Besser hören für weniger Geld

Garagier Roland Schuck ist auf der Suche nach passenden Hörgeräte auf erstaunliche Resultate gestossen.
Garagier Roland Schuck ist auf der Suche nach passenden Hörgeräte auf erstaunliche Resultate gestossen.

Leser Roland Schuck erhielt vom Akustiker eine Offerte von über 9000 Franken für zwei Hörgeräte. So stark will er die Sozialversicherungen nicht belasten. Er entschied sich für ein Gerät bei einem Apotheker für 790 Franken.

30 Millionen Franken will die IV bei den Hörmitteln einsparen. Hört man die Geschichte von Roland Schuck aus Hilterfingen, sollte das ein Kinderspiel sein.

 

Die lange Geschichte kurz erzählt: Der 70-jährige Garagier lässt beim Ohrenarzt sein Gehör überprüfen. Der Befund: Schuck hat Anspruch auf ein Hörgerät der Indikationsstufe 2. Also geht er zu einem Akustiker. Dieser macht etwa den gleichen Hörtest wie der Ohrenarzt. Nun werden während rund neun Monaten drei Hörgeräte getestet: zwei von Phonak, eines von Widex.

So richtig warm wird Schuck mit den Geräten nicht. Kalt über den Rücken läuft es aber dem rüstigen Rentner, als er die Rechnung des Akustikers sieht: 6369 Franken für zwei Hörgeräte plus 2145 Franken für die Dienstleistung, samt Mehrwertsteuer und Zusatzkosten ergibt das ein Total von 9315 Franken. Weil Roland Schuck im AHV-Alter ist, werden ihm Teile der Kosten für Hörgerät und Dienstleistung nicht durch die IV, sondern durch die AHV entschädigt.

 

Roland Schuck will vom Akustiker wissen, was genau die Dienstleistung im Wert von 2145 Franken beinhaltet. Die Antwort: Man kann jederzeit das Gerät kostenlos neu einstellen lassen. «Was passiert, wenn ich morgen wegziehe oder sterbe?», fragt Schuck. «Dann haben Sie Pech gehabt», erklärt der Akustiker.

 

Pech haben aber in jedem Fall die Steuerzahler, die Arbeitnehmer- und Arbeitgeber, welche die Sozialwerke finanzieren. Denn es ginge auch weit günstiger. Schuck, als Garagier nicht gewohnt, Bruttopreise zu bezahlen, suchte nach günstigeren Alternativen, zumal die AHV im vorliegenden Fall «nur» 1626 Franken zahlen würde.

 

790 statt 9315 Franken

 

Bei der Apothekerkette Amavita wurde Roland Schuck fündig: Er kaufte sich ein Hörgerät für die Indikationsstufe 2, welches er selber auf vier Positionen leiser und lauter stellen kann. «Das Hörgerät von Amavita ist nicht besser und nicht schlechter als die Getesteten», sagt Schuck. Er bezahlt für zwei Stück inklusive Anpassung nicht 9315 Franken, sondern 790 Franken. Noch offen ist, ob ihm die AHV diese 790 Franken vergüten wird.

 

Apotheker versus Akustiker

 

«Die Angebote der Apotheker und Akustiker sind nicht vergleichbar», erklärt Stefan Born, Präsident des Branchenverbands Akustika. «Die Apotheker verkaufen Hörverstärker; die Akustiker verkaufen Hörsysteme.» Zudem sei bei den von Apothekern verkauften Sonetik-Hörverstärkern keine Dienstleistung mit inbegriffen. Wenn der gekaufte Verstärker nicht mehr genügt, müsse man einen neuen, stärkeren kaufen. Hörsysteme vom Akustiker könne man aber jederzeit nacheinstellen. Im Übrigen, so Stefan Born weiter, verkaufen fast alle Schweizer Akustiker ebenfalls preisgünstige Einsteigergeräte zu vergleichbaren Preisen. Dies dann ebenfalls ohne Dienstleistung, falls das vom Kunden gewünscht werde.

 

Übrigens: Nicht nur Apotheker vertreiben Hörgeräte; auch gewisse Optiker: Das Widex-Hörgerät mit der Bezeichnung «Clear440 c4-PA», welches beim Akustiker 3184 Franken kostete, offerierte Fielmann zu 2293 Franken. Das sind 28 Prozent weniger.

 

Erschienen in der BZ am 18. November 2010

Claude Chatelain