An Toni kam keiner vorbei

Nationalrats-Captain Toni Bortoluzzi mit vollem Körpereinsatz im Duell gegen Peter Jost, stellvertretender Chefredaktor dieser Zeitung. Beobachter im Hintergrund: Unterhaltungsredaktor Fabian Sommer.
Nationalrats-Captain Toni Bortoluzzi mit vollem Körpereinsatz im Duell gegen Peter Jost, stellvertretender Chefredaktor dieser Zeitung. Beobachter im Hintergrund: Unterhaltungsredaktor Fabian Sommer.

Auf dem Fussballfeld entpuppen sich die National- und Ständeräte weit mannschaftsdienlicher als im Bundeshaus: 1:1 gegen den FC Berner Zeitung.

Wer gegen den FC Nationalrat spielen möchte, muss sich auf einer Warteliste gedulden. Zwei Jahre wartete der FC Berner Zeitung, ehe die Herren National- und Ständeräte am Dienstagabend den Redaktoren in Münsingen die Ehre gaben. Vielleicht war das lange Warten auf den grossen Tag schuld daran, dass die jüngeren, schnelleren und spritzigeren Journalisten Ladehemmung hatten. Am Schluss stand die Partie 1:1.

 

«In Zukunft spielen wir nur noch gegen Mannschaften, deren jüngstes Mitglied 35 Jahre alt ist», wetterte noch kurz nach Anpfiff ein Vertreter des Betreuerstabes des FC Nationalrats. Sie ahnten Böses. Es sah nach einigen Minuten danach aus, als ob die Politiker ein «Päckli» kassieren würden. Der Eindruck sollte täuschen: Die ungestüm agierenden Kollegen der BZ-Redaktion trafen dreimal Aluminium, vorerst aber nie ins Netz. Erst ein paar Sekunden vor Schluss musste sich Nationalratsgoalie Geri Müller (Grüne, AG) nach einem perfiden Aufsetzer geschlagen geben. Müller war der Held des Abends: Er zeigte spektakuläre Paraden. In jüngeren Jahren spielte Müller in der ersten Liga als Libero.

 

Trotz Feldüberlegenheit waren es nicht die BZ-Redaktoren, die in der ersten Viertelstude die grösste Chance versiebten. Es war Martin Landolt (GL), der einzige Spieler von der BDP. Als der BZ-Goalie in der Mitte der eigenen Platzhälfte ausrutschte, stand der Quoten-BDPler 25 Meter vor dem leeren Tor. Er schaffte es, den Ball danebenzuschiessen.

 

Nicht ein Parlamentarier, sondern Lobbyist Lorenz Jaggi erzielte in der zweiten Halbzeit das überraschende 1:0. Doch ehe der FC Berner Zeitung kurz vor dem Abpfiff den Ausgleich gelang, hielt Geri Müller Ball für Ball: «Schön Geri. Schön Geri. Mir hei ä Gooli. Mir hei ä Gooli», skandierte der gutgelaunte Eric Nussbaumer (SP, BL) auf der Ersatzbank, als er sich von seinem Einsatz erholte. «So einen Match mit so viel Dusel kann man nicht verlieren», meinte darauf Roger Hegi. Der Coach des FC Nationalrats muss es wissen: Er war einst Cheftrainer des FC St. Gallen und der Grasshoppers. Heute ist er Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft .

 

Das schmeichelhafte Unentschieden verdankten die Parlamentarier der besseren Mannschaftsleistung. Man wünschte sich, die Herren Räte würden auch im Bundeshaus vermehrt als Team aufspielen. Vorbild in Sachen Effizienz war Captain Toni Bortoluzzi (SVP, ZH): Er machte keinen Schritt zuviel und stand trotzdem immer am richtigen Ort. Ihn zu umschiffen bereiteten den Journalisten Mühe.

 

Der gefährlichste Akteur im grünen Leibchen war der 29-jährige Christian Wasserfallen (FDB, BE). Nur wurde er im Angriff oft allein gelassen. Wo aber waren die anderen Youngsters? Der 30-jährige Bastien Girod (Grüne, ZH) oder der 28-jährige Lukas Reimann (SVP, SG)? «Ich wollte sie aufbieten, aber die können alle nicht tschutten», bedauert der 63-jährige Captain Bortoluzzi. Derweil die Zuschauer die Absenz der grossen Abwesenden bedauerten: Die grüne Maya Graf (BL), die üblicherweise ihre Sturmläufe am rechten Flügel abspult, konnte es sich als Chefin der grünen Fraktion nicht leisten, die Ratsdebatte wegen körperlicher Ertüchtigung zu schwänzen.

 

Im Schnitt eine Fünf

Geri Müller.
Geri Müller.

Die Spieler des FC Nationalrats sind technisch limitiert; als Mannschaft aber überzeugend. Die beste Note erhält der Goalie.

 

Geri Müller (Grüne, AG) Note 5,5

Der Held des Abends vermochte kaum einen Ball zu fangen, hielt aber den Kasten trotzdem (fast) rein. Musste sich erst in der letzten Sekunde geschlagen geben.

Toni Bortoluzzi
Toni Bortoluzzi

Toni Bortoluzzi (SVP, ZH) Note 5

Der Captain machte keinen Schritt zu viel, stand trotzdem immer am richtigen Ort. In der Pause sagte er: «Das wars.» Und ging unter die Dusche.

This Jenny
This Jenny

This Jenny (SVP, GL) Note 5

Im Ständerat fällt er oft mit markigen Worten auf. Auf dem Spielfeld entpuppte sich der rechte Verteidiger als wahrer Wadenbeisser.

Alfred Heer.
Alfred Heer.

Alfred Heer (SVP, ZH) Note 4,5

In der Fernsehsendung «Arena» als Scharfmacher bekannt, gab sich auf dem Spielfeld ziemlich handzahm und erstaunlich kollegial.

Christian Wasserfallen
Christian Wasserfallen

Christian Wasserfallen (FDP, BE) Note 4,5

Athletisch, blitzschnell im Antritt, aber schwach im Abschluss. Von ihm hätte man mehr Druck erwartet, wäre er nicht in der FDP.

Claude Chatelain