Vierte Säule: Über China

Für Experten ist klar: In China muss man investiert sein, sonst wird man dem Postulat einer breiten Risikostreuung nicht gerecht.

Freilich ist das keine neue Erkenntnis. Professionelle Anleger haben China als Wachstumsmarkt schon längst entdeckt. Deshalb sind Aktien- und Immobilienpreise in die Höhe geschossen. Und zwar derart, dass manche in China eine Blase vermuten, die demnächst platzen könnte.

 

Der Anleger ist im Dilemma: Soll er jetzt noch auf den fahrenden gelben Zug aufspringen – und riskieren, dass bald eine Blase platzen wird? Oder soll er auf das Platzen der Blase warten – und das mit dem Risiko, dass er den Zug nach Fernost endgültig verpassen wird?

«Die Blase erkennt man erst, wenn sie schon geplatzt ist», sagte vergangene Woche Guido Stiel an der Fondsmesse in Zürich. Stiel ist Spezialist für aufstrebende Märkte bei Allianz Global Investors – und von China ziemlich überzeugt.

 

Wie man weiss, haben sich die Wohnungspreise in Shanghai und Peking innert kurzer Zeit verzehnfacht. Käufer von Wohnungen suchen schon gar keine Mieter mehr, weil man die Wohnung ohne Mieter besser wieder verkaufen kann. Also doch ein untrügliches Zeichen einer sich bildenden Blase?

 

Stiel winkt ab. In China gebe es 150 Städte mit über einer Million Einwohnern. Überhitzt seien die Preise nur in 2 der 150 Städten, eben in Shanghai und Peking. In den anderen 148 Städten seien die Wohnungen um 70 Prozent günstiger als in den genannten Metropolen. Hinzu komme, dass die Chinesen meistens mit Cash zahlten. So könne sich keine Kreditblase bilden.

Da hat der Mann nicht unrecht: Sowohl die Technologieblase um die Jahrhundertwende wie auch die zurückliegende

 

Immobilienblase wurden fremdfinanziert. Also doch keine Blase in China?

Vielleicht wird der chinesische Aktienmarkt aus einem ganz anderen Grund durchgeschüttelt. Zu Jahresbeginn wurden allerhand mögliche Gebiete genannt, über welche dunkle Wolken ziehen könnten. Tunesien und Ägypten waren nicht dabei.

 

Erschienen in der BZ am 8. Februar 2011

Claude Chatelain