Umfrage bei Regionalbanken: Wird es den Euro verblasen?

Der Euro hat sich von seinem Tiefstpunkt gegenüber dem Franken wieder leicht erholt. Die Unsicherheit um seine Zukunft ist damit noch nicht gebannt. Fünf Berner Banken geben ihre Einschätzung.

Sollten die Auguren der Bank Sarasin recht behalten, dann kann die Schweiz schon bald wieder aufatmen. Nach Schätzung von Jan Amrit Poser wird der Euro im vierten Quartal wieder Fr. 1.40 kosten. Zuerst dürfte die Einheitswährung noch auf Fr. 1.25 fallen, ehe sie im dritten Quartal auf Fr. 1.30 und im vierten auf die genannten Fr. 1.40 steigen sollte. Auf diesem Niveau wäre dann auch die Kaufkraftparität erreicht.

 

Trotz dieser Erholung – sollte sie auch tatsächlich eintreten – werden die Politiker in Europa den Euro auch in Zukunft schönreden. Und die Ökonomen werden auch in Zukunft das Konstrukt der Einheitswährung in Zweifel ziehen. Womöglich wird es den Euro nicht gänzlich verblasen. Wahrscheinlicher ist, dass Griechenland und womöglich auch andere Länder aus dem Verbund aussteigen, ihre eigene Währung abwerten, um auf diesem Weg die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dies könnte 2013 der Fall sein, wenn der Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro ausläuft und die überschuldeten Länder ihre Hilfspakete zurückgeben müssen.

 

Dieses Szenario wurde vergangene Woche auch an einem Podiumsgespräch an der Fondsmesse in Zürich skizziert. Absender der Botschaft: Hans-Werner Sinn, Professor des Ifo-Instituts in München und der vermutlich renommierteste Ökonomieprofessor aus dem deutschsprachigen Raum. Die Empfehlung an die Adresse der Griechen, aus dem Währungsverbund auszusteigen, hatte er schon vor einem Jahr abgegeben. Sie hat an Aktualität nichts eingebüsst.

 

 

Das sagen fünf Berner Banker zum Euro

Ueli Stähli Bereichsleiter Anlage- und Vorsorgeberatung, Bank EKI

Europa bleibt auch 2011 zweigeteilt. Während Deutschland vom schwachen Euro und von den tiefen Zinsen profitiert, kämpfen die Peripherieländer mit hohen Refinanzierungskosten ihrer Schulden und sind gezwungen, Sparmassnahmen umzusetzen. Dass eine Sanierung des Staatshaushaltes möglich ist, haben insbesondere die skandinavischen Länder in den letzten Jahrzehnten gezeigt. Die Kosten für ein Scheitern des Euro wären sehr hoch, weshalb davon auszugehen ist, dass die Regierungen eine solche Entwicklung vermeiden wollen. Für die Anleger ist auch im laufenden Jahr viel Geduld und Durchhaltewille gefragt, eine erneute Abwertung des Euro um 25 Rappen ist aber unwahrscheinlich.

Matthias Wirz Leiter Portfoliomanagement, BEKB

In der aktuellen Kreditkrise ist die mangelnde Konvergenz als grösste Schwäche der Europäi-schen Währungsunion schonungslos offengelegt worden. Umfassende Rettungspakete der EU für Griechenland und Irland sowie die Schaffung eines europäischen Stabilitätsfonds haben dem Euro jedoch wieder etwas Auftrieb gegeben. Auch die entschlossene Haltung der Politik, den Euro um jeden Preis zu verteidigen, hat für Entspannung gesorgt. Grundsätzlich ist zudem ein Auseinanderbrechen der Eurozone äusserst unwahrscheinlich, da die Kosten sowohl für die starken als auch die schwachen Länder zu hoch wären. Auch verbessert der schwache Euro die Wachstumsaussichten der exportstarken Länder und erhöht dadurch die Gewinne von exportorientierten Unternehmen. Entsprechend dürften sich Aktienanlagen von ausgewählten exportstarken Firmen in der Eurozone lohnen.

 

 


Martin Gafner CEO Valiant Privatbank, Bern

Der starke Kursrückgang des Euro gegenüber dem Schweizer Franken hat viele Fragen bezüglich seiner Zukunft aufgeworfen. Solange die deutsche Exportindustrie von der Schwäche profitieren kann, wird Deutschland auch bereit sein, die Staaten in Südeuropa tendenziell zu unterstützen. Der Schweizer Franken wird kurz- bis mittelfristig gegenüber dem Euro stark bleiben, auch wenn der Euro gemessen an der Kaufkraftparität deutlich unterbewertet ist. Es scheint uns zurzeit nicht angebracht, im Obligationenbereich zusätzliche Währungsrisiken aufzubauen. Anders sieht es bei Aktienanlagen aus. Hier ist das Währungsrisiko nicht im gleichen Ausmass dominant. Investitionen in exportorientierte europäische Aktien sind aus unserer Sicht interessant. Nebst unserer Ansicht, dass Aktien aktuell die interessanteste Anlagekategorie darstellen, profitieren europäische Exportwerte stark von der Euro-Abwertung.

Toni Knecht Leiter Private Banking, SB Saanen Bank

Der politische Wille, dem Euro mangels Alternativen beizustehen ist gross. Wir haben keine monetäre Krise, sondern eine Verschuldungskrise. Rückblickend betrachtet hat vor allem der Entscheid, Griechenland nicht aus dem Währungsverbund auszustossen, grossen Schaden angerichtet. Die Konsequenzen der Alternative, gleichbedeutend mit Abschreibungsaufwand im Umfang von 100 Milliarden Euro, wogen zu schwer. Wir rechnen damit, dass sich im Frühjahr Portugal sowie Spanien an den IWF werden wenden müssen. Zudem wird sich an den Finanzmärkten herauskristallisieren, dass die Schulden von Griechenland und Irland im Gesamtumfang von 300 Milliarden nicht ganz werden zurückbezahlt werden können. Dies wird spätestens Ende Juni zu einem weiteren Härtetest für den Euro führen. Obwohl wir heute den Euro im handelsgewichteten Aussenwert für rund 13 Prozent unterbewertet halten, könnte kurzfristig im Sog dieser Szenarien sogar ein Niveau von Fr. 1.10 unterschritten werden.

 

 


Bernhard Nufer Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisenbank Jungfrau

Ein Kollaps des Euro mit dem Austritt einzelner peripherer Mitglieder und einer Umstrukturierung ihrer Staatsschulden ist aus politischen Gründen wenig wahrscheinlich. Der «grosse Wurf», bei dem eine echte Fiskalunion beschlossen würde, erscheint zwar möglich, ist jedoch wenig wahrscheinlich.

 

Wahrscheinlicher ist das Szenario einer weiteren Eskalation der Euro-Krise, bei der einzelne Mitglieder zur Verwendung einer Parallelwährung oder zu begrenzten Bandbreiten ihres Wechselkurses Zuflucht nehmen, um einen definitiven Austritt zu vermeiden.

 

Aufgrund der politischen Konstellation am wahrscheinlichsten ist das Szenario «Durchwursteln». Dabei können Umschuldungen zwar vermieden werden, und Spanien beansprucht keine Hilfe beim Rettungsschirm, und die Zusammensetzung des Euro bleibt unverändert. Die Zinssätze für die Peripherieländer dürften jedoch auf absehbare Zeit hoch und der Euro unter Druck bleiben.

 

Erschienen in der BZ am 8. Februar 2011

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Claude Chatelain