Weiss + Appetito mit gesundem Appetit

Weiss + Appetito gibt Appetit auf mehr. Die Aktien des Berner Bauunternehmens haben seit Anfang Jahr um 35 Prozent zugelegt.

Wenn Angestellte Aktien des eigenen Unternehmens kaufen, ist das gemäss dem amerikanischen Börsenguru Peter Lynch ein gutes Zeichen, sozusagen ein Kaufsignal. Genau dies scheint beim Berner Bauunternehmen Weiss + Appetito zuzutreffen. Der Wert der 11 000 Namenaktien stieg seit Anfang Jahr um über 35 Prozent. VR-Präsident Pio Brönnimann stellt denn auch unter den eigenen Mitarbeitern eine wachsende Nachfrage nach Aktien seines Unternehmens fest.

 

Höherer Cashflow

 

Auch aussenstehende Beobachter zollen dem Nischenplayer in der Baubranche Anerkennung. Weiss + Appetito hat sich im zurückliegenden Geschäftsjahr 2009 sehr gut gehalten. Der Umsatz ging zwar leicht um 3 Prozent auf 106 Millionen Franken zurück; hingegen stieg der Cashflow von 6,6 auf 9 Millionen Franken. Und dies in einem nicht ganz einfachen wirtschaftlichen Umfeld. Dank des guten Resultats konnte auch die Dividende von 30 auf Fr. 37.50 erhöht werden.

Nun hat der Strassenbauer Weiss + Appetito seit Anfang Jahr einen ziemlichen Kaufappetit entwickelt: Er kaufte die auf Begrünung und Erosionsschutz spezialisierte Terra Verde aus dem freiburgischen Kleinbösingen, die im Rohrleitungsbau tätige Josef Muff AG aus dem Aargau, und von der Ascom kaufte Weiss + Appetito den Bereich Telco-Net Services. Der Personalbestand erhöhte sich damit auf 470 Mitarbeitende.

 

«Es sind dies alles Nischenunternehmen», sagt Pio Brönnimann, und dass Nischenplayer generell besser aufgestellt sind und höhere Margen erzielen als Allrounder, ist in der Branche bekannt. Ausserdem gehen Beobachter davon aus, dass Weiss + Appetito für die gekauften Unternehmen nicht einen zu hohen Preis bezahlte – ein Risiko, das jeder Firmenübernahme innewohnt.

Der verschmitzte Lächeln eines Erfolgreichen: VR-Präsident Pio Brönnimann
Der verschmitzte Lächeln eines Erfolgreichen: VR-Präsident Pio Brönnimann

Die Weiss + Appetito-Gruppe entstand aus der 1923 in Bümpliz gegründeten Einzelfirma Otto Weiss. Heute hat die Baufirma Standorte in der ganzen Schweiz, in Österreich, Frankreich, Deutschland und Südafrika. Der Hauptsitz befindet sich in Bern-Bümpliz.

 

Geringe Handelsumsätze

 

Die 1100 Namenaktien wie auch die 7500 Partizipationsscheine von Weiss + Appetito sind an keiner Börse kotiert. Sie können aber via Handelsplattform der Berner Kantonalbank, der OTC-X, erstanden werden. Die Umsätze sind jedoch äusserst gering. Was man aber in den zurückliegenden Wochen beobachten konnte, ist die Tatsache, dass der Geldkurs stetig nach oben kletterte, ohne dass je ein Handel getätigt wurde. Die letzte Transaktion mit einem Aktienpreis von 1132 Franken datiert vom 1. Juli 2010. Ende September betrug der Geldkurs 1400 Franken. Daraus lässt sich nur eines ableiten: Die Nachfrage ist grösser als das Angebot.

INFOTHEK: Der Zufall spielt mit

Diese Zeitung publiziert vierteljährlich die Aktienkursentwicklung der Berner Unternehmen – und zwar sowohl der an der Schweizer und der Berner Börse kotierten Aktiengesellschaften wie auch der nicht kotierten Unternehmen. Letztere werden via Handelsplattform der Berner Kantonalbank, der OTC-X, gehandelt.

Die Rangliste in der nebenstehenden Tabelle hat insbesondere bei den Nichtkotierten zum Teil Zufallscharakter. Einige Aktien werden nicht regelmässig gehandelt. Ein einziger grösserer Handel kann daher grosse Kursschwankungen und damit grosse Verschiebungen in der Rangliste hervorrufen.

 

Erschienen in der BZ am 5. Oktober 2010


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Claude Chatelain