Vierte Säule: Versichert die Bärenschäden

Der Bär geht um. Bereits hat er im Kanton Graubünden fünf Schafe gerissen. Sie werden sich nun fragen, liebe Leser, weshalb ich mich hier in der 4. Säule mit dem Artenschutz befasse. Sie könnten mir vorhalten, als Städter würde mir eher das Velo gestohlen als ein Schaf gerissen.

Bricht in meinem Haus das Feuer aus, so zahlt die Feuer- und Elementarschadenversicherung. Bei einem Wasserschaden nach einem Unwetter zahlt die Gebäudewasserversicherung. Verursache ich mit dem Auto einen Unfall, zahlt das die Autohaftpflichtversicherung. Schlägt mein Sohn mit dem Fussball eine Scheibe ein, zahlt das die Privathaftpflicht. Und wird mir – wie in Städten üblich – der Drahtesel geklaut, ist zumindest ein Teil des Schadens durch die Zusatzversicherung «Einfacher Diebstahl auswärts» gedeckt.

 

Für all diese Versicherungen zahle ich eine Prämie. Auch Landwirte versichern ihre Tiere: Sie zahlen für ihre Nutztiere Prämien für eine Unfall- und manchmal auch für eine Krankenversicherung. Warum um Himmels willen können die Schafzüchter ihre Tiere nicht auch gegen Wolf und Bär versichern?

 

Erste Antwort: Weil sie nicht müssen; schliesslich zahlen wir Steuerzahler den Schaden. Zweitens: Weil sie nicht können, denn gerissene Schafe sind weder auf ein Elementarereignis noch auf einen Unfall, noch auf eine Krankheit zurückzuführen. Der Schafhalter müsste extra eine Zusatzdeckung verlangen.

Das liesse sich grundsätzlich machen, bestätigt mir Enrico Casanovas, Geschäftsleiter der Emmental-Versicherung. Eine Nachfrage dazu bestehe aber nicht, da ja – wie gesagt – der Schaden vom Steuerzahler übernommen werde.

 

Als Steuerzahler schlage ich vor, dass künftig Schafhalter ihre Tiere selber versichern: gegen Unfall, Krankheit, Wölfe, Bären und was sich sonst an Raubtieren tummelt. Vermutlich würden Schafhalter einwenden, sie wollten dafür keine Versicherungsprämien zahlen, weil doch diese Raubtiere in der kleinräumigen Schweiz nichts verloren hätten. Eine Haltung, für welche ich als Städter durchaus Sympathie bekunde. Als Steuer- und Prämienzahler hingegen weniger.

 

Erschienen in der BZ am 29. Juni 2010

Claude Chatelain