 

Ein Vergleich mit der UBS, die ihre Zahlen am Dienstag publizierte, zeigt jedoch, dass die zweitgrösste Bank der Schweiz nicht überall zweite machte: Eine der wichtigsten Kennziffern ist der Zu- oder Abfluss von Geldern. Die CS verzeichnete 2011 einen Zufluss von 40,9 Milliarden Franken, nur unwesentlich weniger als die UBS, obschon letztere punkto verwalteter Vermögen fast doppelt so gross ist.

 

In der Schweiz geniesst die CS ein grösseres Vertrauen als die UBS: Sie verzeichnete einen Nettogeldzufluss von 6,2 Milliarden. Die UBS brachte es lediglich auf 1,1 Milliarden.

 

Bei beiden Banken sind die Erträge stärker gesunken als die Kosten. Somit hat sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis bei beiden Instituten verschlechtert. Dramatisch ist die verschlechterte Kostensituation insbesondere bei der Credit Suisse, bei welcher sich das Cost-/Income Ratio um 10 Prozentpunkte auf 88,5 Prozent verschlechterte. Im Vergleich: Bei Regionalbanken im Kanton Bern beträgt diese Verhältniszahl zwischen 40 und 65 Prozent.

 

Auch was die Eigenmittel betrifft, hat die UBS grössere Fortschritte erzielt. Die Kernkapitalquote (Tier 1) beträgt 16 Prozent, gegenüber 15,2 Prozent bei der Credit Suisse.

 

Im umstrittenen Investmentbanking hat die UBS im zurückliegenden Jahr immerhin noch einen bescheidenen Vorsteuergewinn von 304 Millionen Franken erwirtschaftet. Die CS verdiente bloss 79 Millionen. Wegen der enttäuschenden Entwicklung wird die Credit Suisse der Generalversammlung eine Reduktion der Dividende von Fr. 1.30 auf Fr. 0.75 vorschlagen. Haare lassen müssen aber auch die Mitarbeiter: Die Boni wurden wie bei der UBS um rund 40 Prozent reduziert.

 

Erschienen in der BZ am 10. Februar 2012

Claude Chatelain