Ein Apéro für 20 Rappen

Die Bergbahnen Gstaad
Die Bergbahnen Gstaad

Mit plus 25 Prozent erzielten die Bergbahnen Destination Gstaad im abgelaufenen Quartal die grösste Avance unter den nichtkotierten Berner Aktien. Eine typische Liebhaberaktie.

Wie im zurückliegenden Jahr haben auch im ersten Quartal 2010 die Bergbahnaktien zum Teil tolle Avancen erzielt. Etwa die Bergbahnen Gstaad mit plus 25 und die Luftseilbahn Wengen-Männlichen mit plus 19 Prozent. Zu verdanken ist dies unter anderem dem hervorragenden Winter 2008/2009. Einige der Wintersportbahnen erzielten dank dem Schneesegen Rekordergebnisse. Aber auch die dem Ende neigende Wintersaison verläuft im Grossen und Ganzen zur Zufriedenheit der Bahnen, erklärt Sascha Hitz von der Berner Kantonalbank. Die BEKB betreibt für solche nichtkotierte Aktien eine Handelsplattform, die OTC-X.

 

Im Unterschied zu früher zeichnen sich die Wintersportbahnen generell durch stabilere Geschäftsergebnisse aus. Dies dürfte laut Einschätzung von Daniel Zielmann, Geschäftsführer der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen, ebenfalls zu höheren Aktienkursen führen. Die Stabilität ist auch auf die verbesserten Beschneiungsanlagen zurückzuführen. Ein schneearmer Winter reisst nicht unbedingt ein grosses Loch in die Kasse.

 

Gstaad in Front

 

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der glimpflich ausgegangene Absturz einer leeren Gondel bei der Bergbahn Rougemont-La Videmanette dem Aktienkurs der Bergbahnen Destination Gstaad offenbar nichts anzuhaben vermochte, obschon der Betrieb der Gondelbahn seit diesem Unfall nicht mehr aufgenommen wurde. Eine neue Bahn soll die alte ersetzen. Hier ist freilich einzuräumen, dass es sich bei den Aktien der Bergbahnen Destination Gstaad um «Penny Stocks» handelt. Der Nominalwert liegt bei 40 und der aktuelle Geldkurs bei 20 Rappen. Schon eine Veränderung um 5 Rappen – der kleinst möglichen Änderung – führt zu prozentual hohen Schwankungen.

 

Wie kommt die Bergbahnen Destination Gstaad auf die Idee, einen Nominalwert von 40 Rappen festzulegen? «Der Entscheid geht aufs Jahr 2004 zurück, als zehn touristische Transportunternehmen zusammengelegt und in eine einzige AG zusammengefasst wurden», erklärt Finanzchef Felix Wiedemeier. Man suchte damals den grössten gemeinsamen Teiler – und das waren eben 40 Rappen.

 

Mit einer Aktie zum Apéro

 

Wie bei anderen Liebhaberaktien gibt es auch bei der Bergbahnen Destination Gstaad Aktionäre, die nur eine einzige Aktie besitzen. Konkret sind es 13 Aktionäre, die nur ein Papier im Wert von gegenwärtig 20 Rappen halten, das zur Wahrnehmung der Aktionärsrechte und damit zum Besuch der Generalversammlung samt Apéro berechtigt. Felix Wiedemeier bestätigt, dass regelmässig Aktionäre mit nur einer Aktie aus dem Baselbiet oder anderen Kantonen zur GV nach Gstaad reisen. Wie gesagt: Die Aktien der Bergbahnen Destination Gstaad sind nicht unbedingt Renditeperlen, dafür Liebhaberaktien.

 

2260 Aktionäre besitzen jeweils weniger als 2000 Aktien. Wer aber über 2000 und mehr Titel verfügt, erhält eine Aktionärstageskarte gratis. Man rechne: Bei einem Geldkurswert von 20 Rappen kosten 2000 Aktien 400 Franken. Betrachtet man die Aktionärstageskarte im Wert von 60 Franken als Dividende, ergibt das eine Naturaldividende von 15 Prozent, Courtage und Depotgebühren nicht mitgerechnet. Man kann aber die Aktien auch direkt bei der Gesellschaft ohne Courtage und andere Gebühren kaufen. Dann zahlt man aber pro Stück 40 Rappen. Gemäss dem eben genannten Beispiel ergibt das immer noch eine Naturaldividende von 7,5 Prozent – steuerfrei.

 

Wieder mit Dividende

 

Auch die Aktien der Luftseilbahn Wengen-Männlichen stiegen im abgelaufenen Quartal zweistellig, nachdem die Männlichenbahn im zurückliegenden Jahr schon knapp 60 Prozent zulegt hat – so viel wie keine andere Bahnaktie im Berner Oberland. Betriebsleiter Andreas Fuchs führt dies auf den erfreulichen Umstand zurück, dass die Männlichenbahn für das Geschäftsjahr 2008 erstmals seit 16 Jahren eine Dividende auszuschütten vermochte.

 

Börsenkotierte: Swatch tickt am schnellsten

Bei den Berner Aktien, die über eine Börse gehandelt werden, schwingt die grösste Firma obenauf: Swatch Group, die dank ihrer Grösse auch im Swiss Market Index (SMI) der 20 grössten Schweizer Konzerne enthalten ist. Nicht weit dahinter figuriert mit der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen ein weiteres touristisches Transportunternehmen. Geschäftsführer Daniel Ziehlmann führt das auf die stabile

Dividendenpolitik zurück. Die Dividende schwankte in den vergangenen Jahren zwischen 6 und 11 Prozent des Nominalwerts von 100 Franken. Gemessen am heutigen Kurswert von 170 Franken beläuft sich die Dividendenrendite damit zwischen 3,5 und 6,5 Prozent.

 

Erschienen in der BZ am 6. April 2010


Claude Chatelain