Vierte Säule: Haie, Wölfe und Monster

Gordon Gekko alias Michael Douglas im Film "Wall Street".
Gordon Gekko alias Michael Douglas im Film "Wall Street".

Man nennt sie Monster, Haie, Wölfe oder ganz einfach Spekulanten. Gemeint sind Hedgefonds und all die Akteure an den Finanzmärkten, welche zum Leidwesen gewisser Staatsoberhäupter auf eine Währung oder gar auf ein ganzes Land spekulieren. Sie tun dies mit ausgeklügelten und undurchsichtigen Finanzinstrumenten, zum Teil mit den gleichen Konstrukten, die zur Immobilienkrise der USA und all ihren bekannten Folgen führten.

«Don’t blame the messenger.» Man soll nicht dem Überbringer der Botschaft die Schuld zuweisen, sagte Dirk Niepelt von der Universität Bern. Im Fall von Griechenland wurde dank dieser Monster und Haie in aller Deutlichkeit aufgezeigt, in welch desolatem Zustand sich das Land befindet. Dank dieser Monster werden nun auch andere Länder wie Portugal und Spanien Massnahmen ergreifen, um ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Ob die Zeit reicht, ist eine andere Frage.

 

Dass nun Deutschland oder Frankreich keine Freude haben, mit Finanzspritzen und grosszügigen Garantien anderen Euroländern aus der Patsche zu helfen, liegt auf der Hand. Sie sind aber nicht unschuldig daran. Regierungschefs wurden nicht müde, zu betonen, zum Schutz der Einheitswährung sei die Rettung Griechenlands unabdingbar. Eine Behauptung, die den Beweis schuldig geblieben ist. Ginge Kalifornien in Konkurs, wäre deshalb der Dollar noch lange nicht in Gefahr.

 

Man kann sogar behaupten, die vorübergehende Rettung Griechenlands habe den Euro erst recht geschwächt. Schon in der globalen Finanzkrise mussten sich die Staaten Europas zur Rettung der Banken massiv verschulden. Mit der Rettung Griechenlands wird ihre Schuldenlast nur noch erdrückender.

 

Hätte Griechenland einen Staatsbankrott erlitten, so hätten die Gläubiger bluten müssen. Es sind dies vor allem die Banken. Jetzt aber haben die Länder respektive deren Steuerzahler eingegriffen und mit hohen Risiken das Land Hellas vor dem vorläufigen Konkurs bewahrt. Anders gesagt: Der Steuerzahler zahlt; die Banken sind fein raus. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

 

Erschienen in der BZ am 25. Mai 2010

Claude Chatelain