Die Billigkasse beschert der Visana keine Freude

Hände weg vor Billigkassen: Albrecht Rychen, Präsident der Krankenkasse Visana.
Hände weg vor Billigkassen: Albrecht Rychen, Präsident der Krankenkasse Visana.

Die Visana-Gruppe präsentiert trotz Gewinneinbruch ein respektables Resultat. Sorgen bereitet die eigene Billigkasse Sana24: Sie verzeichnet zwar einen markanten Kundenzuwachs, ist dafür aber finanziell schlecht aufgestellt.

«Bei Visana, Sana24 und Vivacare kommt es zu keinen ausserordentlichen Prämienerhöhungen im Laufe des Jahres 2010.» Mit dieser Aussage schlug gestern die Visana-Spitze allfällige Befürchtungen in den Wind, Visana oder eine ihrer Schwesterkassen müssten die Prämien in der obligatorischen Grundversicherung schon auf Mitte Jahr erhöhen, wie das bei anderen Kassen zu befürchten ist. Dass der grösste Krankenversicherer im Kanton Bern von einem derart unpopulären Schritt verschont bleibt, ist nicht selbstverständlich. Insbesondere Sana24 ist überhaupt nicht gut aufgestellt, auch wenn der Direktionsvorsitzende Peter Fischer nur von einem «leicht negativen Ergebnis» spricht. Der marginale Verlust von 500 Franken wurde nämlich teuer erkauft: Die komfortable Reservequote von 25 Prozent ist innerhalb eines Jahres praktisch aufgebraucht worden. Sie beträgt per Ende 2009 gerade noch 1,6 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben sind für Kassen dieser Grösse 20 Prozent.

 

Sana24: Steiles Wachstum

 

Für Peter Fischer ist eine solche Entwicklung für «Wachstumskassen» normal, wie Billigkassen bei Visana genannt werden. Denn der Versichertenbestand kletterte bei Sana24 innerhalb eines Jahres von 95000 auf 140000. Somit stieg das Prämienvolumen überproportional an, sodass die Reserven in Prozent eben dieses Prämienvolumens in die Tiefe sackte.

 

Nichtsdestotrotz darf man rückblickend die Behauptung aufstellen, dass die Prämien von Sana24 nicht kostendeckend und damit zu tief waren. Fraglich ist, ob Sana24 aus eigener Kraft die Reserven wieder aufzustocken vermag.

 

Die Verantwortlichen der Visana mussten denn auch gegenüber der Aufsichtsbehörde begründen, weshalb sie die Prämien von Sana24 trotz aufgebrauchter Reserven nicht erhöhen wollen, was ihnen mit Verweis auf die gesunde finanzielle Basis der Visana-Gruppe offenbar gelungen ist.

 

Besserer Risikoausgleich


Die Entwicklung bei Sana24 wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Problematik von Billigkassen – oder eben Wachstumskassen. VR-Präsident Albrecht Rychen macht keinen Hehl daraus, dass er an solchen Kassen keine Freude hat. «Die Zukunft kann nicht die Risikoselektion sein, sondern der Leistungs-, Kosten- und Servicewettbewerb». Das könne aber nur mit einer weiteren Verbesserung des Risikoausgleichs erreicht werden. Wie bekannt, soll 2012 ein neuer Risikoausgleich in Kraft treten. Ob dieser etwas bringt, ist umstritten. So werkeln die Gesundheitspolitiker bereits an einer verfeinerten Variante.

 

Solide präsentiert sich Visana im Bereich der obligatorischen Grundversicherung. Die Reservequote – Reserven in Prozent der Nettoprämien – konnte hier von 18,7 auf 19,5 Prozent erhöht werden. So darf die Visana-Gruppe im heutigen schwierigen Umfeld mit dem Gewinn von 15,3 Millionen Franken zufrieden sein, auch wenn dieser um 35 Prozent tiefer ausfällt als im Vorjahr 2008.

 

Erschienen in der BZ am 24. April 2010

Claude Chatelain