Heinz Locher verteidigt den Sonnenhof

Heinz Locher nimmt kein Blatt vor den Mund.
Heinz Locher nimmt kein Blatt vor den Mund.

Privatspitäler übten Kritik an die Adresse des Privatspitals Sonnenhof, weil es mit Krankenkassen einen angeblich zu tiefen Tarif ausgehandelt hatte. Gesundheitsökonom Heinz Locher findet diese Kritik «hanebüchen».

 

Herr Locher, was halten Sie vom Vorgehen des Privatspitals Sonnenhof, im Alleingang mit Visana und KPT einen neuen Tarifvertrag auszuhandeln?

Heinz Locher: Ich habe mich sehr gefreut und den Herren Kappert (Sonnenhof) und Fischer (Visana) umgehend gratuliert.

 

Der Preis liegt aber klar unter den Tarifen der öffentlichen und privaten Spitäler.

Na und? Umso besser.

 

Die Spitalverbände und die Belegärzte kritisieren, ein so tiefer Preis sei nicht nachvollziehbar und ohne Leistungsabbau nicht verkraftbar.

Mich erstaunt, dass ausgerechnet die Privatspitäler und die Belegärzte dagegen protestieren. Von ihnen müsste man eigentlich erwarten, dass sie für Marktwirtschaft und mehr Wettbewerb sind. Solche Proteste, wie sie typisch für Zünfte im Mittelalter waren, sind nicht Aufgabe eines Branchenverbandes.

 

Könnte es sein, dass sich der neue Basispreis von 9300 Franken nicht erwirtschaften lässt und irgendwie querfinanziert wird?

Das ist ein unternehmerischer Entscheid des Privatspitals Sonnenhof und geht niemanden etwas an. Ich finde es hanebüchen, wenn Privatspitäler glauben, sie müssten einem Mitbewerber dreinreden. Wenn dieser Basispreis von 9300 Franken wirklich so schlecht wäre, würde ja vor allem das Privatspital Sonnenhof darunter leiden. Patienten, Personal, Belegärzte würden sich vom Spital abwenden. Das muss doch nicht die Sorge der Mitbewerber sein. Der Einzige, den das interessieren könnte, wäre der Regierungsrat, wenn er befürchten müsste, die Qualität würde nicht mehr gewährleistet.

Spital Sonnenhof, Bern.
Spital Sonnenhof, Bern.

Könnte das nicht einen noch grösseren Kostendruck aufs Personal auslösen, das sich zum Teil heute schon über unzumutbare Arbeitsbedingungen beklagt?

Ein Unternehmer wird doch nicht sein Image auf dem Arbeitsmarkt gefährden und seine Rekrutierungsmöglichkeiten beeinträchtigen. Dies erst noch in einer Zeit, in welcher das Angebot an Arbeitskräften im Spitalbereich knapp ist. Peter Kappert, der ja selber Besitzer des Sonnenhofs ist, weiss am besten, was für sein Spital gut ist.

 

Als der Regierungsrat Ende Januar den Basispreis auf 9745 Franken senkte, reichten die Privatspitäler dagegen Beschwerde ein. Nun sollen bereits 9300 Franken ausreichen? Das ist irgendwie komisch.

Aber Sie wissen ja, welchen provisorischen Preis das Bundesverwaltungsgericht in einem Zwischenentscheid verfügte: 7400 Franken. Ich hatte damals schon gesagt, die erste Ziffer des Basispreises müsse eine 9 sein.

 

Haben wir hier nicht einen Systembruch? Bisher verhandelten ja die Verbände über die Tarife.

Natürlich, unter dem Regime der alten Zunftwirtschaft der Verbandsverträge war alles doch viel angenehmer. «Leben und leben lassen» hiess das Motto, die Prämienzahler werden die Zeche schon bezahlen.

 

ZUR PERSON

Heinz Locher ist als Berater im Gesundheitswesen tätig. In den Neunzigerjahren war der Berner Gesundheitsökonom verantwortlicher Partner für den Marktbereich Gesundheitswesen bei PricewaterhouseCoopers. Von 1976 bis 1989 arbeitete Heinz Locher in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, zuletzt als 1. Sekretär der Gesundheitsdirektion.

 

Erschienen in der BZ am 16. August 2010


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain