Liebe ist schön – Vertrauen ist naiv

Was bei Eheleuten problemlos funktioniert, kann bei Konkubinatspartnern schwierig sein: die Finanzierung von Wohneigentum mit Geldern der Pensionskasse oder der gebundenen Säule 3a. Es kommt auf die Form des Eigentums an.

Vom Gesamteigentum ist insbesondere Konkubinatspaaren abzuraten.
Vom Gesamteigentum ist insbesondere Konkubinatspaaren abzuraten.

Wer darauf vertraut, dass in der Partnerschaft schon alles gut gehen werde, verkennt die Erfahrung anderer. Und verkennt damit auch die statistische Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe oder auch die Partnerschaft auseinanderbricht. Dieser Erkenntnis ist insbesondere dann Rechnung zu tragen, wenn beide Partner zusammen Wohneigentum erwerben. Konkubinatspaare sollten in diesem Fall die Eigentumsverhältnisse vertraglich regeln. Denn im Unterschied zu Eheleuten können sich Konkubinatspaare kaum auf das Gesetz berufen. Das Konkubinatsverhältnis ist im Gesetz nur oberflächlich geregelt.

 

Die drei Formen


Zentral ist vor allem die Frage, wie das Wohneigentum aufgeteilt wird: Es gibt drei Formen: Alleineigentum, Miteigentum und Gesamteigentum.


Das Alleineigentum ist die einfachste Form und erheischt daher keine nähere Beschreibung: Einer der beiden Partner ist alleiniger Besitzer der Liegenschaft. Beim Krach ist klar, wer auszuziehen hat.


Beim Miteigentum wird definiert, wie viel der eine und wie viel der andere Partner besitzt. fifty-fifty, ein Viertel, drei Viertel oder jede mögliche Kombination ist möglich.


Beim Gesamteigentum sind beide Partner Besitzer des gesamten Wohneigentums. Sie können nicht ihren Teil veräussern, da eben beide das Ganze besitzen und nicht nur Teile davon.

Sind beide Konkubinatspartner Gesamteigentümer, kann das einschneidende Konsequenzen haben. Dies gilt vor allem für jene Fälle, in welchen für die Finanzierung oder Abzahlung der Hypothek Gelder von der Pensionskasse oder Säule 3a angezapft werden sollten. Das geht nämlich nicht, was auch schon für böses Blut gesorgt hat.

 

Opfer Jacqueline Bachmann


Die ehemalige Konsumentenschützerin Jacqueline Bachmann musste nämlich diese bittere Erfahrung machen. Sie wollte die Hypothek mit den Ersparnissen auf dem Konto 3a amortisieren, wie das Tausende von Schweizerinnen und Schweizern auch tun. Allein, es wurde ihr verwehrt, weil sie zusammen mit ihrer Partnerin Gesamteigentümerin war. Wäre sie im Grundbuch als Miteigentümerin eingetragen gewesen, hätte sie für die Finanzierung ihres Anteils Vorsorgegelder anzapfen können.


«Absolut diskriminierend»


«Ich finde das absolut diskriminierend, unverständlich und lächerlich», schimpfte Jacqueline Bachmann im «Blick». Ihr Zorn richtete sich auch gegen die Bank, die von den beiden Frauen beim Erwerb der Wohnung ausdrücklich verlangt hatte, für die zweite Hypothek ein Konto 3a zu errichten und verpfänden zu lassen. Gerieten die beiden Frauen in Zahlungsschwierigkeiten, könnte die Bank auf die 3a-Konti zurückgreifen.

 

«Zu gesamter Hand»


Warum diese Diskriminierung von Konkubinatspartnern? In der Verordnung über die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge steht geschrieben, welche Formen des Wohneigentums mit Vorsorgegeldern finanziert werden dürfen: das Eigentum, das Stockwerkeigentum, das selbstständige Baurecht sowie «das Eigentum der versicherten Person mit ihrem Ehegatten zu gesamter Hand».


Vom Juristendeutsch ins normale Deutsch übersetzt: Einzelpersonen können amortisieren, Ehepaare können amortisieren, und würde die Wohnung nicht beiden Lebenspartnern, sondern nur einem der beiden gehören, würde es auch funktionieren. Es funktioniert aber nicht, wenn die Wohnung beiden Lebenspartnern gesamthaft gehört.

 

Vorbezug für Wohneigentum

WEF ist das Kürzel für das Weltwirtschaftsforum in Davos. WEF heisst aber auch Wohneigentumsförderung mit Vorsorgegeldern, also mit dem Pensionskassenguthaben oder mit den Ersparnissen auf der Säule 3a. Normalerweise sind diese Gelder bis fünf Jahre vor der Pensionierung blockiert. Doch für die Finanzierung von selbst bewohnten Einfamilienhäusern oder Eigentumswohnungen können die Gelder vorbezogen werden. Sei es für den Erwerb des Wohneigentums oder für die Abzahlung der Hypothek. Möglich ist auch, die Vorsorgegelder zu verpfänden statt vorzubeziehen.

Das System der drei Säulen

Die erste Säule ist die staatliche, die zweite ist die berufliche und die dritte Säule ist die private Vorsorge. Diese dritte Säule wird in 3a und 3b unterteilt. Die Säule 3a ist gebunden und steuerbegünstigt. 3b ist dagegen die freie Vorsorge. Einzahlungen auf das Konto 3a können bis zu bestimmten Höchstbeträgen vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden. Dafür ist beim Bezug eine einmalige Kapitalauszahlungssteuer zu entrichten. Ist einmal das Geld auf dem Konto 3a, kann es nur noch in bestimmten Fällen vorzeitig bezgen werden, zum Beispiel für die Finanzierung von selbst bewohntem Eigentum.

 

Claude Chatelain