Wirrwarr bei den Leibrenten

Leibrenten gehören zu jenen Lebensversicherungen, die noch relativ einfach zu verstehen sind. Überhaupt nicht einfach zu kapieren ist jedoch deren Besteuerung.

Man zahlt der Versicherung eine Prämie und erhält dafür bis ans bittere Ende eine Rente. So funktioniert die Leibrentenversicherung. Solche Produkte gibt es in den verschiedensten Variationen (Kasten). Ebenfalls verschieden und vor allem komplex ist deren Besteuerung. Die Komplexität hängt auch damit zusammen, dass Rentenversicherungen viele unterschiedliche Formen aufweisen. Jede Form zieht unterschiedliche Steuerfolgen nach sich.

Leibrenten können fünf verschiedene Steuerarten nach sich ziehen:

  • die Besteuerung der Rente als Einkommen;
  • die Besteuerung des Vermögens auf dem Rückkaufswert
  • die Besteuerung eines allfälligen Rückkaufs;
  • die Besteuerung des Rückgewährskapitals;
  • die Stempelsteuer beim Abschluss.

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Besteuerung von Kanton zu Kanton verschieden.

 

Die Einkommenssteuer

 

Die Besteuerung der Rente als Einkommen ist noch relativ einfach: Sie ist sowohl beim Bund wie auch in den Kantonen nur zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern. Dies im Unterschied zur AHV oder zur Pensionskassenrente. Eine einheitliche Besteuerung in der ganzen Schweiz könnte schon fast als Besonderheit taxiert werden.

 

Die Vermögenssteuer

 

Vorbei mit der einheitlichen Regelung ist es bei der Besteuerung des Vermögens, sofern die Leibrente einen Rückkaufswert aufweist. Einheitlich ist lediglich, dass der Rückkaufswert während der Aufschubzeit in allen Kantonen als Vermögen zu versteuern ist. Uneinheitlich ist die Regelung nach Zahlung der ersten Rente: In Bern, aber auch in Basel und Zürich, unterliegen laufende Leibrenten mit Rückgewähr nicht der Vermögenssteuer. In anderen Kantonen hingegen schon. Oder anders gesagt: Während der Aufschubphase ist im Kanton Bern der Steuerwert als Vermögen zu deklarieren. Doch sobald die Rente zu fliessen beginnt, ist der Versicherungswert nicht mehr als Vermögen zu versteuern.

 

Rentenversicherungen ohne Rückgewähr haben keinen Rückkaufswert, ergo unterliegen sie auch nicht der Vermögenssteuer.

 

Der Rückkaufswert

 

Sollte man zum Schluss kommen, die Rentenversicherung doch nicht nötig zu haben, kann man sie zurückkaufen – und zwar zum Rückkaufswert. Allerdings will auch der Fiskus sein Stück abhaben.

 

Grundsätzlich muss man unterscheiden, ob der Rückkauf während der Aufschubzeit getätigt wird oder erst später, wenn die Rentenzahlungen bereits laufen. Ausserdem ist während der Aufschubzeit gemäss bundesrechtlicher Rechtsprechung zu unterscheiden, ob die Kapitalauszahlung Vorsorgecharakter hat oder nicht.

 

Die Kapitalauszahlung hat Vorsorgecharakter, wenn folgende Bedingungen kumulativ erfüllt sind:

  • Vertragsschluss vor Vollendung des 66.Altersjahres;
  • Vertragsverhältnis dauerte mindestens fünf Jahre;
  • die Auszahlung erfolgt ab vollendetem 60.Altersjahr.

Ist eine dieser drei Bedingungen nicht erfüllt, so hat die Kapitalauszahlung keinen Vorsorgecharakter. Als Folge ist ein mit dem Rückkauf realisierter Ertrag zu versteuern. Dieser besteht in der Differenz zwischen der Gesamtleistung des Versicherers und der vom Versicherungsnehmer bezahlten Prämie. Er ist zusammen mit dem übrigen Einkommen zu versteuern.

 

Dient die Leibrente der Vorsorge, und erfolgt der Rückkauf während der Aufschubzeit, ist der Rückkauf im Umfang von 40 Prozent zu versteuern – und zwar getrennt vom übrigen Einkommen zum Tarif für Kapitalleistungen aus Vorsorge.

 

So viel zum Rückkauf während der Aufschubzeit. Beim Rückkauf einer laufenden Rente ist die Rückkaufsumme in jedem Fall zu 40 Prozent getrennt vom übrigen Einkommen zum erwähnten Vorsorgetarif zu besteuern. Laufende Renten dienen immer der Vorsorge.

 

Das Rückgewährskapital

 

Stirbt der Versicherte, wird das noch nicht verbrauchte Kapital an die Erben ausbezahlt, sofern die Police ausdrücklich mit Rückgewähr abgeschlossen wurde. Das Rückgewährskapital bei Tod unterliegt sowohl beim Bund wie bei allen Kantonen im Umfang von 40 Prozent der Einkommenssteuer. Auch in diesem Fall gelangt der Vorsorgetarif zur Anwendung, was zu einer tieferen Belastung führt.

 

Die übrigen 60 Prozent des Rückgewährskapitals unterliegen der Erbschaftssteuer. Wie weit eine solche erhoben wird, richtet sich nach dem kantonalen Recht des Wohnsitzkantons des Verstorbenen. Im Kanton Bern sind Ehegatten und direkte Nachkommen von der Erbschaftssteuer befreit.

 

Die Stempelsteuer

 

Die Stempelsteuer ist eine eidgenössische Steuer und daher relativ einfach: Periodisch finanzierte Rentenversicherungen und solche ohne Rückgewähr sind vom Stempel befreit. Wird hingegen die mit Einmalprämie finanzierte Rentenversicherung mit Rückgewähr abgeschlossen, sind dem Bund 2,5 Prozent der Prämie an Stempelsteuern abzuliefern.

 

Erschienen in der BZ am 4. Mai 2010

Claude Chatelain