Die IV spart bei den Hörgeräten

Das Bundesamt für Sozialversicherungen sorgt für mehr Wettbewerb bei den Hörmitteln. Den Akustiker stört aber, dass keine Mindestanforderungen gestellt werden.

Kaum hat der Nationalrat die IV-Revision 6 a fertig beraten, gibt das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) konkrete Sparmassnahmen bekannt. Sie betreffen die Hörgeräte. Mit den neuen Massnahmen könnten laut BSV jährlich 30 Millionen Franken eingespart werden. Bisher zahlten die Sozialversicherungen für Hörgeräte rund 100 Millionen Franken pro Jahr.

 

Mehr Selbstverantwortung

 

Neu werden die Vergütungen der IV nicht mehr den Akustikern, sondern den Hörbehinderten überwiesen. Sie erhalten pauschal 840 Franken für ein und 1650 Franken für zwei Hörgeräte. Pauschalen für Ersatzbatterien und Reparaturen kommen noch hinzu. Insgesamt sind das deutlich tiefere Vergütungen, als heute entrichtet werden.

BSV-Chef Yves Rossier muss bei der Invalidenversicherung sparen. Er setzt den Rotstift auch bei den Hörmitteln an.
BSV-Chef Yves Rossier muss bei der Invalidenversicherung sparen. Er setzt den Rotstift auch bei den Hörmitteln an.

Findet die Erstversorgung im AHV-Alter statt, so beträgt der Beitrag der AHV wie bisher 75 Prozent der IV-Leistung. Sie vergütet wie bisher nur ein und nicht zwei Hörgeräte.

«Das Pauschalsystem übergibt den Versicherten deutlich mehr Selbstverantwortung und Entscheidungsfreiheit, es bringt Wettbewerb in die Hörgeräteversorgung, tiefere Preise und den Sozialversicherungen weitere Einsparungen», so das BSV.

 

Wie das Bundesamt weiter mitteilt, wird es den heute gültigen Tarifvertrag mit den Akustikerverbänden kündigen. Das neue Pauschalsystem tritt voraussichtlich Mitte 2011 in Kraft.

 

Wenig Freude an dieser Neuigkeit haben die Akustiker: «Wir waren immer schon für Wettbewerb und für Pauschalen. Wir haben auch nichts dagegen, wenn Schweizer ihre Hörgeräte im Ausland einkaufen», erklärt Stefan Born, Präsident des Branchenverbands Akustika. «Ein Problem haben wir aber damit, dass keine Mindestanforderungen mehr nötig sind.» Ein Hörgeschädigter könne also für 50 Franken einen Hörverstärker kaufen und ihn für 1650 Franken vergüten lassen. Diese Geräte müssten nicht einmal auf ihre Sicherheit geprüft werden. «Wenn keine Mindestanforderungen für die Hörgeräteanpassung gelten, dürfen nicht ausgebildete Personen bei ahnungslosen Kunden heikle Eingriffe vornehmen, das ist gefährlich und unseriös.»

 

Nicht jedes Gerät vergütet

 

Dem widerspricht BSV-Direktor Yves Rossier: «Eine Entschädigung erhält nur, wer eine Rechnung für ein zugelassenes Hörgerät vorlegt. Und die Hörbehinderten entscheiden selbst, wem sie bei der Hörgeräteanpassung vertrauen.»

 

Noch offen ist, wie weit auch bei den Expertisen der Ohrenärzte gespart werden soll. Heute zahlt die IV den Ohrenärzten für zwei Expertisen 750 Franken, was Beobachter als allzu hoch einstufen.

 

Erschienen in der BZ am 18. Dezember 2010

Claude Chatelain