Sicher durchs Leben: Von der Geburt bis zur Rente

Luca soll ein Leben verbringen, wie es Tausende seinesgleichen auch tun. Für seine Eltern und später für ihn stellt sich die Frage: Wann müssen welche finanziellen Vorkehrungen getroffen werden?

Die Geschichte von Luca ist frei erfunden, könnte aber typischer nicht sein: Luca wird bald auf die Welt kommen und wird danach ein ganz gewöhnliches Leben führen. Je nach Alter und Lebenssituation sollten seine Eltern und später er selber bestimmte finanzielle Vorkehrungen treffen.

 

Alter 0: Mami ist schwanger

Mütter und Väter wollen für ihr Kind nur das Beste. Dazu gehört nicht nur das poppige Kinderzimmer, der trendige Wickeltisch oder der Dreirad-Kinderwagen. Dazu gehört auch ein angemessener Versicherungsschutz. Gegen Krankheit und Unfall ist Luca in der Grundversicherung obligatorisch zu versichern. Kommt er mit einem Geburtsschaden zur Welt, hilft die IV.

 

Aus Bequemlichkeit wird das Kind meist bei der Krankenversicherung der Eltern angemeldet. Dies ist suboptimal: «Die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Kassen sind gross. Es ist deshalb unter Umständen sinnvoll, die Kinder bei einer anderen Kasse zu versichern als die Eltern», weiss das VZ Vermögenszentrum.

 

Als Ergänzung ist bei der Krankenkasse eine UTI-Versicherung abzuschliessen: Unfall-Tod-Invalidität. Dieser Typus gehört zum Grundsortiment jedes Krankenversicherers. Bei einer unfallbedingten Invalidität gibts einige Hunderttausend Franken, je nach Police. Der Versicherungsschutz kostet nur ein paar Franken pro Monat. Doch die UTI-Versicherung hat einen Makel: Sie versichert bloss Unfälle, nicht Krankheiten. Noch besser ist deshalb, eine Zusatzversicherung abzuschliessen, bei welcher Krankheiten mitversichert sind. Nicht alle Krankenkassen bieten diese Variante an.

 

Tipp: Gewisse Lebensversicherer bieten auch Kinderversicherungen an. Hier wird bei Invalidität eine Rente statt des Kapitals bezahlt. Manche dieser Versicherungen sind zusätzlich mit einem Sparplan gekoppelt und sind daher sehr teuer – eine Luxusvariante.

 

Alter 2: Die leidigen Geschenke

Grossvater ist es leid, den mit Spielsachen überhäuften und damit überforderten Luca mit zusätzlichem Plastik einzudecken. Er leistet von nun an einen Beitrag an die Vorsorge seines Enkels. Grossvater weiss: Fürs Fondssparen sind Kinder mit ihrem langen Anlagehorizont geradezu prädestiniert. Er weiss ebenfalls: Weltweite Aktienfonds versprechen bei einem gegebenen Risiko die höchsten Renditen.

 

Tipp: Bei einem Vergleich von Fondssparplänen in dieser Zeitung schnitten die Angebote von Postfinance und der Berner Kantonalbank am besten ab. 

Vorkehrungen lohnen sich.
Vorkehrungen lohnen sich.

Alter 3: Bald kommen die Zähne

Das zahnlose Lächeln braucht man nicht zu versichern. Zeichnen sich jedoch Komplikationen ab, wird die Krankenkasse womöglich einen Versicherungsschutz ablehnen. Nur wenn zum Zeitpunkt des Abschlusses keine gesundheitlichen Beschwerden vorliegen, kann mit einer definitiven Zusage gerechnet werden. Deshalb sollte man zur Sicherheit ab dem 3. Altersjahr an den Abschluss einer Zahnversicherung denken.

 

Eine K-Tipp-Umfrage bei den grossen Kassen zeigt: Jede Kasse macht es anders Die Atupri verlangt ab dem 5. Geburtstag immer ein Attest, unter Umständen schon früher. CSS, Helsana und Supra verlangen das Attest schon ab dem 3. Geburtstag, die Visana ab dem 4., die Concordia ab dem 5., die Innova ab dem 6., die Swica ab dem 7. Geburtstag.

 

Aufgepasst: Die hohen Zahnarztkosten für Kinder entstehen nicht durch Amalgamfüllungen, sondern durch Zahnspangen und kieferorthopädische Behandlungen. Just diese Kosten sind bei etlichen Krankenkassen nicht durch die Zahnversicherung, sondern via Krankenpflegezusatzversicherung abgedeckt.

 

Alter 18: Luca wird mündig

 

Kinder sind automatisch über die Privathaftpflichtpolice der Eltern versichert. Mit Alter 18 wird dieser Schutz unter Umständen aufgehoben. Jede Versicherungsgesellschaft hat andere Bedingungen. Die Eltern sollten prüfen, ob der Teenager eine eigene Police braucht. Luca wohnt noch zu Hause und befindet sich in der Ausbildung. Er bleibt via Familienpolice versichert.

Aaaaaaaachtung!
Aaaaaaaachtung!

Wäre Luca erwerbstätig, verringerte sich für die Eltern der Risikoschutz der ersten und zweiten Säule. Zur Erinnerung: Bei Tod oder Invalidität der Eltern zahlen AHV und Pensionskassen Kinderrenten. Der Anspruch auf diese Rente erlischt mit dem 18. Geburtstag oder bei Abschluss der Ausbildung, spätestens mit dem 25. Geburtstag.

 

Alter 20: «Antreten»

 

Rekrutenschule. Luca ist durch die Militärversicherung überdurchschnittlich gut versichert. «War die versicherte Person während mehr als 60 aufeinanderfolgenden Tagen der Militärversicherung unterstellt, so vergütet der Versicherer der versicherten Person die für die Dauer der Sistierung bezahlten Prämien zurück.» Das sagt die Verordnung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG). Dies gilt nur für die obligatorische Grundversicherung.

 

Tipp: Die Sistierung der Grundversicherung erfolgt nicht automatisch. Beim Fourier nachfragen, ob und wann vorgedruckte Formulare abgegeben werden. 

Universität Bern
Universität Bern

Alter 21: Ab an die Uni

  

Luca studiert an der Uni Bern Jura. Er mietet mit zwei Kollegen eine Wohnung. Der Status des Wochenaufenthalters ist aus steuerlicher Sicht interessant. Beim Studenten Luca fällt dies nicht ins Gewicht. Doch wie verhält es sich mit der Hausratversicherung? Auf eine Versicherung des spärlichen Hausrats kann Luca verzichten. Unabdingbar ist indessen die bei Alter 18 erwähnte Privathaftpflichtversicherung. Solange Luca zu Hause lebte und keiner Erwerbstätigkeit nachging, war er über die Familienpolice seiner Eltern versichert. Nun wohnt er auswärts und wird zwischendurch jobben. Ist er nun weiterhin über die Familienpolice versichert? Die Antwort hängt von der Versicherungsgesellschaft ab.

 

Tipp: Bei Axa Winterthur sind über 20-jährige Kinder mit der Familienpolice versichert, solange sie ledig und nicht berufstätig sind. Das gilt auch für auswärts wohnende Studenten. Und das gilt selbst für Werkstudenten, wo die Ausbildung und nicht der Job im Vordergrund steht.

 

Alter 25:Jetzt gilt es ernst

 

Je nach Versicherung war Luca bis jetzt über die Familienpolice für Privathaftpflicht versichert. Dieser Schutz könnte mit Alter 25 auslaufen. Ausserdem verliert Luca mit dem 25. Altersjahr den Anspruch auf eine Waisen- beziehungsweise Kinderrente, sollte Vater oder Mutter etwas zustossen. Und schliesslich sind die Eltern ab diesem Alter nicht mehr unterstützungspflichtig.

 

Alter 26: Der erste grosse Zapfen

 

Luca tritt eine Vollzeitstelle an. Er ist der Pensionskasse angeschlossen und geniesst von nun an einen besseren Invaliditätsschutz. Gegen Unfall ist er über den Arbeitgeber versichert. Gegen längere Krankheit hat sein Arbeitgeber eine kollektive Krankentaggeldversicherung abgeschlossen. 

 

Luca verdient mehr, als er als Single zum Leben braucht. Er eröffnet ein Konto 3a und zahlt schon im ersten Jahr 6365 Franken ein. Das Geld dient der Vorsorge. Zins und Zinseszins sind steuerfrei. Ausserdem kann er den einbezahlten Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen. Das Geld bleibt bis fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter gebunden. Es kann nur in ganz speziellen Fällen vorher bezogen werden.

