Haldemann: "Die "Qualität war gut bis sehr gut"

Stephan Haldemann
Stephan Haldemann

Rund 80 Prozent der Jodlerformationen haben sich am Bernisch-Kantonalen Jodlerfest in Langenthal fürs nächstjährige Eidgenössische in Interlaken qualifiziert. Das sagt der Jodler und Komponist Stephan Haldemann.

 

Herr Haldemann, Jodlerformationen erhalten die Noten 1 bis 4. Was geben Sie dem Bernisch- Kantonalen für eine Note?

Stephan Haldemann: Eine 1. Das OK hat das Fest hervorragend organisiert.

 

Das sagen Sie jetzt: Jodler kritisieren sich gegenseitig nicht.

Wenn etwas schiefgelaufen wäre, würde ich das sagen.

 

Was sagen Sie zur Qualität der Darbietungen?

Die Qualität war gut bis sehr gut. So wie etwa in den Jahren zuvor. Ich spreche hier nur von den Jodlern, die ich auch beurteilen kann. Ich spreche nicht von den Fahnenschwingern und Alphornbläsern.

 

Das heisst, etwa 80 Prozent der Jodler erhielten eine 1 oder eine 2?

Das kann man so sagen. Bei den Chören sind es wahrscheinlich gut 80 Prozent; bei den Kleinformationen etwas weniger.

Konnten Sie, was die Qualität der Darbietungen betrifft, Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr in Gstaad feststellen?

Vergleiche sind schwierig, weil in Langenthal andere Klubs angetreten sind und diese auch andere Lieder sangen. In Gstaad hatte es viel mehr Chöre als in Langenthal, vermutlich doppelt so viele. Ich würde sagen, das Niveau in Langenthal war etwa so wie in Gstaad.

 

Wer eine 1 oder 2 erhält, kann nächstes Jahr ans «Eidgenössische» nach Interlaken. Ist doch ziemlich grosszügig. Oder?

Das ist die übliche Quote und entspricht dem Niveau unseres Verbands. Man kann sicher nicht sagen, die Jury hätte der einen oder anderen Gruppe eine 2 geschenkt, damit sie im kommenden Jahr in Interlaken auftreten kann.

 

Man hört aus Jodlerkreisen, die Schraube werde von Jahr zu Jahr angezogen.

Ich würde nicht sagen, dass die Schraube angezogen wird. Richtig ist aber, dass die Anforderungen an die Wettvorträge hoch sind. Schliesslich wird ja die Qualität durch die vom Verband angebotenen Kurse laufend gefördert.

 

Hörte man dieses Jahr mehr moderne Stücke als letztes Jahr?

Nein, eher weniger. Das ist wohl auch mit der geringeren Teilnehmerzahl in Langenthal zu erklären.

 

Warum sind in der Innerschweiz die modernen Kompositionen populärer als im Kanton Bern?

Ein Grund liegt sicher darin, dass Berner Formationen vorzugsweise Lieder von Berner Komponisten singen. Doch die meisten Komponisten modernerer oder anspruchsvoller Lieder sind eben keine Berner.

 

Warum ist das so?

Schwierige Frage. Vielleicht hängt dies damit zusammen, weil viele der noch lebenden Komponisten im Kanton Bern keine Berufsmusiker sind. Dies im Unterschied zum Innerschweizer Emil Wallimann oder zum Toggenburger Willi Valotti, die beide von der Musik leben.

 

Wie verhält es sich mit dem Nachwuchsproblem?

Das ist von Region zu Region verschieden. Wir haben im Bernisch-Kantonalen Jodlerverband sehr viele Kinderchöre, die auch grosszügig gefördert werden. Derzeit sind es 22. Doch nicht alle dieser Jugendlichen finden danach den Weg in einen Jodlerklub.

 

Ist es nicht so, dass das Nachwuchsproblem im Berner Oberland ausgeprägter ist als zum Beispiel im Emmental?

Das kann ich nicht bestätigen. Ein Manko an jungen Jodlern haben wir eher in den Städten.

Wohl keine Überraschung, oder? Gejodelt wird doch eher auf dem Land und nicht in der Stadt.

Ja, aber es waren die Stadtberner Jodler, die den Jodlerverband gegründet haben. Das Verbandswesen, die Zusammenschlüsse und die Organisation der Jodler nahmen in den Städten ihren Anfang.

 

Ihre beiden Kompositionen «Nächschteliebi» und «Lue gäg ufe» standen auch auf dem Programm. Zufrieden mit den Interpreten?

Ich konnte nicht alle hören. «Lue gäg ufe» wurde sechs bis sieben Mal gesungen. Aber es freut mich natürlich, dass gewisse Interpreten mit einem meiner Lieder die Note 1 erhielten.

 

ZUR PERSON

 

Stephan Haldemann, 1967 in Münsingen geboren und heute Pfarrer in Signau, ist Vizepräsident des Kantonal-Bernischen Jodlerverbands. Er ist Jodler, Dirigent und Komponist. Seit 1983 ist Stephan Haldemann Mitglied des JK Alpenrösli Münsingen, seit 1990 auch dessen Dirigent. Ausserdem tritt er

 

als Einzel-, Duett- oder Terzettjodler auf, am Schwyzerörgeli begleitet von seinem Lebenspartner Jürg Wenger.

 

Erschienen in der BZ am 21. Juni 2010


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Claude Chatelain