Vierte Säule: Swiss Life kürzt die Renten

«Viele der betroffenen Rentnerinnen und Rentner werden sich masslos ärgern darüber. Einigen unter ihnen geht es ans Lebendige.»

Fünfundzwanzigtausend Rentnerinnen und Rentner erhalten von Swiss Life eine schlechte Nachricht. Ihnen wird die Rente gekürzt. Viele der betroffenen Rentnerinnen und Rentner werden sich masslos ärgern darüber. Einigen unter ihnen geht es ans Lebendige.

 

Besonders ärgern werden sie sich morgen Mittwoch, wenn Swiss Life höchst erfreuliche Zahlen für das dritte Quartal publizieren wird. Davon profitieren die Aktionäre. «Typisch», werden sich Rentnerinnen, Rentner und auch linke Politiker sagen: «Den Rentnern, die eh schon zu wenig haben, wird das Geld genommen. Den Aktionären, die eh schon zu viel haben, wird es gegeben.» Wohl kein Zufall, dass der Aktienkurs von Swiss Life vergangene Woche deutlich zugelegt hat.

 

Dabei hat Swiss Life eigentlich nichts falsch gemacht. Nicht die garantierte Rente wird gekürzt, sondern nur die Überschüsse, die nicht garantiert sind. Sie sind abhängig von den Erträgen auf den Finanzmärkten.

 

Nun ist das aber mit den Überschüssen so eine Sache: Im Kleingedruckten steht zwar ausdrücklich, sie seien nicht garantiert. Trotzdem rechnet man fest mit ihnen, vor allem bei laufenden Rentenversicherungen, weil man Monat für Monat den gleichen Betrag überwiesen erhält. Aus diesem Grund haben die meisten Versicherer Hemmungen, laufende Renten zu kürzen.

 

Aber auch die typische Sparversicherung kommt mit einem garantierten Kapital und nicht garantierten Überschüssen daher. Die Versicherer stellen eher zu hohe als zu tiefe Überschüsse in Aussicht. Je höher die Überschüsse, desto attraktiver das Produkt. Korrekter wäre es, die Versicherer würden zwar Überschüsse in Aussicht stellen, diese aber nicht beziffern. So hegt der Konsument keine falschen Hoffnungen.

 

Mein Tipp: Man achte beim Produktevergleich bloss auf die garantierte Leistung und betrachte den Überschuss als willkommenen Zuschuss. 

 

Erschienen in der BZ am 9. November 2010

 

Claude Chatelain