Selbst der Barbezug kostet

Wer am Bankschalter vom eigenen Konto Euro abhebt, wird unter Umständen tüchtig zur Ader gelassen.

Reiselustige müssen nicht mehr diverse Schatullen mit D-Mark, Francs, Lire, Schillingen, Peseten und Drachmen führen – heute genügt ein einziges Couvert mit Euro-Scheinen. Oder noch besser: Man eröffnet bei der Hausbank ein Euro-Konto. Nun möchte man vor dem Abstecher ins nahe Ausland von ebendiesem Konto Geld abheben – und kommt tüchtig ins Staunen. Unter Umständen wird nämlich allein das Abheben von Euro eine Stange Geld kosten. Allerdings nicht in jedem Fall: Postfinance und die Migrosbank verlangen für diese Dienstleistung keine zusätzliche Gebühr. Ist ja eigentlich logisch, schliesslich sind Bezüge in Schweizer Franken auch kostenlos.

 

30 Prozent Gebühr

 

Doch bei der Credit Suisse kostet das Abholen des eigenen Geldes 2,5 Prozent. Will man also für den Trip nach Barcelona 1000 Euro abheben, kostet das stolze 25 Franken. Bei der UBS zahlt man 1 Prozent oder mindestens 30 Franken. Man stelle sich vor, man möchte für einen kurzen Abstecher 100 Euro abheben und müsste dafür 30 Franken bezahlen.

 

Bei solchen Gebühren käme es sogar günstiger, Schweizer Franken abzuheben und diese in die fremde Währung umzutauschen. «UBS verrechnet die Beschaffungskosten für Fremdwährungen weiter. Wir empfehlen den Inhabern eines Euro-Kontos, Beträge bis zu 2000 Euro am UBS-Bancomaten zu beziehen», erklärt ein Sprecher. Wobei der Bezug am Bancomaten auch bei der UBS nicht gratis ist.

 

Wie gesagt: Postfinance und Migrosbank verlangen für den Bezug am Schalter keine Gebühr – und bieten erst noch den höchsten Zins. Dabei heisst es doch: Was nichts kostet, ist nichts wert. Hier ist es gerade umgekehrt.

 

Erschienen in der BZ am 25. Mai 2010

Claude Chatelain