Vierte Säule: Warum PIIGS eben PIIGS heisst

Sind das die Namensgeber für PIIGS? Man hätte die schwachen EU-Länder auch mit GIIPS nennen können.
Sind das die Namensgeber für PIIGS? Man hätte die schwachen EU-Länder auch mit GIIPS nennen können.

PIIGS sind die Anfangsbuchstaben von Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien. Es sind jene Länder im Euro-Raum, deren wirtschaftliche Stabilität nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Entweder haben sie einen zu hohen Schuldenberg, ein zu hohes Haushaltsdefizit oder beides zusammen. Mit dem Kürzel PIIGS kann man also in einem Atemzug eine verdächtige Gruppe von Ländern mit zweifelhaften Charakteristiken benennen. Warum aber PIIGS und nicht alphabetisch GIIPS?

Würde man die Länder von Norden via Südwesten in Richtung Südosten benennen, hiesse das Kürzel IPSIG. In umgekehrter Reihenfolge lautet die Länderbezeichnung GISPI. Oder wenn man mit Portugal anfängt und den Bogen von Südwesten nach Südosten in den Norden schlägt und mit Irland aufhört, könnte man sich auf PSIGI einigen. All diese Wortschöpfungen hätten eine geografische Logik. Doch dass die Wortschöpfer von PIIGS ausgerechnet auf diese Reihenfolge kamen, muss eine andere Ursache haben.

 

Alexander Froschauer von der LGT Capital Management sieht hier einen Doppelsinn: Hinter PIIGS verbirgt sich «pigs». Nun könnte man noch darüber sinnieren, welche Art von Schweinen gemeint seien. Werden die genannten Länder indirekt als Schweine bezeichnet, weil sie mit einer liederlichen Haushaltspolitik die EU gefährden? Oder haben die Länder schlicht «Schwein» gehabt, dass sie überhaupt der Eurozone beitreten durften?

 

Froschauer lässt diese Frage offen. Er erklärt aber in der Finanz + Wirtschaft, dass solche Zweideutigkeiten zu Zeiten Shakespeares oder Oscar Wildes ein Stilmittel waren, um die Herrschenden zu kritisieren, ohne gleich den Kopf zu verlieren.

 

Ich habe kürzlich Alexander Froschauer in Bern referieren gehört. Der gebürtige Österreicher sprach nicht über Shakespeare, sondern über inflationsgeschützte Anleihen (Ausgabe vom 29. Juni 2010). Eigentlich schade: Sein historischer Exkurs in die englische Geschichte ist mindestens so interessant.

 

Erschienen in der BZ am 18. Oktober 2010

Claude Chatelain