Geldtransferfirmen sind für Postfinance ein Reputationsrisiko

Jürg Bucher stellt die Poststelle der Zukunft vor.
Jürg Bucher stellt die Poststelle der Zukunft vor.

Postfinance will von Geldtransferfirmen nichts mehr wissen. Sie hat die Geschäftsbeziehung mit solchen Betrieben wegen des Reputationsrisikos aufgelöst.

Im Unterschied zu den Schweizer Banken zeigt Postfinance mit USA-Personen wenig Berührungsängste. «Sowohl Schweizer mit Domizil in den USA als auch US-Bürger mit Domizil in der Schweiz können die Dienstleistungen von Postfinance zurzeit mit gewissen Einschränkungen nutzen», bestätigte Postfinance-Sprecher Marc Andrey (Ausgabe von gestern). Weniger zimperlich geht der Staatsbetrieb mit den privaten Geldtransferfirmen um: Sie hat ihren Kunden, welche eben im Money-Transfer tätig sind, die Geschäftsbeziehung aufgelöst. Sie begründet ihr Vorgehen mit dem «sehr hohen Risiko im Bereich der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung». Einem Postkunden schrieb sie am 20. Dezember: «Da Sie für Ihre Geschäftstätigkeit unsere Produkte in Anspruch nehmen, ist auch Postfinance von diesem Risiko betroffen.» Hinzu komme, dass die ausländische Finanzmarktregulierung die Abwicklung von Transaktionen im Rahmen des Geldtransfergeschäfts zunehmend erschwere und verunmögliche.

 

Banken helfen auch nicht

 

Der Markt solcher Firmen ist nicht übersichtlich, zumal Schweizerinnen und Schweizer die Dienste von Geldtransferfirmen kaum in Anspruch nehmen. Es sind häufig Ausländer, die hierzulande über keine Kontoverbindung verfügen, welche Geld in die Heimat schicken möchten. Es dürften jedoch schweizweit Hunderte von Agenturen gegeben, welche in diesem Business ihr Geld verdienen. Die Geldtransferfirmen haben bis Ende Februar 2012 Zeit, das Konto aufzulösen und ihre neue Bankverbindung anzugeben. Das Problem ist nur, dass auch Banken keinerlei Neigung verspüren, mit den Geldtransferunternehmen Geschäfte zu betreiben. Dies ebenfalls wegen des Reputationsrisikos, obschon solche Firmen an Selbstregulierungsorganisationen angeschlossen sind.

 

Besteht ein Vertragszwang?

 

Ein Vertreter einer Geldtransferfirma, der sich nicht zitieren lassen will, macht jedoch geltend, dass zwischen Banken und der Post ein erheblicher Unterschied bestehe: Den Banken sei es freigestellt, mit wem sie geschäften wollen. Doch die Post unterliege laut Postgesetz einem Kontrahierungszwang. Postfinance-Sprecher Marc Andrey widerspricht: «Der Grundversorgungsauftrag von Postfinance, auf dem der Kontrahierungszwang basiert, umfasst den nationalen Zahlungsverkehr.» Das Bundesgericht habe mit seinem Urteil einen Entscheid des Handelsgerichts Bern bestätigt.

 

Thomas Hossle von der Transbras GmbH in Zug will den Entscheid von Postfinance nicht anfechten: «Wir haben das Geschäft aufgegeben. Die Margen sind zu klein, als dass ich mir einen aufwendigen Rechtsstreit erlauben kann», erklärt Hossle. Transbras hatte sich für Geldüberweisungen nach Brasilien spezialisiert.

 

Erschienen in der BZ am 4. Februar 2012

Claude Chatelain