Vierte Säule: Nachtrag zu Wolf und Schafen

Ungeschützte Schafe in den Alpen.
Ungeschützte Schafe in den Alpen.

Warum versichern Schafhalter ihre Tiere nicht vor dem bösen Wolf? Weil sie nicht müssen, da ja wir Steuerzahler das gerissene Schaf entschädigen, schrieb ich das letzte Mal. Hinzu kommt, dass es unter Juristen erst noch umstritten ist, wieweit eine Wolfsattacke als Unfall zu taxieren ist und damit von der Unfallversicherung gedeckt ist.

 

Nicht umstritten ist aber, dass die Mobiliar und die Emmental Versicherung auf Anfrage nun erklären, gefressene und angefressene Schafe seien in der Unfalldeckung nicht ausgeschlossen.

 

Um zweijährige und ältere Schafe gegen Unfall zu versichern, verlangt die Emmental Versicherung eine Jahresprämie von 6 Franken. Für jedes verunfallte Tier zahlt sie 400 Franken. Bei jüngeren Tieren beträgt die Prämie 2 oder 3 Franken. Der Jahresprämie für 50 Schafe beträgt somit rund 300 Franken. Es gibt teurere Hobbys.

 

Immerhin 215 Personen haben bei der Emmental Versicherung ihre Schafe gegen Unfall versichert. Die Mobiliar kann das nicht so genau sagen, weil in der Kleinviehversicherung sowohl Schafe wie Ziegen und Geflügel versichert sind. 820 Personen haben bei der Mobiliar ihr Kleinvieh gegen Unfall versichert.

Stürzt nun ein Schaf zu Tode, entschädigt die Versicherung den Halter für das verunfallte Tier. Wird aber das Schaf vom Wolf oder Bären gefressen, müsste eigentlich die Versicherung auch zahlen, wird es aber nicht tun, denn Versicherungen haften subsidiär. Sie zahlen nur, wenn niemand anders zahlt. Da aber wir Steuerzahler für gerissene Schafe aufkommen, wird die Versicherung von der Schadendeckungspflicht befreit. Das ist ein Ärgernis.

 

250 000 Schafe werden in den Schweizer Alpen gesömmert. Um die 10 000 sterben wegen Krankheit, Absturz, Steinschlag. Nur 200 Schafe fielen im vergangenen Sommer dem Wolf zum Opfer. Das ist vergleichsweise wenig. Viel Geld kostet uns Steuerzahler dagegen die ganze Bürokratie rund um den Wolf, nämlich jährlich eine Million Franken. Das hat mein Kollege Jürg Steiner kürzlich hochgerechnet. Dieser Befund ist das noch grössere Ärgernis.

 

Erschienen in der BZ am 6. Juli 2010

Claude Chatelain