Wo schlechte Zahlen eine gute Nachricht sind

Diese Woche ist Bankenwoche. Morgen Dienstag wird die UBS und am Donnerstag die Credit Suisse ihre Zahlen für das zurückliegende Jahr bekannt geben. Die Erwartungen sind gedämpft.

Vor allem das Investmentbanking dürfte in der Investorengemeinde erneut für Ernüchterung sorgen. Goldman Sachs, Citygroup, J. P. Morgan und jüngst auch die Deutsche Bank haben ihre Zahlen bereits vorgelegt und Rückschläge vermeldet. Wenn es der ersten Garde schlecht geht, geht es der zweiten meistens noch schlechter. Im Investmentbanking ist vor allem der Handel mit Wertschriften wie Aktien, Obligationen oder Optionen untergebracht. Jener Geschäftsbereich also, der den Geldhäusern milliardenhohe Verluste bescherte.

 

Analysten der Deutschen Bank finden es falsch, dass sich UBS und CS im Investmentbanking eine Schrumpfkur auferlegt haben. Nur die führenden Investmentbanken hätten langfristig eine Zukunft. Das deckt sich mit den Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der am Alpensymposium in Interlaken bemerkte, dass die Mächtigen der Branche noch mächtiger würden, weil sich die Player der zweiten und dritten Reihe zunehmend zurückziehen würden. Das Investmentbanking von UBS und CS sei «weder Fisch noch Vogel», titelte jüngst das Branchenmagazin «Schweizer Bank»: zu gross für den internen Gebrauch, zu klein für den globalen Wettbewerb.

 

Ein kühner Analyst einer Wallstreetfirma glaubt, das Rezept gefunden zu haben: eine 50:50-Prozent-Fusion der Investmentbanken von UBS und CS. Als Vorbild für diese «schweizerische Lösung» diene der 1998 erfolgte Zusammenschluss von Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS, meinte der Analyst.

 

Das fehlte gerade noch: Zum Glück dürfen Analysten schreiben, was sie wollen, und haben dennoch nichts zu sagen. Schon fast dreist ist die Unterstellung, dass eine solche Lösung letztlich dem Schweizer Steuerzahler gefallen würde. Käme nämlich die fusionierte Investmentbank in die Bredouille, würde sie ihre beiden Mütter, die UBS und die CS, gemeinsam mit in den Dreck ziehen. Dem Analysten, welcher diese glorreiche Idee hatte, ist es sicher egal gewesen, dass die Eidgenossenschaft für die Sünden der UBS büssen musste.

 

Mögen es Investoren und Analysten bedauern, dass das Investmentbanking der Schweizer Grossbanken keine satten Gewinne einfahren kann. Für die Schweizer Steuerzahlerinnen und -zahler ist das eine gute Nachricht. Es wird den Druck aufs Management erhöhen, die Tätigkeit des Investmentbankings noch weiter herunterzufahren. Und das würde UBS-Chef Sergio Ermotti und CS-CEO Brady Dougan dazu zwingen, die konsequente Fokussierung auf die Vermögensverwaltung voranzutreiben, wie sie es bereits angekündigt haben. Die «Finanz und Wirtschaft» brachte das derzeitige Problem auf den Punkt: «Zu vieles ist erst ein Lippenbekenntnis.»

 

Erschienen in der BZ am 6. Februar 2012

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain