Warum die KPT-Fusion platzen muss

Dank einem umstrittenen Aktienmitarbeiterprogramm beschert die Hochzeit der Berner KPT mit der Zürcher Sanitas den KPT-Mitarbeitenden einen Geldsegen von über 50 Millionen Franken. Darf das sein? Dürfen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung an einer Fusion von zwei in der Grundversicherung tätigen Krankenkassen ein persönliches, finanzielles Interesse haben? Nein, das darf nicht sein. Erst recht nicht, da die Fusion der mittelgrossen KPT mit der grossen Sanitas keinen Sinn macht – zumindest nicht aus Sicht der KPT.

Man kann zwar durchaus die Meinung vertreten, eine mittelgrosse Krankenkasse wie die KPT habe langfristig keine Überlebenschancen. Wenn dem so ist, müsste sich die ehemalige Beamtenkasse mit einer Krankenversicherung vermählen, die ebenso gut finanziert ist wie sie. Die Concordia wäre so eine Kasse. Fusionsgespräche zwischen Concordia und KPT hatten ja vor vier Jahren auch stattgefunden. Sie wurden abgeblasen. Warum genau, ist nicht bekannt. Womöglich wollte Concordia gerade wegen des anrüchigen Aktiendeals nicht Hand bieten. Aus guter Quelle ist ferner zu erfahren, dass KPT-Präsident Walter Bosch auch bei anderen Kassen Sondierungsgespräche für eine Fusion führte. Als ruchbar wurde, dass KPT-Mitarbeitern bei einem solchen Deal Entschädigungen zufliessen würden, winkten jene Kassen ab.

 

Die KPT hätte sich auch mit den anderen Berner Kassen Visana oder Atupri zusammenschliessen können. Wie die KPT weisen auch diese Kassen Reservequoten von deutlich über 10 Prozent aus. Damit wären die Arbeitsplätze in Bern geblieben. Denn Krankenkassen sind nicht Aktionären verpflichtet, sondern den Mitarbeitenden und den Prämienzahlern. Doch die Mitarbeiter können kein Interesse daran haben, wenn ihre Arbeitsplätze früher oder später nach Zürich verlegt werden. KPT-Präsident Walter Bosch erzählte zwar dieser Zeitung, es werde keine Verschiebungen von Bern nach Zürich geben. Wer kann so etwas noch glauben? Bei Fusionen wird immer gesagt, es würden keine Arbeitsplätze verschoben, nur um ein paar Jahre später, wenn die Wogen geglättet sind, die Arbeitsplätze an einem Standort zu konzentrieren. Allianz Suisse ist nur ein Beispiel.

 

Im Unterschied zu den genannten Kassen ist Sanitas schlecht finanziert: Ihre Reservequote in der Grundversicherung lag Ende 2009 bei 8 Prozent; jene von Wincare, die ebenfalls der Sanitas gehört, bei 8,9 Prozent. Nach Auflagen des Bundesamts für Gesundheit ist das zu wenig.

 

Mangels triftiger Gründe gibt es nur eine erkennbare Motivation für die genannte Fusion: die persönliche Bereicherung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der KPT. Bei privatrechtlichen Aktiengesellschaften mag das gehen. In der Sozialversicherung sollte das nicht erlaubt sein.

 

Es wäre für alle am besten, die angekündigte Fusion würde abgeblasen: am besten für den Wirtschaftsstandort Bern, indem die Arbeitsplätze bestehen bleiben. Am besten für die finanzstarke KPT, die sich nicht mit der finanzschwachen Sanitas vermählen muss. Am besten für die Sanitas, die nicht einen Verwaltungsratspräsidenten wie Walter Bosch an die Spitze bekommt, der einen zweifelhaften Deal eingefädelt hat.

 

Freude an einem Schulterschluss der Kassen samt Bereicherung der führenden Mitarbeiter kann höchstens die politische Linke haben. Ihr Anliegen, eine Einheitskrankenkasse einzuführen, erhält dadurch mächtig Auftrieb.

 

Erschienen in der BZ am 17. Juli 2010

Claude Chatelain