Grübel stoppt den Geldabfluss

Nach drei verlustreichen Jahren schrieb die UBS im zurückliegenden Jahr einen Gewinn von 7,2 Milliarden Franken. Der Neugeldabfluss konnte gestoppt werden. Unbefriedigend bleibt das Investmentbanking.

 Die Aktionäre der UBS zeigten sich gestern positiv überrascht: Der Aktienkurs schoss nach Bekanntgabe der neusten Zahlen in die Höhe und schloss am Abend bei 18,25 Franken; 4,3 Prozent höher als am Vortag. Positiv überrascht hat wohl der Netto-Neugeldzufluss von 7,1 Milliarden Franken im vierten Quartal. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Im dritten Quartal lag dieser Wert noch bei 1,2 Milliarden, und in den ersten Quartalen 2010 waren Kundengelder wie in den Jahren zuvor abgeflossen. Unter dem Strich haben UBS-Kunden 2010 über 14 Milliarden Franken abgezogen. 2009 waren es sogar 147 Milliarden gewesen.

 

Oswald Grübel, CEO der UBS
Oswald Grübel, CEO der UBS

Kampf dem Aderlass

 

Wichtig ist die Tatsache, dass nun endlich der Abfluss der zu verwaltenden Gelder in der zweiten Jahreshälfte gestoppt werden konnte. Wobei in den diversen Regionen unterschiedliche Trends auszumachen sind: Zugeflossen sind Gelder vor allem in Asien, den Schwellenländern und in der Schweiz. Zugeflossen sind die Gelder auch im Segment der Super-Reichen. Abgeflossen sind sie in den europäischen Ländern, wobei CEO Oswald Grübel bei dieser Frage nicht konkreter werden wollte. Beim «Small Talk» nach der Konferenz haben Medienvertreter gemutmasst, dass vor allem Deutsche ihre Guthaben abgezogen hätten, was sich wohl mit den Diskussionen über das Bankgeheimnis erklären liesse. Man darf gespannt sein, was die Credit Suisse morgen bei der Präsentation ihrer Zahlen zu diesem Thema sagen wird.

 

Dass der Konzerngewinn über 7 Milliarden Franken betragen wird, wurde von Analysten mehrheitlich vorausgesagt. Sogar das Investmentbanking vermochte im vierten Quartal einen kleinen Vorsteuergewinn von 75 Millionen Franken zu erzielen, bleibt aber nach wie vor eine kostspielige Baustelle.

 

Eine Dividende können Aktionäre auch heuer nicht erwarten. Die UBS zieht es vor, die Eigenkapitalbasis weiter zu stärken, um die strengeren Auflagen der Finanzmarktaufsicht erfüllen zu können. Laut Oswald Grübel entspricht die Kernkapitalquote von 17,7 Prozent per Ende 2010 im Branchenvergleich einem Höchstwert.

 

Noch wichtiger als die Vergangenheit ist zumindest für Aktionäre die Zukunft. Im Investmentbanking erwartet Grübel im angelaufenen Quartal «eine gewisse Verbesserung». Bei den Privatkunden wie auch in der Vermögensverwaltung «dürfte die Kundenaktivität im ersten Quartal höher sein als im vierten». Schliesslich rechnet Grübel beim Nettoneugeld «mit einer spürbaren Verstärkung des Aufwärtstrends». Und schliesslich ist noch zu vermerken, dass sich das Ergebnis der UBS noch besser präsentieren würde, wäre der Franken nicht derart überbewertet.

 

 

Weniger Bonus

Die UBS wird ihren Mitarbeitern auch für 2010 einen Bonus zahlen. Er wird aber um 10 Prozent tiefer ausfallen als im Vorjahr, obschon die UBS den Reingewinn um 10 Milliarden Franken verbessern konnte. Der Bonuspool beträgt 4,3 Milliarden Franken. Neu gelten strengere Verfallsbedingungen. Das erlaubt der Grossbank, die Zuteilungen zu reduzieren oder gar zu streichen. Darben müssen die UBS-Mitarbeiter trotzdem nicht. Wohl wird der Bonus gesenkt, dafür wird der Grundlohn erhöht.

 

Für Mitglieder der Konzernleitung gelten verschärfte Regeln. Immerhin 76 Prozent der Bonuszahlungen sind aufgeschoben und unterliegen bis zu fünf Jahren dem Risiko des Verfalls. Die gesperrten Zuteilungen werden erst dann fällig, wenn spezifische Performancekriterien erfüllt sind.

 

Erschienen in der BZ am 9. Februar 2011


Claude Chatelain