Die Säule 3a beginnt zu bröckeln

Die Säule 3a ist die vermutlich beliebteste Sparform in der Schweiz. Doch die Rendite ist mager. Gerade bei den Vorsorgefonds hat Ernüchterung die Euphorie abgelöst.

«Im Dezämber, im Dezämber, da treit me warmi Hämber», sang der unvergessliche Emil Steinberger. So verlässlich wie Emils Bauernregel ist die Bankenregel, wonach dem Kunden im Dezember in Erinnerung zu rufen sei, schleunigst die Einzahlung aufs Konto 3a vorzunehmen. Die Banken tun dies nicht uneigennützig: Für sie ist das Sparen 3a ein Bombengeschäft. Das Geld bleibt lange Jahre auf dem Konto liegen. Und wenn der Kunde mit dem Geld in Vorsorgefonds investiert, so verdient die Bank erst recht – und zwar mit der eher zu hohen Managementgebühr, die dem Fondsvermögen angelastet wird.

 

Die Steuern, nur die Steuern

 

Den Kunden braucht das nicht zu interessieren. Für ihn zählt einzig, ob die Rechnung des Sparens 3a auch aufgeht. Das hängt von der Steuerersparnis und von der Rendite ab. Der ganz grosse Vorteil liegt nämlich in der enormen Steuerersparnis. Was aufs Konto 3a überwiesen wird, lässt sich vom steuerbaren Einkommen in Abzug zu bringen. Überweist man also 6000 Franken aufs Konto 3a, so wird man für das betreffende Steuerjahr 1500 bis 2000 Franken weniger Steuern zahlen, je nach Grenzsteuersatz.

 

Diese Steuerersparnis ist der Grund, weshalb das Sparen 3a in der Schweiz derart beliebt ist. Und sie ist ebenfalls der Grund, weshalb die Banken nicht höhere 3a-Zinsen zahlen müssen. Der Kunde beisst so oder so an – eben wegen der Steuerersparnis.

 

In der Kürze liegt die Würze

 

Der Spareffekt wird jedoch manchmal überschätzt: Je länger das Geld in der Säule 3a liegen bleibt, desto weniger fällt die ursprüngliche Steuerersparnis ins Gewicht. Dies aus dem einfachen Grund, weil der Steuerabzug nur einmal vollzogen werden kann. Bleibt dann das Geld jahrelang zu einem schlechten Zins liegen, verpufft der ursprüngliche Steuerabzug zusehends.


Dies zeigt folgende Schätzung, wie sie die «NZZ am Sonntag» einst publizierte: Bei jährlichen Einzahlungen von 6000 Franken aufs Konto 3a resultierte nach 35 Jahren eine Durchschnittsrendite von 2,03 Prozent. Tut man das Gleiche während 5 Jahren, beträgt die Jahresrendite hingegen 5,27 Prozent. Fazit: Auch fürs Sparen 3a gilt: In der Kürze liegt die Würze.

 

Mittlerweile haben Banken damit angefangen, dem Kunden Vorsorgefonds via Telefonverkauf schmackhaft zu machen. Es handelt sich um spezielle Anlagefonds, welche besonderen Einschränkungen unterliegen und nur für das steuerbegünstigte Sparen 3a eingesetzt werden können. Der Aktienanteil ist auf 50 Prozent beschränkt; der Rest wird daher in Obligationen investiert, mit welchen derzeit kaum Geld zu verdienen ist. Doch gerade wegen dieser Fonds kommt die Säule 3a ins Bröckeln. Gewisse Fonds rentierten in 10 Jahren weniger als 1 Prozent. Dies unter anderem auch wegen der zu hohen Managementgebühren, die dem Fondsvermögen belastet werden und daher auf die Rendite drücken.

 

Wenn man früher mit gutem Gewissen den Kauf solcher Vorsorgefonds empfehlen mochte, so muss man sich heute mit Blick auf die effektiv erzielten Renditen eines Besseren belehren lassen. Im Zehnjahresvergleich haben mehr als die Hälfte der Fonds eine schlechtere Rendite erzielt als das Konto 3a.

 

INFOTHEK: Die 3 Säulen

Die erste Säule ist die staatliche, die zweite die berufliche und die dritte Säule die private Vorsorge. Diese dritte Säule wird in 3a und 3b unterteilt. 3a ist die gebundene, 3b die freie Vorsorge. Gebunden heisst, dass das einbezahlte Geld bis fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter nicht bezogen werden darf – von einigen Ausnahmen abgesehen. Dafür ist das Sparen 3a steuerlich begünstigt. Die einbezahlten Beträge können bis zu bestimmten Maximalbeträgen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

 

Für Selbstständigerwerbende liegt die Limite bei 20 Prozent des Erwerbseinkommens oder maximal

 

32'832 Franken pro Jahr. Für Angestellte, welche einer Pensionskasse angeschlossen sind, liegt der abzugsfähige Betrag derzeit bei maximal 6566 Franken pro Jahr. Im kommenden Jahr werden diese Grenzbeträge auf 33 408 beziehungsweise 6682 Franken erhöht.

 

Beim Bezug des Kapitals ist eine einmalige Steuer zu entrichten. Diese fällt freilich weniger stark ins Gewicht als die jährliche Steuerersparnis.

 

Erschienen in der BZ am 14. Dezember 2010


Claude Chatelain