Das Netz der letzten Rettung

Kaum jemand kennt die Auffangeinrichtung der berufichen Vorsorge.
Kaum jemand kennt die Auffangeinrichtung der berufichen Vorsorge.

Für Frührentner, Mütter und Teilzeitaussteiger steht die Auffangeinrichtung der beruflichen Vorsorge bereit. Ein noch wenig bekanntes Auffangnetz.

 

Auffangeinrichtung tönt nach Sozialhilfe – ist es aber nicht. Und doch ist es eine Art Auffangnetz: Die «Stiftung Auffangeinrichtung BVG» ist die Vorsorgestiftung für jene Leute, die sonst bei keiner Pensionskasse unterkommen.

So versichert die Auffangeinrichtung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,

  • die bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt sind, aber bei keinem die Voraussetzung erfüllt, um bei der Pensionskasse versichert zu sein;
  • die die Erwerbstätigkeit aufgeben, aber weiterhin in der 2. Säule versichert sein wollen;
  • die von ihrer Pensionskasse bei einer vorzeitigen Pensionierung keine Rente erhalten.

 

Die Anzahl Personen, die sich freiwillig von diesem Netz auffangen lassen, ist allerdings äusserst bescheiden: Im zurückliegenden Jahr zählte die Auffangeinrichtung gerade mal 147 Personen, die im Dienste mehrerer Arbeitnehmer stehen und sich bei der Auffangeinrichtung versichern lassen. 211 Personen lassen sich von der Auffangeinrichtung weiter versichern, nachdem sie den Job freiwillig oder unfreiwillig aufgegeben haben und damit nicht mehr in der Pensionskasse versichert sind.

 

Warum so wenig? Geschäftsführer Markus Stieger nennt zwei Gründe: die Kosten und die mangelnde Bekanntheit der Stiftung. Wegen der überdurchschnittlich hohen Fluktuation verursachte die Auffangeinrichtung bisher höhere Verwaltungskosten als andere Vorsorgeeinrichtungen. Doch das Problem hat sich etwas entschärft. Die Stiftung vermochte die Verwaltungskosten pro versicherte Person zu halbieren. Ab dem kommenden Jahr sollte sich dies auch in tieferen Beiträgen niederschlagen.

 

Noch stärker wiegt aber der Umstand, dass die Personen, die sich freiwillig bei der Auffangeinrichtung versichern, nicht nur die Arbeitnehmer-, sondern auch die Arbeitgeberbeiträge selber bezahlen müssen.

 

Doch insbesondere für Frührentner könnte die Auffangeinrichtung eine Alternative sein, sofern sie von ihrer Pensionskasse keine Rente erhalten. Wer nämlich vorzeitig pensioniert wird, kommt nicht immer in den Genuss einer lebenslänglichen BVG-Rente. Je nach Reglement der Vorsorgestiftung überweist der Arbeitgeber das Guthaben auf ein Freizügigkeitskonto. Und dieses zahlt keine Rente aus, sondern nur das gesparte Kapital. In solchen Fällen könnte man also das Pensionskassenkapital der Auffangeinrichtung statt auf ein Freizügigkeitskonto einer Bank überweisen.

 

Allerdings nimmt die Auffangeinrichtung nur den obligatorischen Teil der Freizügigkeitsleistung entgegen. Der überobligatorische Teil muss auf einem Freizügigkeitskonto deponiert werden. Die Altersrente wird also verhältnismässig gering sein.

 

Doch aufgepasst: Das Gesuch für die Weiterversicherung muss spätestens 90 Tage nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der Auffangeinrichtung eintreffen. Sonst verfällt der Anspruch, sich bei der Auffangeinrichtung weiter versichern zu lassen.

 

INFOTHEK: Arbeitslose

Arbeitslose sind automatisch bei der Auffangeinrichtung BVG versichert, sofern sie als arbeitslos angemeldet sind und Taggelder beziehen. Versichert sind aber nur die Risiken Tod und Invalidität. Ein Sparprozess findet nicht statt.

 

Arbeitslose hätten allerdings die Möglichkeit,

 

freiwillig ebenfalls die Sparbeträge zu entrichten, um im Alter eine höhere Rente zu bekommen: Sie müssten dann aber neben den Arbeitnehmer- auch die Arbeitgeberbeiträge bezahlen. Die Beiträge werden zum gesetzlichen Mindestzins von derzeit 2 Prozent verzinst und können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.


INFOTHEK: Begriffe

BVG: Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge.

 

Freizügigkeitskonto: Bankkonto zur Aufnahme der Freizügigkeitsleistung. Kaum mehr gefragt sind Freizügigkeitspolicen der Versicherungen.

 

Freizügigkeitsleistung: Das persönliche Guthaben in der Pensionskasse.

 

Obligatorischer Teil: Jener Teil der Freizügigkeitsleistung, die gemäss den gesetzlichen Minimalvorgaben laut BVG angespart wurden.

Überobligatorischer Teil: Jener Teil des Pensionskassenguthabens, der über das gesetzliche Minimum hinausgeht. Überobligatorische Leistungen können etwa entstehen, wenn die Sparbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer höher ausfallen als im BVG vorgeschrieben.

 

Erschienen in der BZ am 24. August 2010


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Claude Chatelain