Ein Kassenwechsel lohnt sich meistens

Wer Billigkassen verschmäht, sollte sich nicht über horrende Krankenkassenprämien beschweren. Mit dem Wechsel lassen sich Hunderte von Franken sparen.

 

Krankenversicherte haben die Möglichkeit, mit einer Erhöhung der Franchise Prämien zu sparen. Aber nicht bei allen ist dieser Schritt sinnvoll. Wer regelmässig auf Medikamente angewiesen ist, häufig zum Arzt oder gar ins Spital muss, fährt mit der minimalen Franchise von 300 Franken am besten. Nach einer groben Faustregel kann man sagen, dass bei jährlichen Krankheitskosten von über 1100 Franken die Franchise von 300 Franken am günstigsten zu stehen kommt. Diese Schwelle ist von Kasse zu Kasse und von Prämienregion zu Prämienregion verschieden. Wer es genau wissen will, kann auf der Internetplattform von Comparis die für ihn optimale Franchise heraustüfteln.

 

Wechselmüde

 

Auch wer überdurchschnittliche Krankheitskosten verursacht, kann Prämien sparen. Das geht grundsätzlich auf zwei Arten: erstens mit der Wahl eines günstigeren Versicherungsmodells wie HMO, Hausarztmodell oder Telmed. Und zweitens mit dem Wechsel in eine günstigere Krankenkasse. Erstaunlich wenige Frauen und Männer machen jeweils vom Wechsel in eine Kasse mit tieferen Prämien Gebrauch. Man hört drei Argumente, weshalb auf einen Kassenwechsel verzichtet wird:

  • Es ist mir zu mühsam;
  • ich bin mit meiner Kasse zufrieden;
  • wo die Prämien tief sind, ist auch die Leistung schlecht.

 

Zu mühsam? Zwei Briefe, einen an die alte, einen an die neue Kasse – und schon hat man Hunderte von Franken gespart. Glücklich ist, wer so viel Geld hat, dass er lieber ein paar Hundert Franken bezahlt, statt vom Internet zwei Formbriefe herunterzuladen und eingeschrieben abzuschicken.

 

Zufrieden mit der Kasse? Schön, wenn einem das ein paar Hundert Franken wert ist.

Schlechte Leistung? Möglich, dass man bei der einen Kasse etwas länger aufs Geld warten muss als bei der anderen. Gewisse Kassen verlangen, Medikamente in der Apotheke selber zu bezahlen, ehe sie vergütet werden.

 

Das Gesagte gilt nur für die obligatorische Grundversicherung. Zusatzversicherungen sollten nicht gekündigt werden, ehe man eine neue abgeschlossen hat. Im Unterschied zur Grundversicherung unterliegen die Krankenkassen bei den Zusatzversicherungen keinem Aufnahmezwang. Und ja: Man kann sehr wohl die Grund- und die Zusatzversicherung bei zwei verschiedenen Kassen abschliessen. Autohaftpflicht und Hausrat müssen auch nicht bei der gleichen Gesellschaft versichert sein.

 

Gleiche Mutter, tiefere Prämie

 

Wer bei Helsana, Visana oder CSS versichert ist, braucht nicht mal den Krankenversicherer zu wechseln, um weniger Prämien zu bezahlen. Man kann in eine Billigkasse wechseln, die vom gleichen Unternehmen und damit von den gleichen Leuten kontrolliert wird. Progrès, Avanex, Sansan und Maxi gehören zur Helsana-Gruppe; Sana 24 zu Visana und Sanagate zu CSS.

Eine Einschränkung sei für Sana 24 festgehalten: Die einstige Billigkasse der Visana musste in den Prämienregionen 2 und 3 die Prämien um rund 20 Prozent erhöhen, sodass sie sogar noch höher sind als bei der Visana. Hier, also in eher ländlichen Gegenden, ist der umgekehrte Weg günstiger: der Wechsel von der einstigen Billigkasse Sana 24 in die Mutterkasse Visana.

 

Erschienen in der BZ am 9. November 2010

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Claude Chatelain