Heiratsringe weissgold
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Tipp: Gemäss dem letzten Zinsvergleich in dieser Zeitung (Ausgabe vom 15. Juni 2010) zahlen Credit Suisse und Postfinance mit 2,25 Prozent den höchsten Zins. 

 

Alter 29: «Ja, ich will…»

 

Manuela ist schwanger. Bald wird Yannick auf die Welt kommen. Lucas Studienfreundin gibt daher ihre Erwerbstätigkeit vorübergehend auf: Sie erhält von der Mutterschaftsversicherung während 14 Wochen 80 Prozent des letzten Lohnes. Beim Tod von Luca wäre Manuela via AHV und zweite Säule abgesichert: Sie erhielte von beiden Sozialwerken eine Witwen- sowie eine Kinderrente. Normalerweise reichen diese Renten aus, damit Manuela mit dem kleinen Yannick nicht darben muss. Andernfalls könnte Luca eine Risiko-Todesfallversicherung abschliessen.

 

Alter 32: Anja kommt

  

Mit der Geburt des zweiten Kindes steigt nicht nur das Haushaltsbudget. Auch der Versicherungsschutz wird erhöht – und zwar automatisch. Denn beim Tod von Luca gibt es nun zwei Halbwaisenrenten aus der ersten und zwei Kinderrenten aus der zweiten Säule. Kommt hinzu, dass der Risikoschutz der Pensionskasse dank Lohnerhöhungen seit der Geburt von Yannick höher geworden ist.

 

Tipp: Wurde bei der Geburt des ersten Kindes eine Lebensversicherung abgeschlossen, so kann diese jetzt gekündigt werden. Je mehr Kinder, desto grösser der Risikoschutz.  

Klein aber mein.
Klein aber mein.

Alter 33: Der Traum vom Haus

In der Wohnung ist es eng geworden. Luca kauft sich ein kleines Einfamilienhaus. Das Eigenkapital ist knapp.

 

Tipp: Indirekt statt direkt amortisieren. Das heisst, man eröffnet bei der Bank ein Konto 3a und überweist jährlich den Maximalbetrag. Das Konto wird von der Bank mit einem Pfand belegt. Als Gegenleistung für diese Sicherheit gewährt sie einen Vorzugszins. 

Jedem zweiten Paar gehts ähnlich.
Jedem zweiten Paar gehts ähnlich.

Alter 48: Scheiden tut weh

Midlife-Crisis. Scheidung. Das Alterskapital der Pensionskasse wird geteilt. Der für Manuela bestimmte Teil wird auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen. Luca verkauft das Haus. Der Erlös überweist er seiner Pensionskasse, die ja wegen der Scheidung fast zur Hälfte dezimiert wurde.

  

Tipp: Die Lücke in der Pensionskasse nicht auf einen Schlag schliessen. Da man Einkäufe in die Pensionskasse vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen kann, sollte der Einkauf auf möglichst viele Jahre verteilt werden. Man nennt dies Steueroptimierung.

 

Alter 65: Das Golfhandicap

Luca setzt sich zum Ziel, sein Handicap im Golf zu verbessern. Was die Finanzen betrifft, hätte er die Möglichkeit gehabt, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen. Er zieht aber die Rente vor. Die Gründe:

Golf ist teuer.
Golf ist teuer.

Zur Existenzsicherung ist Luca neben der AHV auf eine zusätzliche Rente angewiesen.

Mit einem Umwandlungssatz von derzeit noch feudalen 6,8 Prozent profitiert Luca von der Verpolitisierung eines versicherungs-mathematischen Satzes, also von einem künstlich hochgehaltenen Umwandlungssatz.

 

Nachteilig ist die Rentenlösung im Fall eines vorzeitigen Todes. Ein Nachteil aber nur für seine Kinder Yannick und Anja. Die beiden sind erwachsen. Sie stehen auf eigenen Füssen. Luca stellt sich auf den Standpunkt, seinen Kindern finanziell nichts mehr schuldig zu sein.

 

Erschienen in der BZ am 3. August 2010

Claude Chatelain