Vierte Säule: Das Gütesiegel ETF

Bevor die Schweiz auf Drängen der Sozialdemokratischen Partei den Kapitalismus überwunden hat, wollen wir uns hier einem urtypisch kapitalistischen Instrument zuwenden: der Aktienbörse. Und hier insbesondere den Exchange Traded Funds (ETF).

Börsenkotierte Anlagefonds sind eine Erfolgsgeschichte erster Güte. Sie erfreuen sich Jahr für Jahr zunehmender Beliebtheit. Man könnte unter ETF auch einfach – transparent – flexibel verstehen:

- einfach, weil sie wie Aktien gehandelt werden;

- transparent, weil klar ist, welche Aktien der Fonds enthält;

- flexibel, weil man diese Produkte jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen kann.

 

Zudem sind ETF günstiger als konventionelle Anlagefonds, denn der Kauf und Verkauf der im Fonds befindlichen Wertschriften erfolgen computergesteuert. Es braucht kein teures Expertenteam, das Unternehmensstudien analysiert, Märkte beobachtet und Anlageentscheide trifft. Der Computer macht dies günstiger und meistens erst noch besser. Somit ist das Kürzel ETF zu einem Gütesiegel geworden.

 

Da aber die Marke ETF nicht geschützt ist, wird sie häufig missbraucht. So werden Produkte mit dem Anhängsel ETF auf den Markt geworfen, die nicht über die genannten Vorteile verfügen.

Mittlerweile gibt es Short-ETF, mit denen man auf fallende Preise wetten, Hebel-ETF, mit denen man die Rendite mit einem Faktor x multiplizieren kann, und Hedge-Funds-ETF mit teilweise horrenden Gebühren.

 

Investmentbanker von der Derivate-Abteilung, von denen man weiss, dass sie mehr von Marketing denn von Finanzen verstehen, machen sich also mit ETF-Produkten stark. Sie missbrauchen das Gütesiegel. Davor sei gewarnt.

 

Der Privatanleger darf sich daher von ETF nicht mehr blenden lassen. Etwa ein Dutzend relevanter Börsenindizes gibt es für Privatanleger, vom SMI über die europäische Stoxx-Familie, den amerikanischen S&P-500 bis zum japanischen Nikkei-225. Ebenso viele ETF kommen für Privatanleger infrage. Den Rest kann man vergessen und jenen überlassen, die sich aufs Spekulieren und weniger aufs Anlegen verstehen.

 

Erschienen in der BZ am 11. Januar 2011

Claude Chatelain