Vierte Säule: Über fondsgebundene Lebensversicherungen

Martin Gerber aus Heimiswil hat 1999 bei der Winterthur eine fondsgebundene Einmalprämienversicherung abgeschlossen. Er bezahlte eine einmalige Prämie von 19512 Franken und versicherte damit eine Todesfallsumme von 27837 Franken.

Naja, man gibt ja nicht einer Versicherungsgesellschaft 19512 Franken, um dann beim Tod die Hinterlassenen mit 27837 Franken abzusichern. Nein, solche Sparversicherungen werden zur Aufbesserung der Altersvorsorge abgeschlossen. Die von der Winterthur in Aussicht gestellte Rendite sah nämlich äusserst verlockend aus: 38491 Franken beträgt das «prognostizierte Erlebensfallkapital» bei Ablauf der zehnjährigen Vertragsdauer, wie der Offerte zu entnehmen ist.

 

Wie viel hat nun der Mann aus Heimiswil nach zehn Jahren erhalten? Lächerliche 13192 Franken, 6320 Franken weniger als einbezahlt; einen Drittel dessen, was die Winterthur geschätzt hatte.

 

Gewiss, auf besagter Offerte steht ebenfalls: «Das Erlebensfallkapital ist nicht garantiert, da es abhängig ist von der Wertentwicklung der von Ihnen gewählten Fondsanteile.»

Die Winterthur gehörte damals der Credit Suisse Group. Und so empfahl der Verkäufer einen Anlagezielfonds ihrer Muttergesellschaft. Die geschätzte Rendite betrage 8 Prozent, so die Offerte.

 

Solche Renditeversprechen sind schlicht dreist, auch wenn die Aktienmärkte über eine lange Zeit betrachtet um 8 Prozent zulegten. Doch Ende 1999 boomten die Aktien wie selten zuvor. Kein ernst zu nehmender Prognostiker sagte damals 8-prozenti-ge Jahresrenditen voraus. Kommt hinzu, dass ja bei Einmalprämienversicherungen nur etwa 80 bis 90 Prozent der Prämie effektiv angespart werden. Der Rest wird für Risikoprämie und Verkaufsprovision abgezwackt.

 

Ohne diese unrealistischen Renditeversprechen hätte Martin Gerber die Versicherung kaum abgeschlossen. Und doch fragen mich verdutzte Exponenten der Versicherungswirtschaft, weshalb wohl die Versicherungen ein derart schlechtes Image hätten.

 

Erschienen in de BZ am 6. April 2010

Claude Chatelain