Vierte Säule: Vergiss die Prämienbefreiung

Versicherungsagentin zu Besuch bei Kunden
Versicherungsagentin zu Besuch bei Kunden

Ein junges Paar aus dem Berner Oberland wurde von einer Versicherungsagentin heimgesucht. Die Frau wollte den beiden eine 3a-Versicherung inklusive Prämienbefreiung verkaufen. Also ein Kombiprodukt, das Sparen und Versichern vereint. Davon wollte das Paar nichts wissen. Das ist vernünftig: Besser ist, für das Sparen zur Bank und für das Versichern zur Versicherung zu gehen.

 


 

Und doch wurde das kinderlose Lehrerehepaar hellhörig. Beide sind 29-jährig, im pädagogischen Bereich tätig und deshalb nach eigenen Angaben «durchaus Burn-out-gefährdet». Hellhörig wurden die beiden wegen der sogenannten Prämienbefreiung. «Was passiert?», fragte die Agentin, «wenn einer von Ihnen nicht mehr arbeiten kann?» Und gibt gleich die Antwort: Dann würde die Versicherung die Zahlung der Prämie übernehmen.


Das heisst, bei einer Prämienbefreiung bleibt die versicherte Person weiterhin gegen Tod versichert und erhält bei Vertragsende – meist mit Alter 60 – ein üppiges Erlebensfallkapital ausbezahlt. Das tönt gut. Geld stinkt nicht. Und doch ist diese Prämienbefreiung nutzlos. Denn bei einer Erwerbsunfähigkeit zahlen Invalidenversicherung und Pensionskasse lebenslänglich eine Rente. Das Einkommen bleibt bis ans Lebensende mehr oder weniger unverändert.

 

Dank der genannten Prämienbefreiung erhielte nun der IV-Rentner im Alter auf einen Schlag ein ansehnliches Kapital. Er hätte also plötzlich viel mehr Geld zur Verfügung als in all den Jahren zuvor. Wozu? Mit 40 hätte er das Geld eher brauchen können.

 

Bei erwerbsfähigen Leuten verhält es sich anders: Das Renteneinkommen wird im Alter tiefer sein als das Lohneinkommen. Da wird man froh sein, wenn vor der Pensionierung aus der Säule 3a ein Haufen Geld ausbezahlt wird. Aber IV-Rentner erleiden im Alter keine Einkommenseinbussen. Sie brauchen kein Erlebensfallkapital. Prämienbefreiung tönt gut, ist aber bloss ein verfängliches Verkaufsargument.

 

Erschienen in der BZ am 23. November 2010

Claude Chatelain