Damit die Inflation die Rendite nicht wegfrisst

Alexander Froschauer von der LGT Bank.
Alexander Froschauer von der LGT Bank.

Was kaufen Anleger, um sich vor Inflation zu schützen? Die klassische Antwort: Sie kaufen Sachwerte. Die zweite Antwort: Sie kaufen inflationsgeschützte Anleihen.

 

Die Gefahr überdurchschnittlicher Preissteigerungen ist akut, weniger zwar in der Schweiz, umso ausgeprägter dafür in Euroland und in den USA. Kein Zufall wohl, dass der Stadtberner Ableger der liechtensteinischen LGT Bank vergangene Woche über inflationsgeschützte Anleihen referierte.

«Inflationsgeschützte Staatsanleihen sind das einzige Anlagevehikel mit garantierter Kaufkrafterhaltung», sagte Alexander Froschauer, Investmentspezialist Anleihen der LGT Capital Management mit Sitz in Pfäffikon.

 

So funktioniert es: Staaten geben eine Anleihe heraus, deren Coupons und Nennwert an die Inflation gekoppelt sind. Steigen während der Laufzeit die Konsumentenpreise, steigen auch der Coupon und der Nennwert. Allerdings haben solche inflationsgeschützte Papiere einen tieferen Coupon als herkömmliche Staatsobligationen.

 

Erstmals gab die britische Regierung im Jahr 1981 eine solche Anleihe heraus. Die anderen Staaten folgten erst viele Jahre später, die USA zum Beispiel 1997. Mittlerweile haben die USA 29 inflationsgeschützte Anleihen emittiert; Grossbritannien deren 17.

 

Und die Schweiz?

 

«Die Bundestresorerie hat in der Vergangenheit mehrmals die Herausgabe von inflationsgeschützten Anleihen geprüft», ist aus dem Finanzdepartement zu vernehmen. Doch inflationsgeschützte Anleihen seien aus heutiger Sicht keine geeignete Alternative zu den herkömmlichen Bundesanleihen.

 

Als Folge der Schuldenbremse und der guten Konjunktur habe sich der Schuldenstand des Bundes reduziert. Entsprechend sei der Bedarf neuer Bundesobligationen zurückgegangen. Die Tresorerie brauche deshalb das jährliche Emissionsvolumen, um die «Eidgenossen» mit genügend Liquidität zu versorgen.

 

«Eidgenossen» gehen vor

 

«Eine angemessene Marktliquidität der ‹Eidgenossen› ist im Interesse sowohl der Marktteilnehmer als auch des Bundes», antwortet die Bundestresorerie auf Anfrage, gelte doch die Zinskurve der «Eidgenossen» als Referenz für die Preisfestlegung bei neuen Anleihen.

Mit der Absenz von inflationsgeschützten Schweizer-Franken-Anleihen kommen somit inflationsgeschützte Vehikel für Anleger nur beschränkt in Frage. Nur Fremdwährungsobligationen können gegen die Geldentwertung geschützt werden.

Obligationen in fremder Währung sind generell wegen der höheren Zinsen vielversprechend. Da aber die inflationsgeschützte Anleihe mit einem tieferen Coupon ausgestattet ist, verfliegt der Zinsvorteil gegenüber Frankenpapieren. Somit lohnt es sich kaum mehr, das Währungsrisiko in Kauf zu nehmen.

 

Interessant sind inflationsgeschützte Fremdwährungsobligationen deshalb höchstens als Beimischung eines globalen Obligationenportefeuilles. Das war denn auch die Botschaft der LGT Bank, die ihr Portefeuille mit ebensolchen Papieren ergänzt. Nach ihrer strategischen Vermögensaufteilung machen die inflationsgeschützten Anleihen einen Anteil von 23 Prozent aus. Die LGT führt auch einen Schweizer-Franken-Fonds, der in inflationsgeschützte Anleihen investiert und das Wechselkursrisiko absichert.

 

Nach Steuern ein Minus

 

Apropos garantierte Kaufkrafterhaltung: Die eingangs zitierten Worte von Alexander Froschauer von wegen garantierter Kaufkrafterhaltung sind insofern zu relativieren, als der Einstandspreis auch mit integriertem Inflationsschutz ins Minus fallen kann – und zwar wegen der Steuern. Müssen nämlich Zinsertrag und Nominalwertzuwachs als Einkommen versteuert werden, wird die Realrendite unter die Preisentwicklung fallen.

 

Um sich wirklich vor Inflation zu schützen, kommen Anleger deshalb kaum um Sachanlagen herum. Wobei auch hier die Kaufkrafterhaltung nicht garantiert ist. Sachanlagen wie Aktien oder Immobilien werden zwar langfristig eine Rendite erzielen, die über die Inflationsrate zu stehen kommt. Langfristig kann aber unter Umständen sehr langfristig sein.

 

Erschienen in der BZ am 29. Juni 2010

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Claude Chatelain