Was ist eigentlich mit Liechti?

Die Finanzmarktaufsicht will bis Ende März entscheiden, ob die KPT-Bosse mit
einem Berufsverbot belegt werden sollen. Im Fokus steht dabei auch KPT-Vize Bernhard Liechti, der als Präsident der umstrittenen Mitarbeiterstiftung amtete.

Die Fusion zwischen der Zürcher Sanitas und der Berner KPT ist geplatzt. Dennoch können die Verantwortlichen der ehemaligen Beamtenkasse noch nicht zur Tagesordnung übergehen. VR-Präsident Walter Bosch, VR-Vize Bernhard Liechti und CEO Christoph Bangerter müssen sich noch einer Untersuchung der Finanzmarktaufsicht stellen. Die Finma untersucht, ob das  Mitarbeiterbeteiligungsprogramm und andere Handlungen gegen das Versicherungsaufsichtsrecht verstossen. Gleichzeitig wird sie überprüfen, ob die drei Herren «Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit» bieten, wie es im Fachjargon heisst.

 

Was ist mit Liechti?


Bisher standen vor allem VR-Präsident Walter Bosch und sein CEO Christoph Bangerter im Rampenlicht. Doch was ist eigentlich mit Bernhard Liechti, dem Vizepräsidenten des KPT-Verwaltungsrates? Bis im Sommer 2010 war er Präsident der KPT-Mitarbeiterstiftung. Daher dürfte er besonders im Fokus der Finma stehen. Noch Anfang 2010 hatte die Stiftung den Delegierten der KPT und dem Verwaltungsrat Aktien für 40 Franken herausgegeben, wie mehrere Quellen bestätigen, nicht jedoch den Mitarbeitenden, die letztmals 2009 bedient wurden.  Nur wenige Monate später wollte dann der Stiftungsrat diese Aktien zu 600 Franken zurückkaufen.


Das riecht stark nach einem Verstoss gegen das Verbot der Verwendung von Insiderwissen. Die  Bekanntgabe der Fusion erfolgte am 10. Mai 2010, die finanziellen und juristischen Vorarbeiten bis zur Fusionsmitteilung dürften aber mehrere Monate beansprucht haben.


Die treibende Kraft


«Liechti ist die treibende Kraft. Vordergründig ist er immer nur die Nummer zwei. Doch im Hintergrund zieht er die Fäden», sagt ein ehemaliger Kadermann. Liechti war schon Vizepräsident der KPT, als der Verwaltungsrat noch Zentralvorstand hiess. Er war schon dabei, als 1999 der damalige Kassenchef Walter Kohler nach einem Machtkampf zwischen Geschäftsleitung und Zentralvorstand ohne Angabe von Gründen  freigestellt wurde. Als dann die Belegschaft revoltierte, musste Präsident Walter Brun gehen. Doch Liechti blieb. Sehr zum Missfallen mancher: Als der entlassene KPT-Direktor Walter Kohler vom «Bund» gefragt wurde, unter welchen Bedingungen er in die Direktion zurückkehren würde, erklärte Kohler ohne Wenn und Aber: «Zumindest die beiden Herren Brun und Liechti müssen gehen.» Auch andere Kadermitglieder sagten damals öffentlich, eine Zusammenarbeit mit Liechti könnten sie sich nicht mehr vorstellen.


Liechti sagte damals, er habe nie das Präsidium der KPT angestrebt. Eine Aussage, die sich bewahrheiten sollte. Er holte Professor Roland Schär als Verwaltungsratspräsidenten an Bord, nachdem der  Zentralvorstand in einen Verwaltungsrat umfunktioniert worden war. Der gleiche Liechti sorgte neun Jahre später dafür, dass Roland Schär im Juni 2009 die KPT verlassen musste, wie mehrere Quellen bestätigen. Nach Auskunft von KPT-Sprecher Reto Egloff äussert sich Liechti nicht zur Situation.


Der diplomierte Wirtschaftsprüfer Liechti ist Partner der Treuhandgesellschaft Engel Copera mit Hauptsitz in Bern-Liebefeld. Vorher war er Partner der Fidinter Treuhandgesellschaft,  noch früher war er bei der STG Coopers & Lybrand tätig.


Finanzchef bei YB

 
1997 war Bernhard  Liechti Finanzchef bei YB und zusammen mit Interimspräsident Peter  Morgenthaler der starke Mann im Berner Traditionsclub. Auch damals hatte er Grosses vor: die Gründung einer Berner Sport Holding AG, zu welcher neben YB auch der Schlittschuhclub SCB, der Handballclub BSV und die Leichtathletikvereine STB und GGB zählen sollten. Solche Pläne für eine Grossfusion kommen einem bekannt vor. Nicht bekannt ist, ob sich Liechti damals mit einem solchen Schulterschluss bereichert hätte. Bekannt ist jedoch, dass er bei einer Fusion zwischen Sanitas und KPT, wäre sie nach seinen Vorstellungen abgelaufen, über eine Million Franken eingestrichen hätte.

