KPT verzichtet auf Fusion

Der höchst umstrittene Schulterschluss zwischen der KPT und der Sanitas ist geplatzt. Die beiden Krankenversicherer sind aber nach wie vor überzeugt, dass eine Fusion strategisch sinnvoll wäre.

Nachdem die angekündigte Fusion der KPT mit der Concordia 2006 gescheitert war, schien die ehemalige Beamtenkrankenkasse mit der Sanitas eine neue Braut gefunden zu haben: Am 10. Mai 2010 teilten Sanitas und KPT in Zürich an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz mit, ab 2011 gemeinsame Wege zu gehen. Sie erklärten damals, was fusionswillige Unternehmen in solchen Momenten immer sagen: Sie sprachen von Synergien, die bei einem Zusammenschluss genutzt werden könnten. Sie sprachen von einer «langfristigen finanziellen Sicherheit», denn der partnerschaftliche Zusammenschluss stärke die neue Unternehmung.

 

Dubioses Aktienprogramm

 

Kein Thema an jener Medienorientierung war jedoch das dubiose Mitarbeiteraktienprogramm, das schliesslich den Zusammenschluss vereiteln sollte. Sieben Wochen nach besagter Medienkonferenz enthüllte der «SonntagsBlick», dass bei einer Fusion über 50 Millionen Franken Prämiengelder an Mitarbeiter ausbezahlt würden. Denn als Vorbedingung der Fusion haben die beiden Kassen vereinbart, die Mitarbeiterstiftung der KPT aufzulösen. Den Mitgliedern des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung wären dadurch je über eine Million Franken aufs private Konto geflossen. Aktien, die für rund 40 Franken ausgegeben wurden, sollten für 600 Franken zurückgekauft werden. Es war dann die Finanzmarktaufsicht (Finma), die den Aktienrückkauf untersagte und weitere Auflagen machte. Unter anderem verlangte sie von der Sanitas, höhere Rückstellungen vorzunehmen.

 

KPT mit höherem Wert

 

An der neuen Holding wäre die Sanitas zu 55 und die KPT zu 45 Prozent beteiligt gewesen. Nun hat aber die Finma die beiden fusionswilligen Krankenversicherer vor neue Tatsachen gestellt. Das Beteiligungsverhältnis hätte zugunsten der KPT überprüft werden müssen. Durch die Tatsache, dass die Mitarbeiteraktien nicht zurückgekauft werden, stieg der Wert der KPT. Gleichzeitig sank der Wert der Sanitas wegen des höheren Rückstellungsbedarfs.

 

Neue Konstellation

 

Wie KPT-Sprecher Reto Egloff erklärt, hätten durch diese neue Konstellation die beiden Krankenversicherer die Verhandlungen neu aufnehmen müssen. Das wurde nun offensichtlich den Verantwortlichen zu viel: «Aus Sicht der Verwaltungsräte von Sanitas und KPT ist eine weitere Zeit der Ungewissheit nicht zu verantworten», schreibt die Sanitas in einer Mitteilung. Der Zusammenschluss von Sanitas und KPT werde daher nicht weiterverfolgt.

 

Strategisch sinnvoll

 

Weiter erklärte Jens Alder, Verwaltungsratspräsident der Sanitas: «Der Zusammenschluss von Sanitas und KPT wäre aus strategischer Sicht sinnvoll, davon bin ich nach wie vor überzeugt». Und KPT-Verwaltungsratspräsident Walter Bosch ergänzte: «Aufgrund des unsicheren Zeitrahmens für die Umsetzung müssen wir heute einen Marschhalt einlegen, um die Interessen beider Unternehmen zu wahren.»

 

KOMMENTAR: Gute Nachricht für den Standort Bern

Es ist erfreulich, dass die beiden Krankenversicherer Sanitas und KPT nun doch nicht fusionieren.

 

Der Berner KPT ist es nicht gelungen, die strategische Bedeutung dieses Schulterschlusses plausibel zu machen. Sprüche von wegen kritischer Grösse oder geballter Einkaufsmacht verfangen nicht mehr. Bei Krankenkassen ist «big» nicht immer auch «beautiful», denn die grossen Kassen sind finanziell eher schlechter aufgestellt als die mittelgrossen. Auch die kleinere KPT hat ein grösseres Reservepolster als die grössere Sanitas aus Zürich, was ein Zusammenschluss aus Berner Sicht erst recht fraglich macht.

 

Und dann natürlich das ganze Theater mit dem umstrittenen Aktienmitarbeiterprogramm, welches die Verwaltungsräte und

Geschäftsleitungsmitglieder der KPT je um über eine Million Franken bereichert hätte, wenn es nach Plan hätte umgesetzt werden können. Die KPT versuchte anfänglich, diesen Geldsegen unter dem Deckel zu halten, sodass erst recht der Verdacht aufkommen musste, die Verantwortlichen handelten aus eigenem Interesse und nicht im Interesse der Prämienzahler und des Standortes Bern.

 

«Wir müssen einen Marschhalt einlegen», sagte gestern KPT-Verwaltungsratspräsident Walter Bosch. Damit hat er den ersten wichtigen Schritt getan. Fehlt noch sein zweiter Schritt, um die Glaubwürdigkeit der KPT wiederherzustellen: seine Demission.

 

Erschienen in der BZ am 16. Dezember 2010


Claude Chatelain