Vierte Säule: Über Versicherungen mit Einmalprämie

Der Markt für Versicherungen mit einmaliger Prämie ist im vergangenen Jahr regelrecht eingebrochen.

SVV-Präsident Erich Walser
SVV-Präsident Erich Walser

Erich Walser, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV), führt das nicht nur auf die historisch tiefen Zinsen zurück. Auch die «schädliche Wirkung der Stempelsteuer» sei der Grund für die nachlassende Nachfrage, sagte er am Freitag an der Jahresmedienkonferenz des SVV. Auf Versicherungen, die auf einen Schlag mit einer einzigen Prämie bezahlt werden, eben mit einer Einmalprämie, wird seit 1998 eine Stempelsteuer von 2,5 Prozent erhoben. Seither leidet dieser Geschäftszweig unter einem Prämienschwund. Das Prämienvolumen in dieser Sparte beträgt noch 60 Prozent des Volumens von 2002.

 

Nun, mein Mitleid mit der Versicherungswirtschaft hält sich in Grenzen. Mehr Mitleid habe ich mit all jenen Kundinnen und Kunden, welche um die Jahrhundertwende eine solche Versicherung mit hoher Renditeerwartung abgeschlossen hatten. Im Jahr 2000 hatte ein Mann aus Münchenbuchsee 63 386 Franken in eine Einmalprämienversicherung gesteckt. Zehn Jahre später hätte er gemäss der damaligen Prognose 122 879 Franken bekommen müssen. Wegen ungenügender Börsenerträge erhielt er aber lediglich um die 45 000 Franken, 18 000 Franken weniger als einbezahlt; 77 000 Franken weniger, als man ihm in Aussicht gestellt hatte. Dies ist nicht ein Einzelfall. Solche Sachen sprechen sich herum.

 

Einmalprämienversicherungen werden zwar mit einer Stempelsteuer belastet, haben aber auch steuerliche Vorzüge. Nach Ende der Laufzeit wird das Kapital samt Zinsen und Dividenden steuerfrei ausbezahlt. Dies ist der einzige Grund, weshalb solche Versicherungen überhaupt abgeschlossen werden. Das versicherte Todesfallkapital ist nämlich nur unwesentlich höher als die einbezahlte Prämie, was den Versicherungsschutz ad absurdum führt.

Erich Walser sprach von «der unsinnigen Einführung der Stempelsteuer». Kaum weniger unsinnig ist das Produkt.

 

Erschienen in der BZ am 1. Februar 2011

Claude Chatelain