Obligationenfonds? Jein danke.

Für Aktienanlagen sind Anlagefonds ein hervorragendes Konstrukt. Kann man das Gleiche auch für Obligationen sagen? Jein.

Was für den Einkauf praktisch, ist bei Wertschriftenanlagen nicht zu empfehlen.
Was für den Einkauf praktisch, ist bei Wertschriftenanlagen nicht zu empfehlen.

Bei Wertschriftenanlagen gilt das Motto: Man soll nicht alle Eier in den gleichen Korb legen. Man soll also nicht das ganze Geld in ein einziges Unternehmen investieren, sondern in möglichst viele. Dazu gibt es ein geeignetes Vehikel: der Anlagefonds. Der grosse Vorteil: Privatanleger können schon mit bescheidenen Beträgen von einigen hundert Franken an einem breit gestreuten Anlageportefeuille teilhaben. Das Risiko wird auf zahlreiche Wertschriften verteilt. Gerade für Aktien ist dieses Vehikel ein hervorragendes Konstrukt. Kann man das Gleiche auch für Obligationen sagen? Nur bedingt.

 

Investitionen in einzelne Aktien bergen immer ein beträchtliches Risiko. Vermeintlich sichere Papiere können zu einem Nonvaleur werden, wie das Beispiel Swissair zeigt. Oder sie verlieren einfach so viel an Wert, dass sie nur mit Verlust wieder verkauft werden können: Ciba, Clariant, Zürich, ABB oder UBS sind nur die prominentesten Beispiele.

 

Anders bei Obligationen mit Topbonität, sogenannte AAA-Obligationen, wie zum Beispiel die «Eidgenossen». Hier ist das Ausfallrisiko gering. Dazu braucht man nicht mehrere Papiere, um das Risiko zu streuen. Hier kann man getrost einzelne Anleihen zeichnen, statt Anteile eines Obligationenfonds zu kaufen. Stellt sich die Frage: Was spricht für Einzelanleihen? Was spricht für Obligationenfonds?

 

Gebühren

 

Beim Kauf einer Obligation aus Emission wird keine Courtage fällig. Bei der Rückzahlung bei Verfall fallen auch keine Gebühren an. Die einzigen anfallenden Kosten sind die Depotgebühr.

Anders beim Obligationenfonds. Die Ausgabekommission beträgt rund 1 Prozent. Zudem gibt es innerhalb eines Fonds zahlreiche, zum Teil unsichtbare Gebühren. Transparent ist einzig die Managementgebühr, welche zulasten der Performance geht. Unsichtbar sind jedoch die Transaktionskosten innerhalb des Fonds, welche beim Kauf und Verkauf der im Fonds befindlichen Obligationen anfallen.

Fazit: Einzelanleihen haben tiefere Kosten als Obligationenfonds.

 

Laufzeit

 

Obligationen haben eine feste Laufzeit. Sie werden meistens bis zur Fälligkeit im Depot belassen. Bei Verfall wird der Nominalwert gebührenfrei dem Konto gutgeschrieben.

Ganz anders die Anlagefonds: Sie haben keine feste Laufzeit. Beim Obligationenfonds besteht somit das Risiko, dass der Kurs unter den Einstandspreis fällt und sich nicht mehr erholt.

Fazit: Punkto Laufzeit sind Einzelanleihen berechenbar. Man weiss, wann das Papier fällig und der Nominalwert zurückerstattet wird. Beim Obligationenfonds riskiert man indessen, dass der Kurswert unter den Einstandspreis fällt und sich nie mehr erholen wird. Dies gilt insbesondere in der heutigen Zeit des extrem tiefen Zinsniveaus. Steigen die Zinsen, sinken die Kurse für Obligationen.

 

Transparenz

 

Die Kursentwicklung einer einzelnen Anleihe lässt sich nachvollziehen. Steigen die Zinsen, so sinkt der Kurs und umgekehrt. Veränderte Einschätzungen über die Schuldnerbonität werden sich ebenfalls auf den Kurs auswirken – auch das ist nachvollziehbar. Man kann den Kurs täglich verfolgen. Beim Obligationenfonds ist man indessen dem Fondsmanager ausgeliefert. Oft ist im Nachhinein nicht einzusehen, weshalb sich der Preis der Fondsanteile so und nicht anders entwickelt. Fazit: Punkto Transparenz sind Einzelanlagen den Fonds vorzuziehen.

 

Kursschwankungen

 

Werden Oblis bis zur Fälligkeit im Depot belassen, braucht man den Kursschwankungen keine Beachtung zu schenken. Bei Verfall erhält man den Nennwert ausbezahlt.

Anders bei Oblifonds: Wird das Geld in wenigen Jahren benötigt, können Wertschwankungen ins Auge gehen. Man riskiert, die Fondsanteile mit Verlust verkaufen zu müssen.

 

Nominalwert

 

Beim Anlagefonds werden laufend Anleihen zurückbezahlt, sodass der Fondsmanager zum jeweilig geltenden Zinsniveau neue Werte kaufen muss. Dies bedeutet, dass der Anleger, anders als beim Erwerb einer einzelnen Anleihe, nicht unbedingt den Nominalwert der ursprünglichen Einlage «auf sicher» hat.

 

Die Ausnahmen

 

Selbstverständlich gibt es Fälle, bei welchen der Obligationenfonds einer Einzelanleihe vorzuziehen ist. Eine dieser Ausnahmen sind High-Yield-Obligationen. High Yield heisst hohe Rendite. Und hohe Renditen gibt es nur bei zweifelhaften Schuldern. Privatanlegern ist daher abzuraten, Anleihensobligationen mit einer geringen Bonität, also mit einem Rating von BBB oder darunter, zu kaufen. Das Ausfallrisiko des Schuldners ist zu gross. Anders verhält es sich, wenn ein Korb solcher Anleihen unterschiedlicher Schuldner und unterschiedlicher Laufzeiten von einem Profi ausgewählt wird. Hier sind Anlagefonds zweifellos ein probates Mittel.

 

Erschienen in der BZ am 12. Oktober 2010

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Claude Chatelain