Der 23. Juli verhagelte das Ergebnis

Das Hagelgewitter vom 23.Juli  kostete die GVB gegen die 60 Millionen Franken.
Das Hagelgewitter vom 23.Juli kostete die GVB gegen die 60 Millionen Franken.

Die Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) blickt auf ein teures Jahr zurück. Dies allein wegen des 23.Juli 2009. An jenem Tag zog das teuerste Hagelgewitter der 200-jährigen GVB-Geschichte über die Region.

Die höchsten Schäden der Gebäudeversicherung des Kantons Bern werden üblicherweise durch Hochwasser oder durch Sturmwinde à la «Lothar» verursacht. Im zurückliegenden Jahr war es für einmal ein Hagelzug, der das sonst erfreuliche Jahresergebnis trübte. Das Hagelgewitter vom 23.Juli war das teuerste in der über 200-jährigen Geschichte der GVB. Es kostete die GVB und damit indirekt die Hausbesitzer im Kanton Bern gegen 60 Millionen Franken. Das sind 45 Prozent der gesamten Schadenssumme von 130,2 Millionen Franken. Somit muss die GVB für das abgelaufene Jahr versicherungstechnisch ein negatives Ergebnis ausweisen wie schon in den Jahren 2005 bis 2007. Das heisst, die Schadenssumme übertrifft die Prämieneinnahmen um 77,5 Millionen Franken. Dass der Jahresverlust dennoch «bloss» mit 1,3 Millionen zu Buche schlägt, ist dem Kapitalgewinn von 73,7 Millionen zuzuschreiben. Fazit: 2009 war ein schlechtes Schadensjahr und ein gutes Börsenjahr. 2008 war es gerade umgekehrt.

GVB-Chef Ueli Winzenried.
GVB-Chef Ueli Winzenried.

Schäden nehmen zu


«Der Trend der zunehmenden Elementarereignisse im Kanton Bern bestätigt sich», sagte gestern Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung, an der Bilanzmedienkonferenz in Bern. Für die GVB liege die Herausforderung darin, «den Hauseigentümern im besonders schadensexponierten Kanton Bern auch in Zukunft eine solidarische, kundenfreundliche und kostengünstige Gebäudeversicherung anzubieten».

 

Winzenried will nicht einfach die Prämien erhöhen, wie man das als Monopolist locker machen könnte. Vielmehr will er «zusätzliche Deckungsbeiträge erwirtschaften und die vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen optimal auslasten». Mit diesen Worten ist die Brücke zur laufenden Revision des Gebäudeversicherungsgesetzes geschlagen. Der Gesetzesentwurf kommt im Juni im Grossen Rat in die zweite Lesung. Nach diesem neuen Gesetz soll der Gebäudeversicherung die Möglichkeit gegeben werden, auch Wasserschäden zu versichern, die nicht auf ein Elementarereignis zurückzuführen sind, etwa Wasserschäden wegen eines Leitungsbruchs oder eines Rückstaus in der Kanalisation. Der Verkauf solcher Gebäudewasserversicherungen war bisher den privaten Versicherern vorbehalten. Diese Erweiterung des Geschäftsfeldes ist umstritten. Vorallem die Privatversicherer laufen Sturm gegen die neue Konkurrenz.

 

Erschienen in der BZ am 13. März 2010

Claude Chatelain