Vierte Säule: Zum robusten Aktienmarkt

Wir alle erinnern uns an den 11.September 2001: Terroranschlag auf das World Trade Center in New York; Grounding der Swissair; Schäden in Milliardenhöhe, jäher Kurssturz an den Börsen rund um die Welt.

In noch frischerer Erinnerung ist uns der Vulkanausbruch des Eyjafjalla im Süden Islands: Chaos in ganz Europa, vorübergehendes Grounding der europäischen Airlines, ebenfalls Schäden in Milliardenhöhe, die je nach Quelle noch höher ausfallen sollen als jene vor neun Jahren. Und die Börse? Sie zitterte höchstens. Von einem Kurssturz war nichts zu sehen; nicht mal von einer Korrektur.

 

Wie ist das zu interpretieren? Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Aktienmärkte befinden sich derzeit in einer äusserst robusten Verfassung. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.

 

Wie Börsen auf negative oder positive Nachrichten reagieren, war schon immer vielsagend: Stürzen die Kurse bei der kleinsten Negativmeldung, um sich gleichzeitig bei positiven Nachrichten kaum zu bewegen, so haben wir es mit einem tristen Umfeld zu tun. Werden schlechte Nachrichten ignoriert und positive Meldungen mit Kurssteigerungen quittiert, ist die Stimmung gut. Doch aufgepasst: Die Stimmung kann auch allzu gut, sprich euphorisch sein. Das wiederum ist äusserst gefährlich. Das ist jene Phase, bei welcher der Allerletzte auch noch auf den fahrenden Börsenzug aufspringt. Diese Phase wird als «Putzfrauen-Hausse» bezeichnet.

 

So weit dürften wir derzeit noch nicht sein. Die massgebenden Börsenbarometer sind weit von ihren Höchstständen entfernt. Der Swiss Market Index (SMI) beispielsweise liegt immer noch knapp 30 Prozent unter seinem Höchst von 9531 Punkten. Und wenn nun jemand aus diesen Worten ein Kaufsignal herauslesen möchte, so sei an die Aussage des erfahrenen Markttechnikers Alfons Cortés verwiesen, die er vergangene Woche am «Index-Day» im Zürcher Convention Point gemacht hat: «Wir kennen die Zukunft nicht. Aber wir können die Gegenwart auf den Punkt bringen.»

 

Erschienen in der BZ am 27. April 2010

Claude Chatelain