Postfinance hilft US-Kunden

Martin Naville, CEO der Schweizerisch-amerikanischen Handelskammer
Martin Naville, CEO der Schweizerisch-amerikanischen Handelskammer

Schweizer mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten sind bei Schweizer Banken unerwünscht. Nicht aber bei Postfinance. Sie nimmt höhere Risiken in Kauf als die Banken.

 

Für einmal kann Martin Naville mit einer positiven Nachricht aufwarten: Der CEO der Schweizerisch-amerikanischen Handelskammer schreibt seinen Mitgliedern, dass sie bei Postfinance Konti eröffnen und damit Transaktionen durchführen könnten. Das ist in der Tat eine gute Nachricht, denn die von Naville angeschriebenen Mitglieder sind in den USA steuerpflichtig und damit bei Schweizer Banken nicht mehr erwünscht. Dazu gehören Schweizer, die in den USA Wohnsitz haben. Dazu gehören aber auch Amerikaner, die in der Schweiz leben.

Asyl für USA-Kunden

 

Für die Mitglieder der Handelskammer Schweiz - USA mag dies eine gute Nachricht sein. Für Schweizer Bürger und Steuerzahler, die Mitbesitzer der Schweizerischen Post sind, ist dieser Befund weniger erbaulich. Nicht umsonst wollen Schweizer Banken mit US-Personen nichts mehr zu tun haben. Gibt nun aber die im Staatsbesitz befindliche Postfinance Steuerpflichtigen der Vereinigten Staaten Asyl, droht Ungemach.

 

Schon 2008 bot die UBS der amerikanischen Steuerbehörde an, in der Schweiz keine amerikanischen Kunden betreuen zu wollen. Andere Geldhäuser folgten dem Beispiel. Denn wie das Debakel der St. Galler Privatbank Wegelin zeigt, will die Hegemonialmacht aus der Neuen Welt ihre Gesetze auch in fremden Ländern durchsetzen, namentlich in der Schweiz. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) spricht in diesem Zusammenhang von «Reputationsrisiken im grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungsgeschäft» (Ausgabe vom 19. Dezember 2012).

 

Resultat der Handelskammer

 

Martin Naville erklärt im Schreiben an die Mitglieder, dass die Handelskammer bemüht sei, mit Schweizer Banken eine Lösung zu finden, was jedoch «inmitten des gegenwärtigen Steuerstreits zwischen den Schweizer Banken und dem US-Department of Justice» sehr schwierig sei. Ein «indirektes Resultat» ihrer Bemühungen sei nun die Politik von Postfinance, US-Personen unter gewissen Bedingungen aufzunehmen. «Sowohl Schweizer mit Domizil USA als auch US-Bürger mit Domizil Schweiz können die Dienstleistungen von Postfinance zurzeit mit gewissen Einschränkungen nutzen», bestätigt Postfinance-Sprecher Marc Andrey. Einschränkungen gebe es beim E-Trading, den Fondsdepots und den 3a-Vorsorgekonti. Ein Reputationsrisiko sieht Postfinance offenbar nicht: «Wir gehen davon aus, dass unsere Kundinnen und Kunden ihre Vermögen gemäss den geltenden gesetzlichen Bestimmungen deklarieren», erklärt Andrey weiter. «Für alle US-Personen verlangen wir eine unterschriebene Bestätigung, dass die bei Postfinance angelegten Gelder korrekt versteuert sind.» Die Schweizerische Post untersteht zwar nicht dem Bankgeheimnis, dafür dem Postgeheimnis, welches mehr oder weniger identisch ist. Doch ab nächstem Jahr wird Postfinance unter die Aufsicht der Finanzmarktaufsicht gestellt. Diese wird wohl verlangen, dass Postfinance punkto Reputationsrisiken die gleiche Politik verfolgt wie die anderen Banken auch. Es sei denn, Postfinance ändere aufgrund der jüngsten Ereignisse von sich aus ihre Politik.

 

Erschienen am 3. Februar 2012

Claude Chatelain