Vierte Säule: Für Hörgeräte zur Krankenkasse

Die Kosten für den Ohrenarzt ist Sache der IV, nicht der Krankenkassen.
Die Kosten für den Ohrenarzt ist Sache der IV, nicht der Krankenkassen.

Wer im Alter an Sehkraft verliert, geht zum Augenarzt, lässt sich beim Optiker eine Brille anfertigen und schickt die Rechnung der Krankenkasse.  

Wer im Alter nicht mehr so gut hört, geht zum Ohrenarzt, lässt sich beim Akustiker ein Hörgerät anfertigen und schickt die Rechnung der … Falsch. Die Rechnung für das Hörgerät schickt er nicht der Krankenkasse, sondern der IV. Dies entbehrt jeglicher Logik. Oder doch nicht?

 

Das IV-Gesetz wird revidiert. Von dieser Revision sind auch Hörgeräte und andere Hilfsmittel der IV betroffen. Der Bundesrat will hier 45 Millionen Franken sparen.

 

Nun ist ein Streit entbrannt, wie diese Kostensenkung zu bewerkstelligen ist. Der Bundesrat will eine gesetzliche Erlaubnis, Hörgeräte und andere Hilfsmittel auf dem freien Markt mit Rabatt einzukaufen. Behinderte müssten danach jene Hörgeräte auswählen, die die IV im Sortiment führt. Behindertenorganisationen haben keine Freude an diesem Vorschlag. Peter Wehrli vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben sieht sich in DDR-Zeiten versetzt und befürchtet Lieferfristen wie beim Trabi.

 

Warum nicht die Hörmittel dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) unterstellen, wie dies in politischen Vorstössen gefordert wird? Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) weiss eine Antwort: Hörmittel und Brillen seien nicht vergleichbar. Mit Brillen könne man die volle Sehkraft wiederherstellen; hingegen bleibe das Hörvermögen auch mit den besten Hörgeräten gestört. Wie die anderen Hilfsmittel der IV sei auch die Beschaffung von Hörgeräten eine Eingliederungsmassnahme.

 

Ich gebe zu, diese Differenzierung zwischen Brille und Hörgerät war mir nicht bekannt. Und vor allem habe ich nicht gewusst, dass Hörgeräte eine Massnahme zur Eingliederung sein sollen, analog anderer Eingliederungsmassnahmen der IV.

 

Ob Krankenkasse oder IV, steht derzeit nicht zur Debatte. Heftig diskutiert wird dagegen der erwähnte Staatseinkauf für Hilfsmittel in der IV. Die 6. IV-Revision steht heute im Ständerat auf dem Programm.

 

Erschienen in der BZ am 15. Juni 2010

Claude Chatelain