Charles Vögele feuert langjähriges Personal

Beim Modehaus Vögele in Bern wird aufgeräumt. Zwar nicht in den Regalen, aber beim Personal. Vor allem ältere Verkäuferinnen müssen gehen.

20 Jahre war Frau X bei Charles Vögele als Verkäuferin tätig. Jetzt wurde sie vor Tatsachen gestellt: Entweder kann sie nur noch auf Abruf arbeiten oder sie muss gehen. Aus finanzieller Notwendigkeit entschied sie sich für die erste Variante. Wenige Tage später stand eine Zwanzigjährige an ihrem Platz.

 

Ähnlich erging es fünf anderen älteren Verkäuferinnen in der Filiale an der Spitalgasse in Bern. Dafür erhielten zwei 63-jährige Frauen eine Schonfrist. Vermutlich, weil sie in einem Jahr so oder so pensioniert werden.

 

Auch Chefs müssen gehen

 

Doch nicht nur beim Verkaufspersonal räumt das börsenkotierte Modehaus mit Sitz in Pfäffikon auf. Auch die Filialleiter der Modehäuser an der Spitalgasse und Marktgasse wurden ausgewechselt. Damit nicht genug: Der Regionalleiter M. S. musste gehen. Auf seinem Stuhl sitzt nun eine Dame deutscher Herkunft. M. S. war gestern nicht zu erreichen.

 

Interessant wäre nun, zu wissen, weshalb die älteren Damen systematisch durch jüngere ersetzt werden. Von aussen betrachtet stehen zwei Gründe im Vordergrund: die Kosten und das Image. Will sich Vögele mit vornehmlich jungen Verkäuferinnen ein anderes Image verschaffen? Darüber kann man vorläufig nur spekulieren. Gerne hätte diese Zeitung von Daniel Bärlocher, dem Kommunikationschef, Näheres erfahren. Leider ist auch er seit Ende Oktober nicht mehr im Amt. An seiner Stelle liess der Marketingverantwortliche Rudolf Scheben schriftlich mitteilen, «dass sich die Struktur der Mitarbeitenden der Filiale in Bern mit einer ausgesprochen hohen Kontinuität auszeichnet. In den letzten Monaten hatten wir lediglich eine Personalveränderung von einem Prozent zu verzeichnen.»

 

Immerhin gibt es zumindest unter ehemaligen Vögele-Mitarbeiterinnen Stimmen, die der jüngsten Entwicklung Positives abgewinnen können. «Gut, dass heute den Frauen gekündigt und damit klarer Wein eingeschenkt wird», erklärt die Frau auf Anfrage. Zu meiner Zeit wurden die älteren Damen «herausgemobbt».

 

Erschienen in der BZ am 11. November 2010

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Claude Chatelain