Baufirma baut keine Boote mehr

Pio Brönnimann, VR-Präsident des Berner Bauunternehmens Weiss + Appetito.
Pio Brönnimann, VR-Präsident des Berner Bauunternehmens Weiss + Appetito.

Das Berner Bauunternehmen verkauft den Marinebetrieb, den Unterhalt von Booten. Laut VR-Präsident Pio Brönnimann entwickelte sich dieser Bereich unter den Erwartungen.

 

Herr Brönnimann, warum verkaufen Sie den Geschäftsbereich Marine?

Pio Brönnimann: Vor fünf Jahren hatten wir die Idee, mit dem Aufbau eines Marinebetriebes und dem Unterhalt von Booten Winterarbeit für unsere Mechaniker sowie für Mitarbeitende aus dem Bereich Kunststoffverarbeitung zu generieren. Das Wachstum in diesem Bereich war nicht wie erwartet, und so sahen wir keine Möglichkeit, wie wir die kritische Grösse erreichen könnten.

Weiss + Appetito ist doch ein Nischenplayer. Und mit dem Bereich Marine waren Sie in einer klassischen Nische tätig.

Ja, das ist richtig. Aber wir wollen innerhalb einer bestimmten Nische eine gewisse Grösse erlangen, wir nennen das «Masse in der Nische», sonst geht die Strategie nicht auf.

 

Wie stark wollen Sie innerhalb einer Nische sein?

Gegen 50 Prozent Marktanteil wollen wir innerhalb eines geografisch definierten Gebiets erreichen. Je exklusiver die Nische ist, desto weitreichender betreiben wir sie. Im Bereich Saugen und Blasen von festen und flüssigen Stoffen beispielsweise umfasst unser Marktgebiet die Schweiz und alle umliegenden Länder. Dort treten wir als Marktführer auf.

 

20 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Weiss + Appetito im Strassenbau. Dort gehören Sie zu den kleineren Playern.

Weiss + Appetito ist historisch ein Strassenbaugeschäft. Die Abteilung Strassenbau ist für uns keine Nische, sondern ein Kerngeschäft, dessen Bedeutung, gemessen am Gesamtumsatz, in den vergangenen Jahren rückläufig war. Wir haben jedoch auch hier Spezialitäten, welche wir im Grossraum Bern teilweise exklusiv anbieten.

 

Was zum Beispiel?

Ich denke zum Beispiel an spezielle Methoden zur Verflüssigung des Bodens.

 

Auch im Bereich Bausanierungen ist doch Weiss + Appetito nur einer unter vielen?

Auf diesem Gebiet sind wir sehr wohl ein Nischenplayer. Bausanierungen sind sehr vielfältig. Neben dem bekannten Angebot der Betonsanierungen haben wir ausserdem in unserem Angebot alle denkbaren Abdichtungssysteme und eigene Beschichtungssysteme. Wir bieten zudem unser eigenes Produkt Ecozon, zur Bekämpfung von Schimmelpilz, erfolgreich am Markt an. Zu den Marktführern gehören wir ausserdem schweizweit mit unserer nachhaltigen Betoninstandsetzung durch elektrochemische Verfahren.

 

Weiss + Appetito bezeichnet sich als Nischenplayer, hat aber verschiedene Abteilungen, neben den bereits erwähnten auch Bodenbeläge, Rohrleitungsbau und Telecomanlagen. Sind Sie nicht eher ein Gemischtwarenladen?

Die einzelnen Abteilungen und Tochtergesellschaften mögen auf den ersten Blick wenig gemein haben, doch wir sind ausschliesslich im Bau- und Baudienstleistungsbereich tätig. Ein Gemischtwarenladen wären wir, wenn wir auch Hemden nähen, Computer verkaufen und Kredite vergeben würden.

 

Gibt es wirklich Synergien zwischen den Bereichen, die alle sehr eigenständig arbeiten?

Ja, ein Beispiel: Wir haben insgesamt 30 Ingenieure unter Vertrag. Auch wenn diese für die verschiedenen Abteilungen tätig sind, haben sie regelmässig Kontakt untereinander und können vom gegenseitigen Know-how profitieren. Sie werden jeweils für bestimmte Projekte individuell beigezogen. Synergien haben wir auch im Backoffice, also in Buchhaltung, Personalwesen und in der Informationstechnologie.

 

STECKBRIEF

Das im Bau- und Dienstleistungsbereich tätige Unternehmen mit Hauptsitz Bern beschäftigt rund 500 Mitarbeitende. Nun verkauft es den Marinebetrieb an seinen langjährigen Geschäftsführer Bruno Beutler. Der Betrieb wird unverändert am gleichen Standort in Muntelier weitergeführt. Weiss + Appetito entstand aus der 1923 in Bümpliz gegründeten Einzelfirma Otto

Weiss. Aufgefallen ist die Firma jüngst wegen des rasant gestiegenen Aktienkurses. Der Kurs der Namenaktien, die auf der Handelsplattform der Berner Kantonalbank OTC-X gehandelt werden, stieg seit Anfang Jahr um über 50 Prozent.

 

Erschienen in der BZ am 14. Dezember 2010


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Claude Chatelain