In voller Fahrt von Rekord zu Rekord

Die Jungfraubahn vor dem Tunneleingang beim Eigergletscher.
Die Jungfraubahn vor dem Tunneleingang beim Eigergletscher.

Finanzkrise, teurer Schweizer Franken, Eruption des Vulkans Ejafjalla auf Island – und die Jungfraubahnen fahren von Rekord zu Rekord. Nach dem Spitzenjahr 2009 ist auch das erste Semester 2010 rekordverdächtig.

Am 15. April 2010 hat die Jungfraubahn-Holding für 2009 einen rekordhohen Gewinn ausgewiesen. In ähnlichem Stil geht es auch im laufenden Jahr weiter: Der Gewinn im ersten Halbjahr 2010 beträgt 9 Millionen Franken und damit gleich viel wie im Rekordjahr 2008. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um 9,5 Prozent.

 

Erfreulicher Winter

 

«Die erfreulichen Ergebnisse beruhen auf einem erfolgreichen Wintersportgeschäft und einem deutlich stärkeren Gruppenreisegeschäft», erklärt Urs Kessler, CEO der Jungfraubahn-Holding. Und hätte der Ejafjallajökull im Frühjahr nicht sein Unwesen getrieben, wären um die 20 000 Personen mehr auf einen Zug der Jungfraubahn gestiegen.

 

So stellt sich die Frage, was denn die Jungfraubahnen in den boomenden Jahren 2003 bis 2007 falsch gemacht haben, wenn sie heute bei widrigen Rahmenbedingungen bessere Resultate erwirtschaften. Kessler verweist auf die intensivierte Marketingaktivität in Asien, die ihre Wirkung in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verfehlt hätte. Das Asiengeschäft sei heute viel breiter abgestützt als noch vor Jahren, erklärt Urs Kessler am Telefon, währenddem er im Zug zwischen Osaka und Tokio sitzt. Aus Asien kämen nicht nur Japaner, sondern vermehrt auch Chinesen und Inder. «Vor zehn Jahren reisten 5000 Inder aufs Joch, heute sind es 70 000.»

 

Und die Euro-Schwäche?

 

60 Prozent der Besucher stammen aus Asien, was erklärt, weshalb der Einfluss des schwachen Euros bei der Jungfraubahn beschränkt bleibt. Kommt hinzu, dass sich der starke Franken nur zeitverzögert in den Frequenzen niederschlägt. Sollte aber der Euro weiterhin schwach bleiben, sind laut Kessler im Wintergeschäft Einbussen zu befürchten.

 

Beeindruckend ist nicht nur der Gewinnausweis; überdurchschnittlich ist auch die Entwicklung des Aktienkurses. Die an der Schweizer Börse kotierten Titel entwickelten sich gestern im Rahmen des Gesamtmarktes, was bedeutet, dass die Anleger über das gute Ergebnis nicht überrascht sind. Erst nach Börsenschluss sorgte ein Investor für einen Kursgewinn von 2,4 Prozent. Im langfristigen Vergleich schneiden die Jungfraubahn-Aktien dagegen weit besser ab als der Marktdurchschnitt (siehe Grafik).

 

Aktienkurspflege?

 

Die Jungfraubahnen besitzen 6 Prozent der eigenen Aktien. Und die Berner Kantonalbank BEKB hält einen Anteil von 14 Prozent. Das legt die Vermutung nahe, die Jungfraubahn-Holding könnte mit kreativer Buchführung bewusste Kurspflege betreiben, damit die Aktien zu einem guten Preis verkauft werden könnten. Urs Kessler dementiert dies. Die Rechnungslegung Swiss GAAP FER erlaube in der Abschreibungspolitik keinen Spielraum: «Wir wollen profitabel sein und eine konstante Dividende ausschütten».

 

Erschienen in der BZ am 8. September 2010

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Claude Chatelain