Vierte Säule: TaxMe-Online oder TaxMe-Portal?

Was ist das TaxMe-Portal? Diese Frage habe ich Redaktionskollegen gestellt. Bis auf Mischa Aebi irrten sich alle.  

Sie sagten: Das sei der Internetauftritt der kantonalbernischen Steuerverwaltung. Über dieses Portal könne man online die Steuererklärung ausfüllen.

Das ist zwar nicht ganz falsch, doch die Kollegen verwechselten das TaxMe-Portal mit TaxMe-Online, was bei der Steuerverwaltung nicht das Gleiche ist.

 

Es sind eigentlich zwei verschiedene Türen im selben Haus mit der Adresse www.taxme.ch: Das Portal bietet mehr Dienste als das gewöhnliche TaxMe-Online. Es ermöglicht gar ein biometrisches Anmeldeverfahren, was jedoch bisher nur von einigen Hundert Personen genutzt wird. Die grosse Mehrheit der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler benutzt TaxMe-Online.

Diese Begriffsunterscheidung ist verwirrlich. Ich selber bin auch reingefallen. Die Verfügung meiner Steuererklärung enthielt nämlich einen offensichtlichen Fehler, sodass ich Einsprache erheben musste. Dabei stützte ich mich auf die Rechtsmittelbelehrung: «Die Einsprache ist entweder unterschrieben per Post oder online über das Tax-MePortal der Steuerverwaltung des Kantons Bern (www.taxme. ch) einzureichen.» Und dies innert dreissig Tagen.

 

Der Einfachheit halber machte ich es via www.taxme.ch. Freilich machte ich es nicht über das TaxMe-Portal, bei welchem ich gar nicht registriert bin, sondern mit TaxMe-Online, eben mit der ersten der beiden Türen. Dort nutzte ich das Kontaktformular, weil sonst nirgends ersichtlich war, wie ich die Einsprache machen sollte.

 

Zwei Tage später erhielt ich einen Brief, eine richtigen Brief auf Papier: «Wir können auf Ihre Einsprache nur eintreten, wenn wir diese innerhalb von zehn Tagen unterzeichnet per Post erhalten, andernfalls müssten wir leider eine Nichteintretensverfügung erlassen.» Der Unterzeichnete erklärte mir dann am Telefon, TaxMe-Portal und TaxMe-Online seien nicht das Gleiche. Eine Auskunft, die ich eigentlich hätte wissen müssen – und doch bin ich über die Formulierung in der Rechtsmittelbelehrung gestolpert.

 

Mutet die Steuerverwaltung ihren Onlinekunden nicht etwas gar viel zu?

 

Erschienen am 25. Januar 2011

Claude Chatelain