Vierte Säule: Das Inselspital will das Beitragsprimat

Die knapp 6500 Angestellten des Inselspitals sind bei der Bernischen Pensionskasse (BPK) versichert. Freilich nicht mehr lange. Das Management will weg vom unflexiblen Leistungsprimat. Es will das transparente Beitragsprimat.

 

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Beim Leistungsprimat berechnet sich die Rente aufgrund des letzten Lohnes. Somit wird die Rente in Prozent des Lohnes angegeben. Im Beitragsprimat berechnet sich die Rente aufgrund des über all die Jahre angesparten Guthabens. Es wird mit dem berühmt-berüchtigten Umwandlungssatz in eine Rente umgewandelt.

 

Das Beitragsprimat funktioniert wie ein Sparheft und ist somit leicht verständlich. Anders das Leistungsprimat: Dort wird mit einer mysteriösen Formel aus Beiträgen und Einkäufen der Rentenanspruch hervorgezaubert.

 

Weil beim Leistungsprimat die Rente vom Lohn abhängig ist, muss die Kasse ausrechnen, wie hoch der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerbeitrag sein muss, damit der Versicherte im Alter auf die versprochene Rente kommt. Zur Aufrechnung der Beiträge muss ein bestimmter technischer Zins angenommen werden. Liegen die Marktrenditen unter dem technischen Zins, zahlt die Kasse drauf. Werden höhere Renditen erzielt als prognostiziert, profitiert die Kasse.

 

Das führt dazu, dass bei einer Lohnerhöhung oder Änderung des Beschäftigungsgrads neu gerechnet werden muss. Soll die in Prozent ausgedrückte Rente unverändert bleiben, führt jede Lohnerhöhung zu Beitragserhöhungen. Die Freude wird getrübt, wenn die Gehaltserhöhung durch eine Nachfinanzierung wieder weggefressen wird.

 

Die meisten Leistungsprimatkassen haben ins Beitragsprimat gewechselt oder werden es noch tun. Einzig dort, wo die Politik das Sagen hat, wird noch am Leistungsprimat festgehalten, so etwa bei der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) sowie der Bernischen Pensionskasse (BPK).

 

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass das Leistungsprimat ein Auslaufmodell ist – das Inselspital erbrachte ihn.

 

Erschienen in der BZ am 18. Mai 2010

Claude Chatelain