 

 

INFOTHEK: Gewährsverfahren

Gemäss den  Finanzmarktgesetzen müssen die obersten Organe «Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit» bieten. Damit sollen das Vertrauen des Publikums in die Institute und das Ansehen des Finanzplatzes gewahrt werden. Zu dieser Gewähr gehören alle charakterlichen und fachlichen Faktoren, die einer Person die korrekte Führung eines beaufsichtigten Instituts erlauben, heisst es  auf der Homepage der Finma.

 

Kommt die Finma zum Schluss, die KPT-Bosse hätten nicht im Interesse der Versicherten agiert, kommt es zu einem Gewährsentzug,



was faktisch einem Berufsverbot gleichkommt.


Nach dem Finanzmarktaufsichtsgesetz kann die Finma einer Person, die für eine schwere Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen verantwortlich ist, die Tätigkeit in leitender Stellung bei einer oder einem von ihr Beaufsichtigten während maximal fünf Jahren untersagen. Ob es so weit kommt, sollte bis spätestens Ende März 2011 bekannt sein.

 

Erschienen in der BZ am 19. Januar 2012


Liechti verklagte die BZ - und blitzte auf der ganzen Linie ab

Ehemaliger KPT-Vizepräsident unterliegt gegen die Herausgeberin der Berner Zeitung

Der ehemalige KPT-Vizepräsident Bernhard Liechti ist vor Gericht auf der ganzen Linie abgeblitzt. Er hatte die Espace Media wegen Artikeln in der Berner Zeitung verklagt.

Bernhard Liechti hatte gegen die Espace Media als Herausgeberin der Berner Zeitung unter anderem wegen Persönlichkeitsverletzung einen Zivilprozess angestrengt. Er sei in mehreren in der Berner Zeitung erschienenen Berichten im Zusammenhang mit der KPT-Affäre vorverurteilt worden, klagte Liechti. Hintergrund: BZ-Finanzredaktor Claude Chatelain hatte in mehreren Artikeln über die KPT-Affäre und über die entsprechenden Ermittlungen der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) berichtet. Die Finma ermittelte, weil sie den Verdacht hatte, dass sich Liechti und andere KPT-Verwaltungsräte über ein Mitarbeiteraktienprogramm der KPT unrechtmässig bereichert hatten. Im Januar 2011 veröffentlichte diese Zeitung einen Artikel, der Liechtis Rolle in der Affäre um die Krankenkasse beleuchtete. Liechtis Anwalt intervenierte umgehend, worauf ein Vergleich abgeschlossen wurde. Dieser hielt unter anderem fest, dass die Berner Zeitung seine Sicht zur Kenntnis nehme, die Klärung der Finanzmarktaufsicht abwarte und aufgrund von deren Bericht die Situation neu beurteile.


Nachdem die BZ im Juni erneut über das hängige Verfahren berichtet hatte, klagte Liechti wegen einer angeblichen Verletzung dieses Vergleichs. Die Zeitung habe vor Abschluss der Finma-Untersuchung über ihn berichtet und damit gegen die Vereinbarung verstossen. Die BZ hielt in diesem Beitrag fest, «mögliche Folge» der Finma-Ermittlungen könne für Liechti «das Verbot einer Tätigkeit in leitender Stellung sein». Und in einer anderen Passage: «Schliesslich ist damit zu rechnen, dass Liechti freiwillig oder unfreiwillig seinen Job bei der KPT an den Nagel hängen wird.» Der Verteidiger der Espace Media argumentierte, die Art und Weise, wie Liechti den Vergleich auslege, komme einem Publikationsverbot in dieser Sache gleich. Einem solche habe die Berner Zeitung aber nie zugestimmt.


Die von Chatelain geäusserten Einschätzungen haben sich notabene mittlerweile bewahrheitet: Liechti ist aus dem Verwaltungsrat der KPT zurückgetreten, und die Finma hat ihm ein Berufsverbot auferlegt. Zudem kündigte die Behörde eine Strafuntersuchung an. Das Verdikt der Finma, das diese Anfang Januar publiziert hatte, ist noch nicht rechtskräftig, weil Liechti dagegen Beschwerde eingereicht hat. Auf einen grossen Teil der Vorwürfe trat die Richterin gar nicht erst ein. Sie kam zudem zum Schluss, dass Liechtis Persönlichkeit durch die Artikel zwar beeinträchtigt, aber nicht widerrechtlich verletzt worden sei.


Die Richterin sprach die Espace Media auf der ganzen Linie frei. Gemäss dem Urteil muss Liechti die Gerichtskosten sowie die Kosten des Verteidigers der Gegenpartei tragen. Mischa Aebi


Erschienen in der BZ am 10. Februar 2012

Claude Chatelain