Vierte Säule: Die Krux ab dem 18. Altersjahr

Schon 18 Jahre alt? (Steuer)-Pech für die geschiedenen Eltern.
Schon 18 Jahre alt? (Steuer)-Pech für die geschiedenen Eltern.

Geschiedene Väter – in geringerem Ausmass auch geschiedene Mütter – kennen das Problem: Sie zahlen für ihre Kinder tüchtig Alimente. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Beträge können vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden. Dann plötzlich der Hammerschlag: Haben Tochter und Sohn das 18. Altersjahr erreicht, können die Unterstützungsbeiträge nicht mehr abgezogen werden.

Die Begründung der Steuerjuristen: Man kann nur Beiträge vom steuerbaren Einkommen abziehen, wenn die Gegenseite die Beiträge als Einkommen versteuert. In der Tat muss der andere Elternteil die Alimente des unmündigen Kindes als Einkommen versteuern. Ab Alter 18 muss aber das volljährige Kind das Einkommen selber versteuern. Logisch wäre es nun, der Teenager würde die Kinderalimente als Einkommen versteuern, wie er die anderen Einkünfte ebenfalls zu versteuern hat. Dumm nur, dass Alimente steuerjuristisch nicht als Einkommen gelten, sondern als «familienrechtliche Unterstützungsleistungen». Deshalb muss der Jugendliche die Alimente nicht versteuern; und deshalb kann der zahlende Elternteil die Alimente auch nicht mehr vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen, sobald das Kind volljährig ist.

 

Der Gesetzgeber will unterstützte Personen nicht besteuern, weil das im Ergebnis die Unterstützung vermindern würde. Dies könnte sich aber auch mal ändern. Eine noch hängige Standesinitiative des Kantons Bern verlangt nämlich, Sozialhilfeleistungen als steuerbares Einkommen zu behandeln. Wird diese Standesinitiative dereinst gutgeheissen, liesse sich auch die Besteuerung von Alimenten bei volljährigen Kindern rechtfertigen.

 

Die geschiedenen Väter und Mütter, die das jetzt lesen, werden sich darüber nur mässig freuen: Bis die Neuerung in Kraft ist, werden ihre Söhne und Töchter wegen ihres fortgeschrittenen Alters keine Unterstützung mehr benötigen. Sie werden höchstens welche bezahlen – für ihre betagten Väter und Mütter.  

 

Erschienen in der BZ am 24. August 2010

Claude Chatelain