Die Bern-Connection des Walter Meier

Walter Meier, BT&T.
Walter Meier, BT&T.

Ein Sitzungsprotokoll, das dieser Zeitung vorliegt, bestätigt: Auch Berner Pensionskassen krochen dem in Zürich inhaftierten BT&T-Chef Walter Meier auf den Leim. An den Folgen nagen Berner Lehrer und Bähnler heute noch.


Liessen sich auch Berner Pensionskassen von Walter Meier bestechen? Der Präsident der Beteiligungsgesellschaft BT&T sitzt seit einer Woche in Zürich in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen aktiver Bestechung, Meier beteuert seine Unschuld. Fristlos entlassen wurde der angeblich von Meier bestochene Anlagechef der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich.

Einem geschenkten Gaul…


Auch Berner liessen sich von Meier blenden. Das zeigt ein Sitzungsprotokoll, das dieser Zeitung vorliegt. Nach dem Prinzip, dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, konnten sie nicht anders, als der Kapitalerhöhung des fürstlich nach Kalifornien einladenden Unternehmens zuzustimmen. So musste es einer Delegation der Pensionskasse Ascoop im Mai 2000 ergangen sein. Sie genehmigte diskussionslos die Zeichnung neuer Aktien der Beteiligungsgesellschaft BT&T im Betrag von 40 Millionen Franken. Die Verantwortlichen der Ascoop, bei der Privatbahnen und touristische Organisationen versicherten sind, taten dies nicht an ihrem Hauptsitz in Bern; sie taten dies im Hotel Westin St. Francis in San Francisco. Eingeladen hatte Walter Meier von der Beteiligungsgesellschaft BT&T. Zur gleichen Zeit weilte auch eine Delegation der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) in Kalifornien, wie aus einem Bericht der Finanzkontrolle hervorgeht.

Hotel Westin St. Francis in San Francisco
Hotel Westin St. Francis in San Francisco

Zahlen statt fragen


Die eingeladenen Ascoop-Verantwortlichen liessen sich offensichtlich überrumpeln. Ascoop-Direktor Jean-Claude Düby erklärte damals in San Francisco: «Da dieses Geschäft möglichst rasch entschieden werden sollte (...) scheint es sinnvoll, die Geschäftsleitung (...) bereits heute über das Projekt zu orientieren und möglichst rasch entscheiden zu lassen.» Es gab dann noch ein, zwei Fragen – und schon war das Geld am Trockenen.

 

Jean-Claude Düby war damals nicht nur Direktor der Ascoop; er sass auch in den Verwaltungsräten von Proprietary Industries, BT&T, CommCept Trust, der Tiroler Sparkasse und der Bern Venture Holding. Mit dem Geld der bei der Ascoop versicherten Bähnler kaufte Düby Aktien jener Gesellschaften. Ein Teil der Engagements war hoch riskant. Noch heute müssen die Ascoop-Versicherten mit Sanierungsbeiträgen für die Sünden der nach San Francisco eingeladenen Chefs büssen.

 

Die spätere Ascoop-Führung erhob gegen Düby «Ansprüche aus organschaftlicher und sozialversicherungsrechtlicher Verantwortlichkeit, aus Arbeitsvertrag sowie aus unerlaubter Handlung». Doch verklagt wurde Düby nie. Man einigte sich mit ihm in einem aussergerichtlichen Vergleich.

Hier lässt man sich gerne verwöhnen.
Hier lässt man sich gerne verwöhnen.

Ebenfalls in San Francisco war Peter Joss, der damalige Vize-Präsident. Mit ihm ging die spätere Ascoop-Führung vor Gericht. Das Bundesgericht hat Joss zu einer Schadenersatzzahlung von 400'000 Franken verknurrt, was die Ascoop mit ausstehenden Renten verrechnen konnte. Präsident der Ascoop war damals Robert Karlen, Sekretär des Eisenbahn- und Verkehrspersonalverbandes (SEV). Auch er liess sich einladen.

 

Mit dabei in San Francisco war ebenfalls der inzwischen verstorbene Pierre Cosandier, langjähriger Direktor der Verkehrsbetriebe STI in Thun. Auch ein Lokomotivführer liess sich als Arbeitnehmervertreter die Chance nicht entgehen, in San Francisco vor Ort zu entscheiden, ob sich eine Beteiligung in BT&T bezahlt macht. Sie machte sich nicht – zumindest nicht für die Versicherten.

 

Erschienen in der BZ am 19. Juni 2010

Claude Chatelain